Rezept: Vegetarische Bluccoli-Pizza
Vegetarischer Bluccoli-Teigfladen Pizza ist mein Gemüse
In den derzeit angesagten Selbstoptimierkreisen werden viele leckere Speisen gemieden: Kartoffeln in allen Formen, Pasta mit und ohne Ei, Wurstbrot sowieso. Aber der aktuelle Antichrist ist die Pizza.
Die Pizza, welche wahrscheinlich in Neapel als schnelle und preiswerte Mahlzeit erfunden wurde, in der Überbleibsel anderer Speisen verwurstet wurden, ist in der Tat nicht nur eine kleine Kaloriengranate. Aus Sicht der Problemzonen (Bauch, Beine, Po) mag die mit Käse und Salami belegte Spezialität aus Italien als ein Heilsbringer in der Diätnot erscheinen: Die dortigen Zellen saugen noch die letzte Energie-Einheit aus den mindestens 1200 Kilokalorien einer ordentlichen Pizza - und verwandeln sie ratzfatz in Speckschichten.
Ein Liebling der Sterneköche
Zum Glück muss es nicht so fettig sein, dank sei den Low-Carb-Kochpropheten und ihren auch mal kulinarisch spannenden, oft aber recht albernen Rezeptvorschlägen. Bei den Karbonvermeidern im Moment hoch im Kurs: die Blumenkohlpizza. Nein, hier wird nicht der Teigfladen ausschließlich mit weißen Röschen belegt; der Boden selbst besteht aus Kohl, versetzt mit Ei, Käse und Gewürzen. Manchmal dürfen gemahlene Nüsse in den Teig. Niemals jedoch der Carb-Teufel in Gestalt von Mehl.
Und das schmeckt? Kohlpizza ist natürlich nichts für Verfechter des Reinheitsgebotes italienischer Originalrezepte. Andererseits lohnt der Einsatz dieses Gemüses vielleicht doch den einen oder anderen Gedanken. Immerhin hat sich in den vergangenen Jahren der Blumenkohl zu einem Liebling der Sterneköche entwickelt, die ihn sogar roh über Edelfisch reiben - im Gegensatz zu seinem grünen Bruder Brokkoli, der selbst in höchsten politischen Kreisen heißblütige Gegner findet: In seiner zweiten Amtszeit verscherzte es sich der damalige US-Präsident George W. Bush mit den Farmern seines Landes, als er sich vor laufender Kamera als Brokkoli-Hasser outete.
Weniger als 500 Kilokalorien pro Pizza
Wie auch immer. Wir haben testweise ein paar Kohlpizzarezepte nachgekocht, deren Schwächen analysiert und eine Methode entwickelt, mit der man aus der Idee, rohen Blumenkohl als Basis für den Teigboden zu nutzen, ein schmackhaftes, bekömmliches Hauptgericht zubereiten kann.
Der Trick besteht darin, Blumenkohl und - für den intensiveren Geschmack - Brokkoli fein zu reiben und die Fasern im Backofen vor der Anmischung des Bodenteigs mit Heißluft so anzutrocknen, dass sie ihre mehlähnlichen Binde-Eigenschaften erhöhen. Wenn für den Belag neben Light-Mozzarella zum Beispiel nur Tomatenmark und Gemüse benutzt werden, sind bei dieser Veggie-Pizza am Ende nur die im Teig verwendeten Käsesorten als relevante Kalorienträger übrig, sodass unter dem Strich deutlich weniger als 500 Kilokalorien pro Pizza verzehrt werden.
Am besten gelingen diese Pizzen, wenn sie im Backofen bei höchster Temperatur auf einem miterhitzten Schamottstein gebacken werden. Alternativ auch in großen Gasgrillstationen: Einfach einen Pizza- oder Schamottstein mittig auf den Rost legen, Deckel schließen und Grill aufheizen; je heißer, desto besser. Pizzen darin kurz kross backen - bei sehr hohen Temperaturen dauert das fünf bis sieben Minuten.
