Weingüter stellen auf vegane Produktion um - DER SPIEGEL
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Wein für Veganer: Fleischfrei trinken

Foto: Fredrik Von Erichsen/ picture alliance / dpa

Wein für Veganer Tier? Kommt uns nicht in die Flasche!

In Wein können sich Teile von Fischblasen, Gelatine oder anderes tierisches Eiweiß finden. Weil das Veganer stört, stellen einige Weingüter auf vegane Produktion um. Doch noch hadern sie mit der Vermarktung des öko-korrekten Genussmittels.
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Tobias Franz und Marion Lohsse haben sich mächtige Gegner ausgesucht. Unter anderem die Wurst. "Natürlich hatten wir zuerst Bedenken und dachten, dass es vielleicht etwas zu früh ist", sagt Marion Lohsse. "Es gibt hier Leute, die meiden fleischloses Essen wie der Teufel das Weihwasser." Lohsse und Franz, ein Paar Mitte 40, haben in Mainz kürzlich ein veganes Weinlokal eröffnet.

Das bedeutet, dass sie ihren Gästen in Rheinland-Pfalz ausschließlich Speisen reichen, in denen keinerlei tierische Produkte verarbeitet sind - zum Beispiel Eier. Es bedeutet aber auch, dass Lohsse und Franz vegane Weine anbieten. An dieser Stelle ist die Irritation in Mainz, das mitten in einer Weingegend liegt, groß. Denn Gelegenheitstrinkern dürfte kaum bewusst sein, dass Wein mit tierischen Produkten in Berührung gekommen sein könnte.

Dabei genügt mittlerweile ein genauer Blick auf die Weinetiketten in einem einigermaßen gut sortierten Supermarkt. Viele Winzer schreiben den Hinweis "vegan" mittlerweile auf ihre Flaschen. "Seit fünf Jahren hat das Thema deutlich Schwung aufgenommen. Es gibt bei uns immer mehr Anfragen, wie man sich entsprechend zertifizieren kann", sagt Ralph Dejas, Geschäftsführer des ökologischen Weinbauverbandes Ecovin.

Prall gefüllt mit Veggie-Rebensaft

Der Unterschied zwischen veganem und nicht veganem Wein liegt in der Herstellung. Um Wein zu klären, nahmen und nehmen Winzer tierische Produkte zu Hilfe. "Über Jahrhunderte wurde Eiweiß in den Wein geschlagen. Das bindet die Trübstoffe, die sich dann absetzen, damit der klare Wein abgezogen werden kann", sagt Paulin Köpfer, Betriebsleiter beim Weingut Wilhelm Zähringer in Baden, das seit 2012 komplett vegan produziert. Es ist nur eines von vielen in Deutschland.

Bei der Klärung können auch Proteine aus der Fischblase oder Gelatine helfen. Selbst wenn sich davon nichts mehr in der Flasche wiederfindet: Für aufrechte Veganer ist ein so geklärter Wein nicht mehr trinkbar.

Aber auch Veganer wollen Wein. "Wir haben umfangreiche Versuche gemacht, um auf pflanzliche Proteine umzustellen. Diese stammen vorzugsweise von Erbsen oder Weizen", sagt Köpfer. Ähnliches berichtet Hubertus Weinmann, Chef des Weinguts Neumer in Rheinhessen, das ebenfalls komplett auf vegane Produktion umgestellt hat.

Mit dem praktischen Nebeneffekt, dass es auch nicht mehr so müffelt. "Es gab zwei Beweggründe. Zum einen natürlich den Tierschutz. Zum anderen verströmt Gelatine bei der Produktion einen etwas muffigen Eigengeruch, den man eher nicht so gut findet", sagt Weinmann.

Eiersalat aus Grieß

Was manchem Winzer noch Kummer bereitet, ist das etwas asketische Image, das die Veganer nicht ganz losgeworden sind. Das Weingut Zähringer setzt deshalb auf diskrete Hinweise auf den Flaschen. "Der Gedanke war, dass der Wein als Genussmittel nicht in erster Linie mit Verzicht assoziiert werden soll", sagt Fabian Zähringer.

Von Verzicht kann im Mainzer Weinlokal Gutenberger denn auch nicht die Rede sein. Die Weinkarte ist prall gefüllt. Gut, mancher Mainzer rümpfe bei der Aussicht auf veganen Eiersalat - kreiert aus Kichererbsen, Hartweizengrieß, Gurken und Senf - noch die Nase, sagt Marion Lohsse.

Der Besitzer des Hauses fand indes Gefallen am veganen Publikum. Seine Gäste ernähren sich in der Regel ziemlich bewusst - dazu gehört auch der maßvolle Konsum von Alkohol.

Jonas-Erik Schmidt, dpa/cri