Es ist gar nicht so selten, dass Beerdigungen den Zusammenhalt der zu diesem Anlass versammelten Restfamilie fördern: Unter dem kathartischen Schock eines Todes scheinen überraschend Einigungen möglich, Kriegsbeile werden begraben. Am Dienstag wurde der US-amerikanische, republikanische Senator Lindsey Graham in einem Sarg unter der amerikanischen Flagge in der Rotunde des Kapitols aufgebahrt, der Trump-Unterstützer war mit 71 Jahren überraschend gestorben. Zur anschließenden Trauerfeier kamen auch Staats- und Regierungschefs der in Kriegen verstrickten Weltfamilie. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte die Gelegenheit, um vorher mit US-Präsident Trump persönlich zu sprechen. Danach zeigten sich beide erfreut und einig. Ein Sanktionspaket gegen Russland soll Grahams Namen tragen. DED
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Der neue britische Premier Andy Burnham hat einen gelungenen Start ins Amt hingelegt. Er will möglichst rasch konkrete Probleme lösen, etwa Obdachlosigkeit oder steigende Lebenshaltungskosten. Ein Hoffnungszeichen für die demokratische Mitte.
Schlecht: Argentiniens Präsident Javier Milei mischt sich in den brasilianischen Präsidentschaftswahlkampf ein und unterstützt den rechtsgerichteten Kandidaten Flávio Bolsonaro. Die rechtspopulistische Achse in Lateinamerika droht sich zu verstärken.
Aufgezeichnet
Personalrochade in der Regierung
Ließ sich Merz bei der Neuaufstellung von Klopp beraten?
Wer jemals mit kleinem Budget den indischen Subkontinent bereist hat, wird dort womöglich Bekanntschaft mit Küchenschaben gemacht haben – die Vorratsschädlinge gehören dort gewissermaßen zur Grundausstattung der Fauna in Stadt und Land. Kakerlaken sind keine Gegenstände, nun aber trotzdem »Gegenstand der Politik«. Denn »Kakerlaken« haben mit wochenlangen Kundgebungen den Rücktritt des indischen Bildungsministers erzwungen. Auslöser der Unruhen war ein Skandal um durchgesickerte Prüfungsunterlagen für einen Aufnahmetest an Hochschulen, nach dem mehr als zwei Millionen Bewerber ihre Prüfungen wiederholen mussten. Der Name der Bewegung geht auf die abfällige Bemerkung eines Richters am Obersten Gerichtshof zurück, der junge Arbeitslose als »Kakerlaken« und »Parasiten« bezeichnet hatte. Geschickt machten sich diese die Schmähung zu eigen, nannten sich ironisch »Cockroach Janta Party« – und nötigten als »Kakerlakenpartei« mit ihren Protesten den Premierminister, ihren Forderungen nachzugeben. Nun strebt die Bewegung noch weitreichendere Gesellschaftsreformen an. Wer Kakerlaken kennt, weiß, dass die Tierchen beharrlich und nicht einfach loszuwerden sind. fra
Hieroglyphe unserer Zeit
Ungewohntes Gebimmel, das sich deutlich vom üblichen Geklingel unterscheidet, dazu eine Warnung vor Großbrand, Flut oder sonstigen Bedrohungen für Leib und Leben – der telekommunikative Durchgriff aufs Smartphone ist eine alarmierende Erfahrung. Deshalb wird er in der Regel von einem Symbol begleitet, das als offizielles Verkehrsschild eine nicht näher definierte »Gefahrstelle« anzeigt. Es ist eine Art Warndreieck für den Bildschirm. fra
Landauf, landab
