Der Mörder und die Mädchen Vor dem Prozessbeginn gegen Marc Dutroux
Vor acht Jahren wurde er verhaftet. Jetzt endlich wird ihm der Prozess gemacht. 400.000 Seiten ist die Anklageschrift angeblich dick, 450 Zeugen sollen vor Gericht aufgerufen werden. Ob der Mammut-Prozess allerdings die zahlreichen ungeklärten Fragen im Fall Dutroux wird beantworten können, ist fraglich. Denn die Ermittlungen waren gekennzeichnet von Pannen, einem einzigartigen Schneckentempo und der ebenso plötzlichen wie unverständlichen Absetzung mehrerer erfolgreicher Ermittler. Mittlerweile setzen die Angehörigen der Opfer ihre Hoffnungen mehr auf die Redefreudigkeit des Angeklagten als in das Können der belgischen Justiz. Irgendwie verständlich.
SPIEGEL-TV-Reporterin Sanja Hardinghaus hat neue Akten und Interviews zum Fall Dutroux zusammengetragen und fasst den derzeitigen Wissenstand vor dem Prozessauftakt am 1. März zusammen
JUSTIZ
Gedränge bei Dutroux
Das Ardennenstädtchen Arlon droht unvorbereitet von einem für Belgien beispiellosen Medienansturm überrollt zu werden: Mehr als tausend Presse- und Fernsehvertreter haben sich bereits jetzt für den im Frühjahr beginnenden Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux angekündigt. Dabei stehen im Gerichtssaal gerade einmal 15 Presseplätze zur Verfügung. Allein der belgische TV-Sender VRT hat bereits ein komplettes Hotel reservieren lassen. Nun sollen zumindest in einem Nebenraum des Gerichtsgebäudes hundert zusätzliche Hörplätze eingerichtet werden. Dutroux wurde im August 1996 verhaftet, weil er sechs Mädchen entführt und geschändet und vier von ihnen ermordet haben soll. Das Medieninteresse ist auch acht Jahre später noch immer gewaltig, da Justiz- und Polizeipannen während des Verfahrens für immer neue Aufregung sorgten.
HEIMLICHES INTERVIEW
Dutroux bestätigt Existenz von Pädophilen-Netzwerk
Der mutmaßliche belgische Kinderschänder Marc Dutroux sorgt wieder für Wirbel. In einem geheimen Fernsehinterview bestätigte er erstmals, dass es ein Netzwerk mit kriminellen Verästelungen gebe - und löste damit erneut einen Politik-Skandal aus. Er selbst habe zu den einzelnen Netz-Mitgliedern regelmäßig Kontakt gehabt, sagte Dutroux in dem Interview mit dem flämischen Fernsehsender VTM. Welche Personen dem Pädophilie-Netz angehören, verschwieg der 43-Jährige jedoch. Auch wollte der mutmaßliche Sexualverbrecher nicht verraten, welche Rolle die Gruppe bei der Entführung der Kinder spielte, die er in seinem Haus versteckt hielt. Da eine Untersuchung in diese Richtung keine Beweise für ein Netzwerk erbracht hatte, will die belgische Justiz nicht weiter in diese Richtung ermitteln. mehr...
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