Kochen ohne Kohle Seidige Tortilla für Kartoffel-Liebhaber – für 1,50 Euro
Die spanische Variante des Bauernfrühstücks ist herrlich cremig und seidig im Inneren
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWer hat's erfunden? Wenn es um große kulinarische Traditionen geht, steht diese Frage oft im Zentrum lang anhaltender Streitigkeiten zwischen Ländern oder Regionen. Auch beim Kartoffelomelette ist man sich nicht ganz sicher, wer den Erfolg für sich verbuchen darf. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In Deutschland gibt es das Bauernfrühstück, in Thailand das Khai Chiao, in Italien die Frittata, in Iran das Kuku Sibzamini und in Spanien die Tortilla.
Wer so wie ich anfängt, sich näher mit Omelette zu beschäftigen, stößt bei der Recherche auf allerlei spannende Erzählungen: Angeblich mochten schon die Römer:innen Omelette, serviert mit Honig, bei den Spanier:innen diente die Tortilla wohl einst als günstige Truppenversorgung und in der Schweiz und Österreich heißt es »die Omelette«, gemeint ist auch ein Pfannkuchen.
Wer auch immer dieses Kartoffelomelette nun erfunden hat oder am besten kocht, eines ist sicher: Bei der spanischen Tortilla handelt sich um ein luxuriöses Essen aus bescheidenen Zutaten. Dank etwas Zeit und Liebe (und auch ohne römischen Honig) bekommen die Zwiebeln und Kartoffeln eine dezente Süße und eine seidig-weiche Textur. Das Ergebnis bleibt im Inneren herrlich saftig – kein Vergleich zum traurig-trockenen Bauernfrühstück aus dem eigentlich auf Schnitzel spezialisierten Landgasthof um die Ecke.
Umso dünner die Kartoffel- und Zwiebelscheiben geschnitten sind, umso besser wird das Endergebnis!
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELDas benötigt man für eine Tortilla (reicht für zwei bis drei Personen):
3 mittelgroße Kartoffeln
1 große Zwiebel
6 Bio- oder Freilandeier
200 ml Öl (zum Garen, das landet nicht alles im Essen!)
Salz, Pfeffer
Optional: 50g weißer Weichkäse (z.B. Feta)
Was kostet das?
Etwa 1,50 Euro, wenn zwei Personen mitessen
Wie lange dauert das?
Circa eine Stunde
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
So macht man Spanische Tortilla
Zunächst die Kartoffeln schälen und in möglichst feine Scheiben schneiden. Am besten geht das mit der Mandoline. Wer seine Finger liebt, darf aber auch fünf vorsichtige Minuten mit einem Messer investieren. Champions schneiden die Kartoffeln so dünn, dass man durchschauen kann. Alternativ kann man sie auch vorsichtig mit dem Sparschäler in kurze Streifen schneiden.
Die Zwiebel ebenfalls schälen (die oberste Hautschicht auch entfernen), halbieren und anschließend in feine Streifen schneiden.
Das Öl in einer Pfanne erhitzen. Spanier würden sicherlich reines Olivenöl verwenden, da das aber kostspielig ist, darf man auch zu günstigeren Ölen aus Raps oder Sonnenblume greifen – oder damit zumindest teilweise das Olivenöl ersetzen.
Dann eine Kartoffelscheibe als Test ins Öl hineingeben – wenn das Öl um sie herum blubbert, alle Kartoffeln und Zwiebeln hinzugeben und die Hitze sofort auf die kleinste Stufe reduzieren. Anschließend sollte die Mischung für 30 bis 40 Minuten sanft in der Pfanne garen. Weder Zwiebeln noch Kartoffeln sollten richtig braten und Farbe annehmen, sondern durch die milde Hitze richtig seidig werden.
Alle fünf Minuten vorsichtig wenden und die aneinanderklebenden Kartoffelscheiben voneinander lösen, damit alles mal Kontakt mit dem Öl hat.
Seidig-weiche, glasige Zwiebeln und Kartoffeln nach 40 Minuten im nicht zu heißen Öl
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELNach spätestens 40 Minuten sollte beides gar sein. Die Kartoffel-Zwiebel-Masse in ein Sieb geben, um das überschüssige Öl ablaufen zu lassen (dieses muss nicht sofort weg, damit kann man auch morgen oder übermorgen noch etwas braten). Die Kartoffeln für ein paar Minuten abkühlen lassen.
Die sechs Eier in einer Schüssel aufschlagen und mit einer Gabel verquirlen. Salzen und Pfeffern, dann die etwas abgekühlte Kartoffel-Zwiebel-Masse unterheben.
Die Ei-Kartoffel-Masse vorsichtig in die heiße Pfanne gießen und auf mittlerer Hitze für etwa drei bis fünf Minuten andicken lassen – je nach Breite der Pfanne kann es etwas länger oder kürzer dauern. Das Ei an den Seiten etwas vom Pfannenrand lösen und hochdrücken, um eine abgerundete Form zu erhalten.
Ohne Teller keine Wende
Wenn man die Pfanne schwenkt und die ganze Eimasse gleichmäßig und ohne zu zerreißen mitschwingt, ist die Unterseite gar und man kann die Tortilla wenden. Dazu nimmt man am besten einen Teller zur Hilfe: Zunächst die Tortilla aus der Pfanne auf den Teller gleiten lassen, sodass die noch weiche Seite oben liegt. Dann die Pfanne auf den Kopf drehen. Vorsicht vor vielleicht noch heißem Öl! Dann den Teller mit dem Ei gegen die heiße Bratfläche drücken und beides gleichzeitig mit Schwung umdrehen.
Den Teller herausnehmen und weitere drei bis fünf Minuten stocken lassen.
Seidig und weich im Inneren, so soll es sein
Foto:Sebastian Maas / DER SPIEGEL
Die fertige Tortilla auf einen sauberen Teller geben und in Viertel oder Achtel teilen. Nach Belieben mit ein paar Krümeln Weißkäse bestreuen.
Durch die sanfte Garmethode und die Zwiebeln bleibt das Omelett weich und saftig. Das ist kein Problem, sondern wünschenswert. Ein trockenes Bauernfrühstück hätte man auch in zehn Minuten hinbekommen.
Wer nur eine breite Pfanne (und damit eine flachere Tortilla) hat, darf die Tortenstückchen auch einfach stapeln.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWenn man die Tortilla abkühlen lässt, saugen die Kartoffeln die Feuchtigkeit allerdings doch irgendwann auf. Dann kann man die würzigen Tortenstückchen auch problemlos mit der Hand essen. Kein Wunder, dass der Snack gern in spanischen Bars zum Bier gereicht wird. In diesem Sinne: ¡Buen provecho y salud! (Ich hoffe, so stimmt es, mein Spanischunterricht ist lange her.)
Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir gern! Oder teilen Sie ihr Foto unter dem Hashtag #KochenOhneKohle auf Instagram.