Männerquote: In Deutschland leben mehr junge Männer als junge Frauen. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Männeranteil bei 52,3 Prozent. Eine Erklärung: Es werden mehr Jungen als Mädchen geboren. Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: In Hamburg sind junge Männer nur knapp in der Mehrheit (50,04 Prozent), in Sachsen-Anhalt ist ihr Anteil so hoch wie nirgendwo sonst (53,87 Prozent). Es folgen Brandenburg (53,72 Prozent) und Thüringen (53,57 Prozent). Betrachtet man alle Altersgruppen, leben in Deutschland mehr Frauen als Männer – was vor allem an ihrer höheren Lebenserwartung liegt. bbr
Sitzstreik. Eine Albanerin beklatscht in der Hauptstadt Tirana den täglichen Massenprotest gegen die Regierung, der sich zum größten Aufruhr seit dem Zusammenbruch des Kommunismus ausgeweitet hat. Was Ende Mai als Kundgebung gegen ein von Donald Trumps Tochter Ivanka beworbenes Luxusressort an einem unberührten Küstenstreifen begonnen hat, ist zur Gefahr für Langzeitregent Edi Rama geworden. Die Demonstranten sehen in ihm eine treibende Kraft hinter dem Projekt, für das sich auch Korruptionsermittler interessieren. Ramas Antwort per Interview: »Fuck you.«
Wenn den Bürgern in Deutschland eines wichtig scheint, ist es ein Auto, das sauber im Sonnenschein funkelt. Ganz egal, wie staubig die Luft sein mag. Wer selbst in Dürrezeiten auf die rituelle samstägliche Reinigung nicht verzichten mag, sollte zum Schutz der knappen Ressource Wasser wenigstens eine moderne Autowaschanlage nutzen, statt den Gartenschlauch vor das Garagentor zu zerren. Dank mehrstufiger Aufbereitung nutzen solche Anlagen bis zu 90 Prozent Brauchwasser und benötigen deshalb lediglich zwischen 15 und 30 Liter Frischwasser pro Wäsche. Zum Vergleich: Durch einen Gartenschlauch fließen knapp 10 bis 15 Liter in der Minute, machen bei einer privaten Autowäsche schon mal gut 200 Liter Trinkwasser. mad
Prozent: Um so viel stieg der Kurs des Speicherchipherstellers CXMT nach seinem Börsenstart in Shanghai am Montag in der Spitze. CXMT wird damit zu Chinas wertvollstem Konzern, eine Folge des KI-Halbleiterbooms.
Die Menschen in den weißen Schutzanzügen erledigen einen gefährlichen Job: In Bunia, einer Stadt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, holen sie einen Mann ab, der wohl an Ebola gestorben ist. Etwa 3300 Erwachsene und Kinder sind seit Mitte Mai in dem Land offiziell am Bundibugyo-Ebolavirus erkrankt, die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Mehr als 1400 haben die Infektion nicht überlebt. Die Toten sind sehr ansteckend; das Team des örtlichen Zivilschutzes desinfiziert daher die Särge, mit denen es die Leichen abtransportiert. gui
Nachgezählt
13,7
Prozent aller Menschen in Sachsen-Anhalt sind stark übergewichtig – und damit mehr als in jedem anderen deutschen Bundesland. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Mecklenburg-Vorpommern (13,1 Prozent) und Thüringen (12,5 Prozent). Hamburg weist mit 8,02 Prozent die niedrigste Adipositasrate auf.
Wasserski im Schlamm mit Kühen? Nicht ganz. Zwar lässt sich Pacu Jawi grob mit »Kuhrennen« übersetzen, doch hinter der Tradition aus Westsumatra steckt mehr. Bei dem Schauspiel, bei dem ein Jockey sich an den Schwänzen zweier Rinder festhält, werden keine Zeiten genommen. Stattdessen bewerten die Zuschauer, welches Tier mit Tempo und Geradlinigkeit überzeugt; ihre Favoriten können sie danach ersteigern. Als Rennstrecke dient ein geflutetes Reisfeld. Die Veranstaltung ist zuvorderst ein Erntefest, zieht aber immer mehr Touristen an. cev
Ließ sich Merz bei der Neuaufstellung von Klopp beraten?
Leonard Riegel / DER SPIEGEL
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