Schwer zu sagen, was den Frust des gebeutelten Berliners zuverlässiger hochkochen lässt: eine Straßenbahn, die einfach nicht kommt, wie es im Januar passierte, als manche Oberleitungen tagelang vereist waren. Oder eine Tram, die in aufreizender Regelmäßigkeit vorbeifährt und niemanden einsteigen lässt. Als am Montag in weiten Teilen des Landes der Nahverkehr bestreikt wurde, galt in Berlin eine besondere Vereinbarung zwischen Streikenden und den Verkehrsbetrieben: Etwa alle halbe Stunde sollten die Trambahnen weiterhin fahren, allerdings leer und kreuz und quer durch die Stadt. So vereisten zwar keine Oberleitungen, aber stattdessen die Gesichtszüge der Frierenden am Straßenrand. Gesichert wurden gleichermaßen die Infrastruktur und das beliebteste Hauptstadtklischee: Berlin ist plemplem. ded
Heeresinspekteur General Freuding will bei der Truppe einen Kulturwandel einleiten
»Aachtung! Einwurf Feedback! Marsch! Abtreten!«
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Björn Höcke und die AfD sind im Thüringer Landtag mit ihrem Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Voigt von der CDU gescheitert. Höcke bekam aber eine Stimme mehr, als die AfD Abgeordnete hat. Also doch ein halbes Minus.
Schlecht: Der »Washington Post«, einer amerikanischen Institution, droht ein Kahlschlag. Eigentümer Jeff Bezos plant offenbar, eine dreistellige Zahl von Journalisten zu entlassen. Demokratie lebt auch von Kontrolle durch freie Medien. Gerade in Zeiten von Trump.
Hieroglyphe unserer Zeit
Elizabeth Fernandez / Moment / Getty Images
Bis zur Iranischen Revolution 1979 prangten Löwe und Sonne auf der Flagge des Landes. Auf Elon Musks Kurznachrichtendienst X sind die alten Insignien nun zurück. Das Flaggen-Emoji für Iran wurde ausgetauscht. Damit nimmt X den Sturz des angeschlagenen Regimes vorweg. Die wiederverwendete Flagge ist kein eindeutiges Symbol: Lange stand sie für die Schah-Monarchie, heute zeigen sie auch Regimegegner, die sich einen demokratischen Iran wünschen. kuz
Gegenstand der Politik
Foto: Andreas Kuehn / Getty Images
Der Zopf
Ein Video geistert durchs Internet: Ein Kämpfer einer syrischen islamistischen Miliz hält einen geflochtenen Zopf wie eine Trophäe in die Kamera – mutmaßlich den einer kurdischen Kämpferin. Auf Nachfrage sagt er: »Sie war schon tot«, und lacht.
Der Zopf als »Beute« ist mehr als martialisches Prahlen. Kurdische Frauenbataillone stehen in Syrien für die Idee, dass Frauen nicht nur Opfer sind, sondern Akteurinnen. Und Haare sind nie nur Haare. Einer Frau gegen ihren Willen die Haare abzuschneiden heißt, ihr öffentlich Würde und Status zu entziehen. Über Jahrhunderte wurden Frauen für angeblich »unsittliches« Verhalten geschoren, als Strafe rasiert, nach Kriegen öffentlich kahl geschoren. Die Botschaft ist immer dieselbe: Du gehörst nicht dir.
