Sehen so Rebellen aus? Drei freundlich lächelnde Herren im besten Alter, die ihre Hände übereinanderlegen, als wollten sie einen ostdeutschen Rütlischwur besiegeln? Die CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt, Sven Schulze und Michael Kretschmer aus Erfurt, Magdeburg und Dresden tragen vergangene Woche weiße Businesshemden, als sie gemeinsam zur Bootstour auf dem Geiseltalsee bei Merseburg aufbrechen. Weiß ist bekanntlich die Farbe der Unschuld. Und so sind die drei vom See eben auch keine echten Rebellen, sondern nur »Rentenrebellen«, was wiederum die sanfteste und zugleich sehr deutsche Variante des Rebellentums ist. Sie mäkeln an dem Rentenpaket der Regierung herum, das sie vor wenigen Wochen noch enthusiastisch begrüßt haben. Aber jetzt ist Wahlkampf in Ostdeutschland, und da ist fast alles erlaubt. ham
Aufgezeichnet
Opa war in der NSDAP
»Okay, gießen oder nicht gießen?«
Miriam Wurster
Hieroglyphe unserer Zeit
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DER SPIEGEL
Weder in »Werder Bremen« noch in »VfB Stuttgart« kommt der Buchstabe Ü vor. Allerdings haben beide Clubs zu Marketingzwecken eigene Schrifttypen entwickeln lassen – bei derselben Agentur. Weshalb nun auch Bremen ein Ü verwendet, in dem die beiden putzigen Pünktchen aussehen wie Kugeln, die in ein U gepurzelt sind. Stüttgart schäumt! Vielleicht sollten die Fußballvereine ihren Streit auf dem Platz austragen. Wer gewinnt, darf sein Design behalten. fra
Es gibt wohl kaum Dinge im öffentlichen Raum, denen wir im Alltag so wenig Beachtung schenken wie den fest installierten Messlatten im Uferbereich unserer Seen, Flüsse oder Kanäle. Wenn wir aber hinschauen, dann meistens mit leichtem Grusel vor unheimlichen Höchstständen der Pegel in der Vergangenheit: »Schau mal, elf Meter, das historische Hochwasser von 1925!« Oder aber mit aktueller Sorge wie dieser Tage, da beispielsweise der Wasserstand des Rheins in Düsseldorf mit 20 Zentimetern auf einen neuen Tiefstwert gefallen ist. Die Trockenheit macht gerade großen Wasserstraßen wie Rhein, Elbe oder Weser zu schaffen. Das Transportwesen mit Binnenschiffen ist auf die ausgebaggerte Fahrtrinne zurückgeworfen, und selbst das oft nur mit eingeschränkter Zuladung. Experten sehen schon das Wirtschaftswachstum gefährdet, Politiker fordern den Flussausbau. Das Verkehrsministerium hat immerhin den Umbau von drei Binnenschiffen für Niedrigwasserbetrieb mit 10,5 Millionen Euro gefördert. Ansonsten setzt man vorerst vor allem auf ein verbessertes Informationssystem – damit die Binnenschiffer wenigstens wissen, wann sie Teile ihrer Ladung an Land lassen müssen. fra
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Laut Infratest dimap hätte die AfD derzeit in Sachsen-Anhalt keine absolute Mehrheit. Umfragen sind Umfragen, aber anders als behauptet, ist das Rennen noch nicht gelaufen. Am 6. September wird gewählt.
Schlecht: Am Ende haben sich die EU-Partner nach der Ankunft Zehntausender Migranten in der Exklave Ceuta doch noch hinter Spanien gestellt – aber erst mal hatten 22 Staats- und Regierungschefs die spanische Regierung angegriffen. So betreiben demokratische Staaten das Geschäft ihrer Gegner.
