DER SPIEGEL 31/2026 - Inhaltsverzeichnis
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Böses Blut

Familie Block – Aufstieg und Fall der Steakhaus-Dynastie

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Nr. 31 / 23.07.2026 • Alle Ausgaben •
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In dieser Ausgabe

Meinung

Politische Bühne

Der Moment
Foto: Peter Nicholls / AFP

Zwischen dem britischen Regierungschef und seinem Volk stand bislang meist: ein Pult. Der neue britische Premier Andy Burnham signalisiert schon bei seiner Antrittsrede in der Downing Street den Traditionsbruch. Seit 2010 sind die britischen Regierungschefs dazu übergegangen, sich ein eigenes Rednerpult zimmern zu lassen, David Cameron hatte eines, Theresa May und Boris Johnson. Mit Liz Truss, der konservativen Kurzzeit-Premierministerin, wurde das Pult zum Politikum: Zum Vermächtnis ihrer Amtszeit gehört ein teures handgefertigtes Exemplar, dessen Stütze aussah wie ein verdrehter Turm aus Jenga-Blöcken. Nach nur 49 Tagen im Amt musste sie daran ihre Abschiedsrede halten. Die Tischlerarbeit zog ähnlich viel Spott auf sich wie Truss selbst. Andy Burnham, nahbar am Mikro, riskierte da nichts. ded

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Endlich debattiert das Land über das fragwürdige deutsche Verbot von Leihmutterschaften. Auslöser ist der Fall Jens Spahn, der zu Recht für seine Doppelmoral kritisiert wird, zum Teil unangemessen heftig. Ein Minus im Plus.

Schlecht: Miriam Scherff (SPD), Oberbürgermeisterin von Wuppertal, hat Hassnachrichten öffentlich gemacht. Unter anderem wünscht jemand ihrer kleinen Tochter eine Vergewaltigung, ein Gipfel des Widerwärtigen. Nun solidarisieren sich Führungskräfte der Stadt mit ihr. Ein Plus im Minus.

Hieroglyphe unserer Zeit

Das Alpine Notsignal gibt, wer sechs Signale innerhalb einer Minute sendet. Das kann Pfeifen, Rufen oder Blinken mit der Stirnlampe sein. Dann folgt eine Minute Pause, bevor der Zyklus von vorn beginnt. Nicht immer haben Wanderer in höchster Not genug Handyempfang, um die Bergrettung zu alarmieren. Deswegen kann es für alle, die in den Ferien in die Berge aufbrechen, überlebenswichtig sein, das Alpine Notsignal zu kennen. acl

Aufgezeichnet

Höhere Tabaksteuer fürs Gesundheitswesen

»… wollte Ihnen nur mal Danke sagen – für die solidarische Unterstützung!«

»… wollte Ihnen nur mal Danke sagen – für die solidarische Unterstützung!«

Helena Baumeister / DER SPIEGEL

Gegenstand der Politik
Foto: Michael Brandt  / dpa  / picture alliance

Die Tomate

Am Sonntag traf es Markus Söder, am linken Ohr: politisches Sommergemüse. Bei einem Termin am Chiemsee flog unvermittelt eine Tomate gen bayerischen Ministerpräsidenten. Söder blieb cool, der Täter wurde gefasst. Paradeiser gehören für Politiker zum Berufsrisiko: Angela Merkel bekam es 2017 mit fliegenden Exemplaren zu tun, genau wie 2011 ihr Unionskollege Alexander Dobrindt. Nur Eier übertreffen sie im Platzen an Flutschigkeit. Deren Glibber brachte 1991 in Halle den Einheitskanzler Helmut Kohl derart in Rage, dass er auf die Eierwerfer losging. Gleich vier Politiker fingen sich 2016 eine ganze Torte ein: Beatrix von Storch und Albrecht Glaser von der AfD, Parteikollege Jörg Meuthen (ein tiefgefrorenes Exemplar) und Sahra Wagenknecht, damals noch Linke (Schokotorte). 2025 war Christian Lindner fällig, damals Vorsitzender der FDP. Lindner leckte hinterher prüfend zwei Finger ab, aber die Torte bestand aus Rasierschaum. Gefährlich sind nur feste Gegenstände: 2009 schlug ein Mann dem damaligen italienischen Premier Silvio Berlusconi eine Miniatur des Mailänder Doms ins Gesicht. Die Nase brach, die Lippe blutete, zwei Zähne brachen ab. Es war Mitte Dezember in Italien. Tomaten hatten keine Saison. ded

Landauf, landab

Sparkurs: Die Bundesregierung aus Union und SPD will den Kindersofortzuschlag streichen. Das ist eine Sozialleistung für junge Leute unter 25 Jahren, die aus einkommensschwachen Familien stammen. Sie erhalten vom Staat bisher 25 Euro zusätzlich zum Kindergeld. Die Linksfraktion im Bundestag hat die Zahl der Betroffenen bei der Regierung abgefragt: Es sind bundesweit mindestens 1,9 Millionen Menschen, diese Zahl entspricht etwa zehn Prozent der Menschen in der relevanten Altersklasse. Die Quote unterscheidet sich stark nach Bundesland. Am niedrigsten ist sie in Bayern (knapp 5 Prozent), am höchsten in Bremen (knapp 20 Prozent).