Die Antwort kommt leise, aber massenhaft. Kurdische Kämpferinnen flechten sich im Aqtan-Gefängnis in Raqqa die Haare, Reihe für Reihe, als Erinnerung und als Trotz. In sozialen Netzwerken filmen sich Frauen dabei, wie sie Zöpfe flechten: in Syrien, im Exil, in Berlin, in Küchen und vor Spiegeln. Ein alltäglicher Handgriff wird politisch. Aus dem geraubten Körperteil wird ein gemeinsamer Code. Der Zopf wird zurückgeholt, als Zeichen der Verbundenheit. fhu
Stadt, Land, Futtermittel: Deutschland hat eine Fläche von fast 36 Millionen Hektar. Davon nutzt die Landwirtschaft den größten Teil: Rund 16,6 Millionen Hektar, nahezu die Hälfte, bestellen Landwirtinnen und Landwirte. Gemessen an der Fläche der Bundesländer ist in Schleswig-Holstein der Anteil an Ackerland, Weiden und Wiesen am größten, in Berlin am kleinsten. Auf den Äckern dominiert Getreide: Weizen, Gerste, Roggen. Die Ernte landet auf Tellern, liefert Energie oder wird von der Industrie verarbeitet. Ein großer Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen dient jedoch einem anderen Zweck: Dort werden Pflanzen angebaut, die an Tiere verfüttert werden. ast
In einem abgedunkelten Raum im syrischen Qamischli drapiert eine Braut ihr weißes Kleid. Ihre Frisur ist mit einem roten Schleier bedeckt. Bei kurdischen Hochzeiten steht er auch für den Abschied vom Elternhaus. Das Zuhause dieser Braut, die Stadt Thaura, liegt mehr als 300 Kilometer entfernt. Wie viele Syrer in den vergangenen Wochen ist sie vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und SDF-Miliz aus ihrer Heimat geflohen. Ihre Hochzeit feiert sie in einem Klassenzimmer nahe der türkischen Grenze, das zur Notunterkunft umgewidmet wurde. ost
Skibergsteigen (»Skimo«) ist ein Trend im Wintersport: den Berg abseits der Pisten rauf und wieder runter. Ein anstrengendes Vergnügen, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die E-Mobilität das Skimo ebenso erreicht wie einst das Mountainbiken. Nun gibt es den ersten Tourenski des Schweizer Start-ups E-Outdoor mit batteriebetriebener Aufstiegshilfe, in limitierter Edition für knapp 5000 Euro. Mit Unterstützung von Aufstiegsfellen, die über batteriebetriebene Rollen laufen, gesteuert von Sensoren, die Bewegungsdaten an die Motoren liefern, soll es deutlich schneller den Berg hochgehen. Das Naturerlebnis als Hightech-Vergnügen. Wer will schon bei seinem Verzicht auf Massentourismus jenseits gewalzter Abfahrten und Sesselliften einen Mangel an Bequemlichkeit erleiden? mad
Ausgespuckt
»Der ADAC hält die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen.«
ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Als 60.000 Mitglieder deshalb kündigten, ist er von seinem Amt zurückgetreten. Quelle: »Neue Osnabrücker Zeitung«
Millionen der insgesamt 40,9 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland sind zwischen 55 und 64 Jahre alt. Das ist ein Anteil von 24 Prozent, der höchste Wert aller EU-Staaten.
Eine Mitarbeiterin der Wildtierbehörde in Sunrise, Florida, nimmt einen Leguan in Empfang. Die wechselwarme Echse war in eine Starre gefallen, nachdem ein arktisches Hochdruckgebiet die Temperaturen im Bundesstaat auf um den Gefrierpunkt herum abgekühlt hatte. Weil Grüne Leguane in Florida als invasive Art gelten, rief die Wildtierbehörde die Bewohner auf, die bewegungslosen Tiere aufzusammeln und bei den Wildhütern abzuliefern. Um den Bestand zu kontrollieren, werden die Leguane laut Behörde entweder eingeschläfert oder an Halter in anderen US-Staaten vermittelt. kk
Liter reinen Alkohol trank laut Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2022 jeder Mensch über 15 Jahre in Deutschland im Schnitt. Das entspricht 230 Liter Bier pro Person. Mehr wird weltweit nur in wenigen Ländern wie Rumänien oder Georgien getrunken. Litauen oder Russland konnten den Konsum mithilfe höherer Steuern hingegen senken.
Fußball und Handball sind Ihnen zu langweilig? Dann versuchen Sie es doch mit Kin-Ball. Hier spielen gleich drei Teams gegeneinander, mit einem Spielgerät, das jeden Hüpfball in den Schatten stellt. Ein Team schlägt auf, ein anderes muss den Ball so unter Kontrolle bringen, dass er nicht den Boden berührt. Allerdings misst der Ball 1,22 Meter im Durchmesser. Der Sport wurde in Kanada in den Achtzigern erfunden, in Deutschland wird seit rund 20 Jahren gespielt. Eine Liga gibt es auch, zuletzt feierten die Erfurter Lachse die Meisterschaft. ngo
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