DER SPIEGEL 37/2026 - Inhaltsverzeichnis
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»Wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung«

Russlands Aggression und Deutschlands Antwort

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Nr. 37 / 03.09.2026 • Alle Ausgaben •
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Politische Bühne

Der Moment
Foto: Niklas Grapatin / DER SPIEGEL

Irgendwann ist jeder Herrschende, egal wie mächtig er im Leben war, nur noch Gebein. Womöglich ist Sven Schulze, dem amtierenden Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, fünf Tage vor der Landtagswahl im Magdeburger Dom so ein melancholisches Memento mori durch den Kopf gegangen. Der CDU-Kandidat nahm an der zweiten Bestattung von Kaiser Otto I. teil. Nach mehr als 1000 Jahren hatte dessen Grabstätte saniert werden müssen, am Dienstag wurden seine Überreste in einem nagelneuen Titansarg wieder beigesetzt. Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer bemerkte tagesaktuell: »Ein Rassist kann nicht Deutscher sein. Dem lasst uns fröhlich widerstehen mit dem Geist Ottos.« Vielleicht hat Schulze da auch hoffnungsfroh gedacht, dass Herrschende, denen etwas gelingt, als Vorbilder überdauern können. DED

Gegenstand der Politik
Foto: walik  / E+  / Getty Images

Der Eishockeyschläger

Wohl keine andere Sportart symbolisiert die immerwährende Rivalität zwischen den USA und Kanada wie Eishockey. Schon seit dem ersten olympischen Eishockeyturnier 1920 in Antwerpen kämpfen die nordamerikanischen Nachbarstaaten um die Vorherrschaft auf dem Eis, stets sind die Begegnungen der Mannschaften höchst emotional und national aufgeladen. Einen jüngsten Tiefpunkt erreichte das ewige Gerangel beim »4 Nations Face-Off« im Februar 2025, als bei einer Begegnung der Teams in der Vorrunde drei Schlägereien gezählt werden mussten – und das allein in den ersten neun Sekunden. Allerdings zeigte sich beim Eishockey auch schon und immer wieder die herzliche Verbundenheit der ungleichen Nachbarn: Mehrfach geschah es bereits, dass kanadische und US-amerikanische Zuschauer lautstark die jeweils gegenseitige Hymne mitsangen, wenn die Tonanlage des Stadions streikte. Diese heiße, sportliche Leidenschaft hat sich jüngst in geschäftsmäßige Kälte gewandelt: In Donald Trumps Zollkrieg gegen den Rest der Welt herrscht zwischen den USA und Kanada nach den gescheiterten Verhandlungen nun eisiges Schweigen. Und für kanadische Eishockeyschläger gilt ein US-Einfuhrzoll von 50 Prozent. kuz

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Eine US-Bundesrichterin hat gut zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen die von Präsident Donald Trump verschärften Regeln für die Briefwahl vorerst gestoppt. Ein Rückschlag für Trumps Versuche, den Zugang zur Wahl zu erschweren.

Schlecht: Die US-Regierung hat mehreren Journalisten, unter anderem von Bloomberg und der »New York Times«, den Zutritt zum G20-Treffen der Finanzminister in North Carolina verwehrt. Der nächste Angriff der Trump-Administration auf unabhängigen Journalismus.

Hieroglyphe unserer Zeit
Foto: Elke Münzel / CHROMORANGE / picture alliance

Seit Herbst 2020 können Hersteller ihre Lebensmittel mit einem Nutri-Score in Umlauf bringen – farbig, fünfstufig und freiwillig. So steht das grüne A für ein günstiges, das rote E für ein eher ungünstiges Nährwertprofil innerhalb einer Lebensmittelkategorie. Als politisches Instrument auf dem Weg zu gesünderer Ernährung sollte das ausreichen. Mit ihrer geplanten Zuckersteuer geht die Regierung einen Schritt weiter: hin zu mehr Einnahmen für den Staat. fra

Landauf, landab

Autoland Nie waren in Deutschland so viele Pkw zugelassen wie zu Beginn dieses Jahres: 49,5 Millionen. Regional sind die Wagen unterschiedlich verteilt, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Besonders gut ausgestattet sind die Saarländerinnen und Saarländer. Dort kommen auf 1000 Köpfe 649 Autos. Ähnlich sind die Zahlen in Rheinland-Pfalz und Bayern. In den ostdeutschen Bundesländern liegen sie niedriger, womöglich weil die Menschen dort im Durchschnitt schlechter verdienen als im Westen. Am wenigsten Autos besitzen die Menschen in Hamburg, Bremen und Berlin. Kein Wunder, sie können fast alles auch gut mit Bus und Bahn erreichen. ned

Deutschland

Debatte

Ausland

Wie lange haben Kinder im Sommer schulfrei?

