Rezept für Caesar Salad - DER SPIEGEL
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Nervennahrung Heute gibt es Caesar Salad

Ein Salatklassiker mit internationalem Flair: Der Caesar Salad wurde von einem Italo-Amerikaner in Mexiko erfunden. Unsere Köchin Verena Lugert verrät, wie er auch zu Hause so schmeckt, als sei man in der weiten Welt unterwegs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den besten Caesar Salad – und wahrscheinlich den ersten richtigen Caesar Salad – meines Lebens habe ich in Mexiko gegessen. Ich reiste damals mit einer Freundin durch Belize und Mexiko. Wir lernten auf einer dieser langen Busfahrten einen Wiener kennen, der von Beruf Kellner in einem österreichischen Sternelokal war und uns mit Geschichten aus der Spitzengastronomie unterhielt.

Bevor er in einen anderen Bus nach Guatemala umstieg, gab er uns noch den Tipp für ein Restaurant, in dem wir unbedingt einen Caesar Salad essen sollten, wenn wir in Mexico City wären. Als wir zwei Wochen später dort waren, fiel uns der Restauranttipp wieder ein und wir nannten einem Taxifahrer die Adresse. Er fuhr uns zum Zócalo, dem riesigen Hauptplatz der Stadt, und hielt vor einem prächtigen, alten Grand Hotel. Wir traten ein, das Hotel war wunderschön, plüschig, aus der Zeit gefallen, die Lobby war von einem Jugendstil-Glasdach überspannt, ein Lift hielt mit einem Glockenklang, der livrierte Page bat zum Einstieg. Wir fuhren ins oberste Stockwerk.

Dort angekommen, verschlug es uns die Sprache: Der Gastraum führte auf die riesige Dachterrasse, von der aus wir über den Zócalo, über den Präsidentenpalast und die Kathedrale hinweg auf die riesige Stadt blickten, über die sich gerade der Abend senkte. Wir bestellten gespannt je einen Caesar Salad. Der dann kam: Ein Kellner schob gemessen einen Servierwagen an unseren Tisch. Nacheinander hob er wie ein Zeremonienmeister silberne Hauben von kleinen Schüsseln und begann, mit einem winzigen Löffel deren Inhalt in eine größere Schale zu geben: ein wenig Senf, ein paar Sardellenfilets. Er brach geschickt mit zwei Löffeln ein Ei auf, trennte es mit fast artistischer Eleganz, gab das Eigelb in die große Schale zu den anderen Zutaten und verquirlte alles gemeinsam mit reichlich Öl, das er aus einer Karaffe in feinem Strahl in die Schüssel goss, zu einer Emulsion. Es war ein Schauspiel! Mit einer silbernen Zange wendete er dann ein paar Blätter Römersalat, die auf Eis geruht hatten, in dem duftenden Dressing, gab sie auf zwei Teller und besprenkelte den Salat mit Parmesan und ein paar Croutons. Es war grandios – der Anblick, der Geschmack, die Szenerie im Abendlicht über den Dächern von Mexico-City.

Dass der Original-Caesar-Salad nicht hier, sondern in Tijuana erfunden worden war, wusste ich damals nicht. Und zwar nicht von einem Mexikaner, sondern vom Italo-Amerikaner Cesare Cardini (der in der Grenzstadt Tijuana die amerikanische Prohibition umging und in seinem mexikanischen »Caesar’s Palace« seine trinkfreudige US-Klientel empfing, wie auch am 4. Juli 1924, dem amerikanischen Nationalfeiertag und Geburtstag des Caesar Salad). Cardini reimportierte seinen Salat nach den Prohibitionsjahren wieder nach Kalifornien und ließ ihn dort patentieren, der ikonische Salat wurde 1953 in Paris als »das beste US-amerikanische Rezept der vergangenen 50 Jahre« ausgezeichnet.

Ich werde mit einem Caesar Salad jedoch für immer diesen magischen Abend in Mexiko-City verbinden, auf dieser Grand-Hotel-Dachterrasse über dem Zócalo, unter uns das ferne Brausen der Stadt.

Nervennahrung

Unsere Köchin begleitet Sie durch die Pandemie: Jeden Montag präsentieren wir hier eines von Verena Lugerts Rezepten – nicht aufwendig, aber raffiniert. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Caesar Salad

Für 4 Personen

  • 2 Römersalate

  • 2 Knoblauchzehen

  • 4 Sardellenfilets

  • 1 TL Dijonsenf

  • 1 EL (Weißwein-) Essig

  • 2 Eigelb

  • 100 ml Öl, entweder Sonnenblumenöl – oder das kräftigere Olivenöl, ganz nach Geschmack

  • 1 Zitrone

  • 50 g Parmesan

Zum Abschmecken:

  • Zucker, Salz, schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

  • eventuell ein paar Tropfen Worcestersoße

Für die Croutons:

  • circa 200 g Baguette oder anderes Weißbrot

  • 1-2 EL Butter

  1. Römersalat waschen und die Blätter trocken schleudern. Quer in mundgerechte Streifen schneiden.

  2. Baguette oder Weißbrot würfeln und in schäumender Butter golden braten, Parmesan reiben, Zitrone auspressen.

  3. Knoblauch, Sardellen und Senf mit dem Stabmixer in einem hohen Becher pürieren, Eigelbe hinzugeben, weiterpürieren. Dabei langsam und in einem sehr feinen Strahl das Öl zugeben, aufemulgieren, bis ein cremiges Dressing entsteht.

  4. Dressing abschmecken: mit Essig, Zitronensaft, ein wenig Zucker, Salz und Pfeffer. Manche geben noch ein paar Tropfen Worcestersoße hinzu.

  5. Salat mit dem Dressing gut vermengen, mit Parmesan und Croutons bestreut servieren. Lassen Sie es sich schmecken!