Soll angeblich abhängig machen: Yamitsuki Cabbage, auch Suchtkohl genannt
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle Japanischer Suchtkohl, in fünf Minuten fertig – für 1,50 Euro pro Portion
Manchmal finde ich Gerichte im Netz, die als soooo überragend lecker angepriesen werden, dass ich automatisch von einem Fake ausgehe. Wie gut kann ein roher, gewürzter Kohl schon sein? Und kann man Kohl überhaupt roh essen?* Seit gut zwei Jahren stand das Rezept für Yamitsuki Cabbage – zu Deutsch: »süchtig machender Kohl« – daher unangetastet auf meiner Ausprobierliste. Während der Hitzewelle Anfang Juli habe ich dann etwas Leichtes, Schnelles gesucht und mich endlich darangewagt. Und hätte mir gern in den Hintern gebissen, es nicht früher ausprobiert zu haben.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Wahnsinn, einfach. Der Kohl wird nur kurz geputzt, gewaschen und dann in einer würzigen Marinade mit Sesamöl, Knoblauch und Dashi-Pulver bedeckt. Dashi ist eine japanische Brühe, in der Urform enthält sie Bonitoflocken (also Fisch), man kann sie aber auch vegan kaufen. Wer keine Dashi und keinen Asiamarkt in der Nähe hat, kann auch reguläres Brühepulver verwenden – solange es auch ungekocht sicher verzehrbar ist, schauen Sie da noch mal auf der Packung nach. Andere mögliche Alternativen sind: Misopaste, Sojasoße, Algen, Fischsoße, Maggi-Würze, pures Mononatriumglutamat.
Heraus kommt dabei in nur fünf Minuten ein herrlich knackiger Salat, mit tiefem Umami und einem insgesamt unerwartet runden Geschmack. Der Spitzkohl bringt viel eigene Süße und Biss mit, das geröstete Sesamöl seine Nussigkeit und die Dashi gepaart mit dem frischen Knoblauch die Tiefe.
Die Kombination hatte auf mich einen ähnlichen Effekt wie eine Tüte Kartoffelchips, nur mit deutlich weniger Kalorien und mehr Vitamin C. Gerade deshalb wird diese Art von Kohl in Japan gern in Izakayas gereicht, Bars mit kleinem Speiseangebot, das zu mehr Alkoholkonsum anregen soll.
Man könnte dieses Blitzrezept zu jedem Grillgericht reichen und mit etwas Reis oder Fisch servieren. Oder Sie machen es wie ich und flanken sich die komplette Ladung Kohl noch in der Küche im Stehen rein.
Das benötigt man für zwei Portionen Suchtkohl
Wer keine Dashi findet, kann auch andere Umami-lastige Lebensmittel nehmen, etwa Miso oder Maggi-Würze
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL400–500 g Spitzkohl, etwa ein halber großer Kopf
1⁄2 TL (gestrichen) Salz
1⁄2 TL (gestrichen) Dashi, oder anderes Brühepulver
1⁄2 TL (gestrichen) weißer Pfeffer, gemahlen
2–3 EL Sesamsaat (Bonuspunkte für frisch in der Pfanne gerösteten)
30 ml geröstetes Sesamöl
1 Knoblauchzehe, gerieben
Optional: Chili und Glutamat nach Belieben
Was kostet das? Ich habe für die verbrauchten Zutaten unter drei Euro bezahlt, also 1,50 Euro pro Portion.
Wie lange dauert das? Nur fünf bis maximal zehn Minuten, weil nichts gekocht werden muss.
Gar es ohne Bares!
Sebastian MaasPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.36 Uhr
Keine Gewähr
So einfach macht man Yamitsuki Cabbage, japanischen Suchtkohl
Den Spitzkohl putzen und die unschönen äußeren Blätter entfernen. Den Strunk herausschneiden und wegwerfen, den Rest in mundgerechte Stücke zerteilen. Diese gut abwaschen, dann trockentupfen oder durch die Salatschleuder jagen. Dann haftet das Dressing später besser.
Den Knoblauch fein reiben oder pressen.
Den Kohl in eine große Schüssel oder einen großen Gefrierbeutel geben. Knoblauch, Öl, Sesam und alle anderen Gewürze dazugeben und dann gut durchmassieren, damit alle Blätter vom Dressing ummantelt werden.
Abschmecken. Wenn Salz, Schärfe oder Umami fehlen, kann jetzt noch nachgebessert werden.
Servieren und reinhauen.
*Und ja, natürlich kann man Spitzkohl auch roh essen. Gerade in den Sommermonaten bekommt man sehr milden Spitzkohl aus heimischem Anbau in Deutschland, im Winter kann er dann etwas kräftiger werden.
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