Mit Abschleppern unterwegs, Teil 2: Die Engel vom Kamener Kreuz - DER SPIEGEL
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Mit Abschleppern unterwegs, Teil 2 Die Engel vom Kamener Kreuz

Ihr Revier ist die Straße, ihre Einsätze sind manchmal lebensgefährlich. Wenn es kracht am Kamener Kreuz, wenn ein Wohnmobil auf dem Ruhrschnellweg liegen bleibt oder ein Bus im Graben landet, dann sind sie zur Stelle: Die Männer vom Abschleppdienst Widliczek.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In einem der verkehrsreichsten Gebiete Deutschlands, am Rande des Ruhrgebiets, ist eines der größten Bergungs- und Abschleppunternehmen der Republik beheimatet. 29 Abschlepp-, Bergungs- und Pannenhilfsfahrzeuge warten rund um die Uhr auf ihren Einsatz. Egal, ob es einen platten Reifen zu wechseln oder einen havarierten 40-Tonner zu bergen gilt - die Abschlepper wissen für alles eine Lösung.

Was für die Helfer Alltag ist, bedeutet für liegengebliebene oder an einem Unfall beteiligte Fahrer fast immer ein Drama. Und so erfordert der Beruf des Abschleppers neben technischem Know-how und der Fähigkeit, anpacken zu können, oft genug auch seelsorgerische Fähigkeiten.







Autobahn im Ausnahmezustand


Fast 43 Millionen Autos rollen zurzeit über Deutschlands Straßen, weitere zweieinhalb Millionen Lkw sorgen für schlechte Luft und miese Laune bei Urlaubern und Pendlern. So sehr man die Bundesrepublik für ihr gut ausgebautes Straßennetz mit 11.500 Kilometern Autobahn und 41.300 Kilometer Bundesstraßen loben mag: Immer wieder kommt es zu Engpässen, die kilometerlange Staus nach sich ziehen und vor allem den Reiseverkehr komplett lahm legen.

Etwa 7000 Beamte der Autobahnpolizei sollen bundesweit für einen möglichst reibungslosen Verkehr sorgen. Mit Geschwindigkeitskontrollen und Abstandsmessanlagen versuchen sie, Dränglern, Nötigern und Rechtsüberholern die Lust am Rasen zu nehmen und damit Unfällen vorzubeugen. Doch auch gestochen scharfe Aufnahmen der Verkehrssünder und eine lückenlose Beweisführung mit garantierter Ahndung des Verstoßes scheinen auf die wenigsten Eindruck zu machen. Noch immer ereignen sich in Deutschland mehr als 2,3 Millionen Unfälle im Jahr.

Zwar sank die Zahl der bundesweit bei Unfällen getöteten Verkehrsteilnehmer in den letzten drei Jahren von 7772 auf 6962. Auch ging die Zahl der Verletzten in 2001 um etwa 36.000 zurück und pendelte sich bei weniger als einer halben Million ein. Die Opfer sind jedoch immer noch unverhältnismäßig viele. Trauriger Rekordhalter in der Unfallstatistik ist Nordrhein-Westfalen mit über 1000 tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2001.

Etwa 48.000 Einwohner hat Kamen, das in erster Linie für das gleichnamige Autobahnkreuz und dessen Mega-Staus zur Urlaubszeit bekannt ist. Der zwischen Dortmund, Unna und Lünen gelegene Verkehrsknotenpunkt hat viele Unfälle und entnervte Verkehrsteilnehmer gesehen. Gut zweieinhalb Autobahnstunden sind Frankfurt, Hamburg, Hannover und Aachen vom Kamener Kreuz an der A 2 entfernt. Vor allem in der Urlaubszeit ist hier die Hölle los.

Erst im März dieses Jahres wurden bei einem Unfall auf der A 1 zwischen dem Kamener Kreuz und Unna zwei Menschen schwer verletzt - sie mussten von der Feuerwehr aus ihren Autos herausgeschnitten werden. Eine der Folgen: Nach einer Vollsperrung staute sich der Verkehr kilometerlang. Bei einer Verfolgungsjagd auf der A2 wurde im Februar ein flüchtender Häftling schwer verletzt, als er versuchte, auf dem Seitenstreifen mehrere Fahrzeuge zu überholen. Der 35-jährige Insasse der Justizvollzugsanstalt Hövelhof-Staumühle (Kreis Paderborn) hatte nach einem Streit im Gefängnis ein Auto gestohlen und war mit dem Fahrzeug geflohen. Als die Polizei versuchte, den betrunkenen Häftling zu stoppen, rammte dieser das Fahrzeug einer dänischen Familie. Diese blieb unverletzt, es entstand ein Sachschaden von etwa 10.000 Euro.

Auch schlecht gesicherte Gefahrengut-Ladungen führen bisweilen zu regelrechten Autobahn-Blockaden: Erst im April diesen Jahres stürzte ein mit Alkohol- und Phosphorkanistern beladener 40-Tonnen-Lastzug auf der A 1 nahe dem Kamener Kreuz. Zwar bestand laut Meldungen der Autobahnpolizei keine Gefahr für die Umwelt. Weil der Transporter zwei Fahrspuren in Richtung Münster blockierte, kam es allerdings zu Staus von bis zu zehn Kilometern Länge. Der Sachschaden lag bei rund 90.000 Euro.

Weil solche Meldungen nur die Spitze des Eisberges im täglichen Kampf mit den Blechlawinen sind, soll der geplante sechsspurige Ausbaus der A 2 für Besserung sorgen: Am Kamener Kreuz haben die Bauarbeiten für eine neue Eisenbahnbrücke bereits begonnen. Das gut 110 Meter lange Brückenbauwerk solle rund 13,8 Millionen Euro kosten und im Frühjahr 2003 fertig sein.

Die häufigsten Verkehrssünden und wie sie geahndet werden: