Im türkischen Izmir wurden am Montag Demonstrierende festgenommen, die ihrerseits gegen die Festnahme von Aktivisten hatten protestieren wollen. Am Dienstag gab es ähnliche Szenen vor dem Justizpalast in Istanbul. Bei landesweiten Razzien in der Türkei waren am Sonntag zuvor Kneipen und Wohnungen von LGBTQ+-Aktivisten durchsucht worden, zahlreiche Menschen wurden dabei verhaftet. Die EU hatte die türkische Regierung daraufhin ermahnt, die Menschenrechte einzuhalten. Stattdessen erklärte die, ihre Kampagne »Meine Familie ist sicher« fortzusetzen. Präsident Recep Tayyip Erdoğan sind queere Menschen persönlich ein Dorn im Auge, er nennt sie »Perverse«. Auch wenn die EU Erdoğans Einschüchterungen mit ihrer Ermahnung offenbar nicht verhindern kann: Hinschauen ist jederzeit möglich. ded
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Plus: Der Oberste Gerichtshof der USA hat verhindert, dass Donald Trump die Regeln für die Briefwahl verändern kann. Davon hatte sich der Präsident Vorteile für seine Republikaner bei den Zwischenwahlen am 3. November erhofft.
Minus: Nato-Kampfjets haben eine Drohne über Litauen abgeschossen. Eine russische Drohne hat mehrere Lkw am Grenzübergang nach Polen attackiert. Ein Zug von Kyjiw nach Warschau wurde nahe der Grenze von einer Drohne angegriffen. Die Bedrohung für die westlichen Demokratien wächst. dk
Hieroglyphe unserer Zeit
Mit einem X kennzeichnen Mathematiker in ihren Gleichungen die Unbekannte – doch in Form des Kreuzes auf dem Wahlzettel ist das X auch das bewegliche Kontinuum der Demokratie: Berechtigte dürfen ihr Kreuz bei jeder Wahl frei und geheim setzen, jedes Mal kommt ein anderes Ergebnis heraus. Und sollte sich der heftige Rechtsruck von Sachsen-Anhalt in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht fortsetzen, schlagen viele erst einmal drei Kreuze. DED
Wenn es etwas gibt, woran sich auf den ersten Blick die Zufriedenheit der Deutschen mit dem Lauf der Dinge ablesen lässt, dann sind das die Preise an den Tankstellen. Wie sonst nur Probleme bei der Bahn, sind die sogenannten Preismasten derzeit hauptsächlich Empörungsangebote. Wie Fieberthermometer zeigen sie an, wie teuer das Leben insbesondere für jenen Teil der Bevölkerung ist, der auf Automobile und fossile Kraftstoffe angewiesen ist. Läuft’s rund, halten sich die Preise für Super oder Diesel in erträglichen Grenzen. Knirscht es aber beispielsweise in der Straße von Hormus, gehen die Preise durch die Decke – und müssen, wie neuerdings wieder der Kanzler fordert, irgendwie gedeckelt werden: »Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen.« Sinnlos wäre es, seinen Frust an den Menschen hinter der Kasse abzuladen. Mineralölkonzerne übertragen die jeweils aktuellen Preise per Funk oder Kabel umgehend an die Zapfsäule sowie die Steuerung der Preismasten. Dort schaltet die Segment- oder LED-Anzeige sofort um und wird mit der Kasse synchronisiert. Sofern es also um diese gut beleuchteten Menetekel geht, klappt’s mit der Digitalisierung in Deutschland ganz wunderbar. FRA
Hoteliers in Sachsen-Anhalt fürchten Stornierungen
Nun müssen auch sie die braune Suppe auslöffeln.
