Von Panikattacken und Phobien: Diagnose: Angst - DER SPIEGEL
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Von Panikattacken und Phobien Diagnose: Angst

Sie zittern vor Spinnen, meiden Flugzeuge oder setzen sich nach Unfällen nicht mehr ins Auto - jeder zehnte Deutsche leidet an Phobien oder Panikattacken. Hilfe bieten so genannte Reizkonfrontations-Therapien. Der Betroffene muss sich schonungslos mit dem Panikauslöser auseinandersetzen. Ein zumeist qualvoller und langer Marsch durch die Hölle der Angst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?


Mehr als ein Jahr litt Dietlind Dette an Herzschmerzen, Schweissausbrüchen, Atemnot, Übelkeit und Schwindelgefühl. "Ich hätte nie gedacht, dass Angst einen so krank machen kann", sagt die Frau aus Thüringen heute. Zuletzt fühlte sie nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen. Ständig war sie von der Angst besessen, im nächsten Moment tot umzufallen. Keiner der vielen Ärzte, die sie konsultierte, konnte ihr helfen. Erst der Gang zum Neurologen und dessen Diagnose "Angsterkrankung" führten schließlich zur Heilung.

Rund ein Viertel aller Menschen in Deutschland erleidet einmal im Leben eine Angsterkrankung. Statistisch gesehen rangieren krankhafte Ängste an erster Stelle aller psychischen Leiden, noch vor Depressionen.

Für die Betroffenen kommt die Krankheit meist aus heiterem Himmel. Sükrü Cekin wachte eines Morgens mit Herzrasen auf und hatte das Gefühl, gleich an einem Herzinfarkt zu sterben. Dieses Gefühl hielt über Wochen an, oft mehrfach täglich rief er den Notarztwagen. Ganz geheilt ist er auch jetzt noch nicht. Dorothee K. hatte nach einem medizinischen Eingriff ständig Angst, in Ohnmacht zu fallen. Ohne Begleitung traute sie sich nicht mehr aus dem Haus.

Manchmal aber sind es auch alt vertraute Ängste, die im Laufe der Zeit ausser Kontrolle geraten und das Leben zur Hölle machen: Schon seit ihrer Kindheit litt Linda Schön an panischer Angst vor Spinnen, die zuletzt soweit ging, dass sie nachts nicht mehr schlafen konnte aus Angst, es könnte sich eine Spinne im Zimmer versteckt haben.

Dabei muss niemand sein Leben lang an derartigen Ängsten leiden. Ein Großteil der Phobien - 60 bis 80 Prozent je nach Art der Erkrankung - kann mit Hilfe einer Verhaltenstherapie immerhin so behandelt werden, dass die Betroffenen gut mit ihrer Angst leben können. Doch die Behandlung verlangt den Menschen einiges ab: Sie müssen sich ihrer Angst stellen und dazu genau jene Situationen durchstehen, vor denen sie am meisten Angst haben.

SPIEGEL-TV-Autorin Beate Schwarz hat Therapeuten und ihre Patienten bei dem Versuch beobachtet, die Angst in den Griff zu bekommen.


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