Und falls bei diesem Rezept Gemüse übrig bleibt: nicht wegwerfen! Nächsten Samstag backen wir einen Blumenkohlkäsekuchen.
Rezept für Vegetarische Bluccoli-Pizza (Hauptgericht für 2 Personen)
Vorbereitungszeit: 15 Minuten
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer
Zutaten
Boden
250 g Blumenkohl im Ganzen mit wenig Strunkanteil
250 g Brokkoli im Ganzen mit wenig Strunkanteil
150 g mittelalter Gouda, fein gerieben
50 g Parmesankäse, fein gerieben
50 g gemischte Nusskerne, fein gemahlen
2 Eier
1 Prise Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Prise Muskatnuss, frisch gerieben
Belagvorschlag
1 Tube Tomatenmark
250 g Light-Mozzarella
1 rote Paprikaschote
1 gelbe Paprikaschote
50 g Champignons
75 g Eiertomaten
25 g getrocknete Tomatenfilets
1 kleine Zucchini
2 EL Olivenöl (optional)
16 eingelegte grüne Pfefferschoten
1 EL wilder griechischer Oregano, getrocknet
Zubereitung
Boden
Blumenkohl und Brokkoli waschen, gut abtrocknen und auf scharfer Reibe fein raspeln (dabei nicht matschen). Backofen auf 220 Grad Umluft aufheizen, Kohl-Abrieb auf Backpapier verteilen und zehn Minuten im Backofen trocknen. Umluftbetrieb abschalten. Kohl-Abrieb kurz abkühlen lassen und dann mit den restlichen Zutaten in Schüssel mit Knethaken-Quirl zu einem homogenen Teig kneten.
Teig in vier Viertel teilen. Aus den Vierteln je einen platten runden Pizzaboden von ca. 20 cm Durchmesser auf Backpapier formen; hierbei hilft ein eingefetteter Trinkglasboden und ein variabler Tortenring. Böden bei 220 Grad jeweils 15 Minuten backen, herausnehmen und auf Gitter abkühlen lassen. Anschließend Backofen auf höchste Temperatur aufheizen (ideal: 300 Grad). Am besten gelingen die Pizzen, wenn sie direkt auf einem Schamottstein gebacken werden, der vor dem Anheizen des Ofens auf ein Backblech gelegt wurde.
Belag
Mozzarella fein würfeln, Paprika, Champignons, Zucchini und Tomaten in feine Ringe oder Scheiben schneiden, Tomatenfilets stifteln.
Anrichten
Böden umdrehen, mit Tomatenmark bestreichen, Mozzarella und restliche Beläge verteilen. Mit dem Öl besprenkeln. Pizza im aufgeheizten Backofen sieben bis zehn Minuten kross ausbacken.
Küchen-Klang
Mit der Blumenkohlpizza einfach mal einen anderen Weg einschlagen - dieses Muster prägt auch das Schaffen des in Boston geborenen und in Berlin lebenden Anglo-Persers Aram Pirmoradi, der als Malakoff Kowalski diverse interessante Kunst- und Kino-Musiken veröffentlicht hat und nun auf der Solo-CD "I Love You" gleichsam schräge und schöne Klänge liefert.
Getränketipp
Wer es ernst meint mit "Low Carb" sollte gar keinen Alkohol zur Kohlpizza trinken. Wollen wir mal nicht so sein: Auf der Suche nach einem passenden Getränk wurden wir in Sizilien fündig, wo das Weingut Firriato aus der uralten Rebsorte Ansonica (auch als Inzolia bekannt) den Chiaramonte Inzolia Sicilia DOC 2013* erzeugt - einen frischen Weißen mit Exotikfrucht in der Nase und Mandelnoten am Gaumen, die hervorragend zu dem kohlig-nussigen Grundaroma der Pizza passen.
*Bezugsquellen
Firriato Chiaramonte Inzolia Bianco D.O.C. 2013