Deutschland

Debatte

Ausland

Der Moment
Foto: Jorge Mateo Romay Salinas / Anadolu Agency / ABACAPRESS / ddp

Eine junge Bolivianerin tritt beim Cholita-Skatewettbewerb in der Hauptstadt La Paz an. Die Cholitas, wie indigene Frauen in ihren traditionellen Kleidern genannt werden, nutzen den Sport, um für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Rassismus zu kämpfen. Obwohl die meisten Bolivianerinnen und Bolivianer indigener Abstammung sind, werden sie oft benachteiligt. Skating gilt als Sport der Rebellion, er ist vor allem im Andenhochland populär. In vielen Orten haben sich Jugendliche zu Skatinggruppen zusammengefunden. jgl

Wo tragen Frauen fremde Babys aus?

Reporter

Wirtschaft

Maschine der Woche
Foto: Richard Sutherland

Das Cyberdeck

Nur Männer können programmieren, und Tech-Gadgets müssen düster und gefährlich aussehen? Mit diesen Mythen räumen Frauen auf, die sogenannte Cyberdecks in Make-up-Schachteln oder Spielschatullen einbauen und dies online teilen. Das sind Minicomputer aus der Cyberpunk-Literatur. Eine Bastlerin nutzt ihr Cyberdeck mit Bildschirm, Tastatur und Maus im Meerjungfrauenstil etwa zum Gaming. Neben die Platine hat sie künstliches Moos geklebt und eine kleine Muschel, die beim Öffnen eine Speicherkarte freigibt. Eine andere Frau hat einen Touchbildschirm in eine Lidschattenpalette integriert und swipt damit auf einer Datingplattform. Viele Tüftlerinnen bringen sich die Fähigkeiten von Hardware bis Software selbst bei. kko

Nachgezählt

37,5

Prozent der Menschen in Wohngeld-Haushalten sind Kinder. Die Bundesregierung will die Sozialleistung drastisch kürzen, von zuletzt fünf auf drei Milliarden Euro im Jahr.

Quelle: Paritätischer Gesamtverband

Chart der Woche

Der Hype hielt nicht lange: Gut einen Monat nach seinem Rekordbörsengang hat das US-Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert verloren. Die Aktie schwankt um die 120 Dollar – fast die Hälfte des Tageshochs Mitte Juni.

Dabei hätte der Start kaum pompöser sein können: Mit rund 75 Milliarden Dollar Emissionserlös war es der größte IPO der Geschichte. Banken rührten die Werbetrommel, Indexanbieter lockerten ihre Regeln, damit die SpaceX-Aktien schneller in Leitzindizes wie den Nasdaq 100 rutschte.

Umso bemerkenswerter ist dieser Absturz. Ein Grund ist die wachsende Skepsis gegenüber den gewaltigen KI-Investitionen, die KI-Sparte xAI verbrennt Milliarden. Dazu kommen die Erwartungen auf steigende Zinsen, die hoch bewertete Techkonzerne wie SpaceX belasten, indem sie weit in der Zukunft liegende Gewinnversprechen entwerten. Zusätzlich musste SpaceX vergangene Woche einen Start der Rakete Starship wegen technischer Probleme abbrechen.

Im August legt SpaceX seine erste Quartalsbilanz vor – und Anleger sollten genau hinschauen. Dann endet für viele Frühinvestoren und Mitarbeiter die Haltefrist. Wenn sie Kasse machen, könnte der Druck auf die Aktie weiter steigen. utr

Wissen

Nachgezählt

22

Stunden hat der Flugzeugbauer Airbus für den bisher längsten Testflug des neuen A350-1000ULR (Ultra Long Range) zwischen Toulouse und dem australischen Melbourne Ende Juli eingeplant. Ab 2027 soll der Rekordflieger dank eines Zusatztanks die erste Nonstop-Verbindung zwischen Sydney und London aufnehmen.

Quelle: Executive Traveller

Der Moment
Foto: Heng Sinith / AP / dpa

Einmal im Jahr zeigen die Behörden von Kambodscha, wie ernst ihnen der Kampf gegen illegale Drogen ist. Dann errichten sie feierlich Scheiterhaufen und verbrennen öffentlich Rauschmittel, die zuvor bei Razzien beschlagnahmt wurden, darunter Heroin, Ecstasy, Ketamin oder auch deren Vorläuferchemikalien. 5,6 Tonnen waren es diesmal, ihr Straßenwert, so melden es die lokalen Medien, lag bei 500 Millionen US-Dollar. Gleichwohl sind all die geächteten Substanzen weithin verfügbar im Land. Wer damit handelt, dem droht lebenslange Haft. me

Kultur

Sport

Randsportart
Foto:

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE / dpa

Das Schwingen ist eine Schweizer Art des Ringens und international eher wenig bekannt. Die Anfänge des ursprünglichen Hirten- und Bauernspiels lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurück­verfolgen, wie eine frühe Darstellung belegt. Ziel ist, den Gegner mit einem der über 100 verschiedenen Schwünge aufs Kreuz zu legen. Gekämpft wird auf Sägemehl. Die bes­­ten Schwinger werden als die »Bösen« bezeichnet, unter ihnen wird alle drei Jahre der Eidgenössische Schwinger­könig gekürt. Als Lebendpreis winkt traditionell ein Stier. ngo

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Niemals geht man so ganz