Landauf, landab
Vereinzelt: Rund ein Fünftel der Menschen in Deutschland lebt allein. Zwischen den Bundesländern gibt es dabei teils erhebliche Unterschiede: Während es in Rheinland-Pfalz 18,7 Prozent Alleinlebende gibt, sind es in Berlin 8 Prozentpunkte mehr. Auch in den anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen gibt es überdurchschnittlich viele Einpersonenhaushalte. Erklärbar ist das zum einen dadurch, dass junge Menschen häufig in die Städte ziehen, Familien eher ins Umland oder in ländliche Regionen. Die zweite Gruppe häufig Alleinlebender sind Senioren. Wohl auch daher liegt Sachsen-Anhalt mit seiner vergleichsweise alten Bevölkerung über dem Bundesschnitt. bbr
Anhänger der sufistischen Layene-Bruderschaft singen traditionelle Lieder am Grab des Gründers Seydina Mouhammadou Limamou Laye in Senegals Hauptstadt Dakar. Rund 95 Prozent der Bevölkerung des westafrikanischen Staats sind Muslime. Die vorherrschende Glaubensströmung ist der Sufismus, die islamische Mystik. Anders als viele seiner Nachbarstaaten gilt Senegal als vergleichsweise stabiles Land, kaum anfällig für Islamismus und Terrorismus. Dass der Sufismus und der Pazifismus der Senegalesen zusammenhängen, halten Westafrikakenner für wahrscheinlich. MUK
Baumaschinen, die Großes bewegen, tragen oft mickrige Namen: Kran oder Bagger, selbst Kleinkinder können das aussprechen. Auf den Self-Propelled Modular Transporter (SPMT) trifft das eher nicht zu: eine selbstfahrende Plattform, die zwar keine Berge versetzt, aber so ziemlich alles, was etwas kleiner ist. Vor einigen Tagen rollte ein SPMT die neue, 3700 Tonnen schwere Sternbrücke durch Hamburg. Voriges Jahr verlagerten zwei SPMT eine schwedische Kirche. Weil eine Maschine, die der Menschheit solche Dienste erweist, einen schönen Spitznamen verdient, nennen manche sie »Tausendfüßler«. Ähnlich hübsch klingt der Name des SPMT-Erfinders: Scheuerle Fahrzeugfabrik aus Pfedelbach bei Heilbronn. akü
Nachgezählt
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Milliarden Euro, so hoch war der Umfang der Aufträge, den Siemens Energy zum Ende des abgelaufenen Quartals in den Büchern hatte, ein Rekord. Der Münchner Konzern profitiert von der hohen Energienachfrage für KI-Rechenzentren.
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Sprung in die Freiheit: Nach mehr als 70 Jahren ist Tigerweibchen Ümit das erste Exemplar seiner Art, das an diesem Julitag die kasachische Wildnis erkundet. Nachdem der Tiger in dem zentralasiatischen Land nach dem Zweiten Weltkrieg ausgestorben war, beschloss die Tierschutzorganisation WWF 2017 mit der kasachischen Regierung, ihn wieder anzusiedeln. Dafür wurde das Naturschutzgebiet Ile-Balchasch mit Beutetieren wie Hirsch und Wildesel bestückt. Die Hoffnung ist, dass Ümit, und bald auch andere Tiger, hier ein Zuhause finden. kk
Erden bräuchte die Menschheit jährlich, damit sich angesichts ihres Ressourcenverbrauchs die Ökosysteme regenerieren könnten. Diese Berechnung erfolgt unter anderem auf Basis des CO₂-Ausstoßes, Fischfangs, Süßwasserverbrauchs und der Abholzung der Wälder.
Ein antriebsloses Gefährt selbst zusammenbauen und dann auf abschüssigem Gelände Fahrt aufnehmen – dem Seifenkistenrennen geben sich vorwiegend Kinder und Jugendliche schon seit mehr als 100 Jahren hin. 60 Kilometer pro Stunde sind diese kleinen Automobile wie hier in London oft schnell. Seinen Namen hat der Sport wegen der hölzernen Verpackungskisten für Seifen erhalten, die in den USA häufig als Grundgerüst für die wilden Modelle dienten. Dort findet in Ohio seit 1934 jährlich das »Soap Box Derby« statt. mfu
Foto: Kazakhstan's Ministry of Ecology and Natural Resources / REUTERS
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Ben Montgomery / Getty Images
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