Julian Fiebach / DER SPIEGEL
Landauf, landab
Voller Energie: Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromerzeugung wächst seit Jahren. 2025 lieferten Windkraft, Sonnenenergie, Biomasse und andere alternative Quellen laut dem Fraunhofer-Institut ISE rund 60 Prozent der ins Netz eingespeisten Strommenge. Spitzenreiter war mit 89,6 Prozent Schleswig-Holstein. Das Bundesland profitiert von viel Windenergie an Land, Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee wurden nicht mitgezählt. Schlusslicht war mit 9,8 Prozent das dicht bebaute Berlin. Angegeben ist jeweils der Anteil an der Nettostromerzeugung. Das heißt Strom, den ein Kraftwerk für die Stromproduktion benötigt, wird abgezogen. kfr
In Indien fällt die Schuhgröße zuweilen göttlich aus: In Hyderabad verpasst ein Maler dem Fuß einer Ganesha-Statue den letzten Anstrich. Das hinduistische Fest Ganesh Chaturthi feiert die Geburt des elefantenköpfigen Gottes, der als Beseitiger von Hindernissen, Gott der Weisheit und des Glücks verehrt wird. Für die Feierlichkeiten werden allerorts farbenfrohe Figuren aufgestellt, in Prozessionen durch die Straßen getragen und später rituell im Wasser versenkt. Bis dahin gilt: Frisch gestrichen steht es sich am besten.
Prozent hat die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in dieser Woche überschritten – eine kritische Warnmarke für die globalen Finanzmärkte. Es ist der höchste Stand seit der Finanzkrise 2007.
Europa fühlt sich durch Russland bedroht, aus der Luft, auf dem Land und über das Meer. Deshalb wollen europäische Armeen auch im Wasser verstärkt künstliche Intelligenz und autonome Waffen einsetzen, um die riesigen Gebiete zu überwachen und zu verteidigen. Das Münchner Start-up Quantum Systems hat in dieser Woche vor der portugiesischen Küste mit Seavex und Subvex ein Über- und ein Unterwassergefährt vorgestellt und im Rahmen einer Nato-Übung getestet. Die Roboterboote sollen aufklären und – verknüpft über KI-Software – gemeinsam mit Luft- und Landsystemen Gefahren abwehren. Neben Quantum Systems arbeiten die Konkurrenten Rheinmetall und Helsing als unbemannten Waffensystemen für Land, Luft und Wasser. Die Roboterarmeen sind auf dem Vormarsch.
Männchen, die pro Weibchen zur Paarung zur Verfügung stehen, können eine Population vor dem Aussterben bewahren. Das wiesen Forschende der University of East Anglia über einen Zeitraum von 15 Jahren bei Rotbraunen Reismehlkäfern nach. Eine Auswahl an potenziellen Partnern verringert danach die Zahl schädlicher Mutationen und erhält so die genetische Vielfalt.
Rund eine Woche lang hielt dieser männliche Goldstreifen-Kardinalbarsch seinen Nachwuchs zum Schutz vor gefräßigen Feinden im Maul verborgen. Jetzt aber müssen die Minifische allein im Pazifik überleben. Unterwasserfotograf Yuta Shigeno hat den Moment vor der Küste der japanischen Präfektur Shizuoka festgehalten: Wie eine Wolke aus Glitzerkonfetti verteilen sich die kleinen Fische um ihren Vater. Kardinalbarsche entlassen ihre Babys in mehreren aufeinanderfolgenden Schwärmen in die Selbstständigkeit. Fotograf Shigeno schaffte es mit der Aufnahme ins Finale des Wettbewerbs »Ocean Photographer of the Year«. jko
Hitler und wir – Das taten unsere Vorfahren in der Nazizeit – wie man Familienlegenden enttarnt
Als das »Dritte Reich« im Frühjahr 1945 zusammenbrach, gehörten knapp neun Millionen Deutsche der NSDAP an. SPIEGEL GESCHICHTE erzählt, warum so viele Menschen aus fast allen Milieus in Hitlers Partei eintraten – und bietet Ratschläge und Hilfestellungen, um Familienlegenden aus der Nazizeit aufzudecken.
Holzhacken und Holzsägen, bekannt als Timbersports, ist in Australien und den USA schon seit Jahren ein populärer Profisport. Bei den Wettkämpfen, die oft live übertragen werden, geht es unter anderem darum, vorbereitete Baumstämme so schnell wie möglich zu zerlegen. Die Athleten benötigen dazu Ausdauer und Kraft, vor allem aber eine gute Technik – und natürlich das richtige Werkzeug. Im Profibereich verwenden Timbersportler handgeschmiedete Sportäxte mit einem spitzen Keilwinkel, die beim Schlag besonders tief in das Holz eindringen. gp
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