Der Moment
Foto: Carlos Osorio / The Canadian Press / AP

Mit Kran, Netz und Tragegeschirr hieven Fachleute den Belugawal Tofino aus dem Wasser. Der 1500-Kilo-Koloss ist einer von 30 Artgenossen, die jüngst aus dem Aquapark Marineland in der kanadischen Provinz Ontario abtransportiert wurden. Die Belugas sowie vier Delfine sollen auf fünf Aquarien in den USA und Spanien verteilt werden. Nach Protesten von Tierschützern erließ Kanada 2019 ein Gesetz, das die Haltung von Walen und Delfinen verbietet. Tofino geht als Kanadas letzter in Gefangenschaft lebender Wal in die Geschichte ein. asa

Reporter

Wirtschaft

Nachgezählt

50

Prozent höher als im Vorjahr lag 2025 mit 86 Milliarden Euro die Summe der Direktinvestitionen ausländischer Firmen in Deutschland. Mit 199 Millionen machten die Investitionen aus China gerade mal 0,2 Prozent aus.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

Maschine der Woche
Foto: Vitestro

Wenn eine Krankenschwester sagt: »Sie haben aber schlechte Venen«, hat sie die Nadel womöglich schon danebengehauen. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA nun Aletta zugelassen, einen schrankgroßen Blutabnahmeroboter des niederländischen Start-ups Vitestro. Das Gerät sucht mittels Infrarot und Doppler-Ultraschall eine Vene, staut, desinfiziert, sticht, wechselt Röhrchen, klebt Pflaster. Sticht sie, sitzt der erste Versuch in 94,5 Prozent der Fälle, treffsicher wie geübtes Personal. Eine Fachkraft beaufsichtigt bis zu drei Roboter. Bislang läuft Aletta in fünf Kliniken in den Niederlanden und Dänemark, verkauft wird sie noch nicht. Findet Aletta keine Vene, schickt sie den Patienten weiter: zum Menschen. mum

Wissen

Nachgezählt

38,6

Prozent der Menschen, die sich in einer finnischen Bevölkerungsstudie selbst als Nachteulen einschätzten, gaben an, selten oder nie ausreichend Schlaf zu erhalten. Sie klagten doppelt so häufig darüber wie extreme Morgentypen, die nur zu 19 Prozent überzeugt waren, nicht genug zu schlafen.

Quelle: »Sleep Health«

Der Moment
Foto: Joy Richman / University of British Columbia

Dieser Embryo einer Südafrikanischen Hausschlange ist in einer Spirale gewunden. Warum der Nachwuchs vieler Schlangen im Ei diese Form annimmt, haben Forscher nun untersucht: Der Darm der Tiere wächst demnach langsamer als der Rest und ist zudem zur Nährstoffversorgung am Dottersack außerhalb des Körpers fixiert. Wird der Darm beim Wachsen gewissermaßen vom restlichen Körper überholt, windet sich die Schlange spiral­förmig um ihre Innereien. Da sich der Dottersack auf der linken Seite befindet, dreht sich der Körper nach rechts. kk

Kultur

Kino-Preview

Sport

Randsportart
Foto:

Hauke-Christian Dittrich / dpa / picture alliance

Wer Lust hat, sich einzusauen, könnte im Schlickrutschen seine Sportart finden. Auf einer Art Schlitten kämpfen sich die Teilnehmer durchs Watt. Ein Körperteil bleibt dabei stets auf dem Gerät, ein Bein liefert die Vortriebsarbeit durch den Schlamm. Besonders der Start gilt als kräftezehrend. Seine Wurzeln hat das Schlickrutschen in der Arbeit der Fischer: Sie nutzten die Schlitten einst, um rasch zu ihren Netzen zu gelangen. Aus dieser Fortbewegung im Watt ist längst ein Wettkampfsport mit deutschen Meisterschaften geworden. jan

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