Spiele für den Urlaub So passen noch mehr Spiele in den Koffer
Sieben Spiele in einer kleinen Schachtel: Das geht prima
Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGELSpiele sind im Urlaub unverzichtbar. Wie soll man sonst Wartezeiten auf Fähren und Flughäfen verkürzen, gelangweilten Nachwuchs an Regentagen bei Laune halten und die Nachbarn auf dem Campingplatz zu gemeinsamer Aktivität laden? Das Problem: Mit nur einem Spiel im Gepäck wird es schnell langweilig. Es fehlt an neuen Impulsen.
Mit etwas Planung kann man aber erstaunlich viele Spiele in einer einzigen Schachtel unterbringen – und so eine ganze Spielesammlung mit in den Urlaub nehmen. Wir haben gleich sieben Spiele zusammengepackt – und das geht so:
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Suchen Sie sich eine passende Schachtel. In unserem Beispiel ist es die von »Castle Combo«.
Entfernen Sie das Inlay. Das ist die Pappkonstruktion, die bei vielen Spielen dafür sorgt, dass der Inhalt nach mehr aussieht.
Suchen Sie sich ein paar kleine Spiele zusammen. (Hier kommen Sie direkt zu den Tipps.)
Fotografieren Sie die Anleitungen der Spiele, die Sie mitnehmen wollen. Die brauchen Sie dann schon mal nicht einzupacken.
Gut für den Urlaub sind Roll-and-Write-Spiele. Das sind kleine Spiele, bei denen man Würfel wirft und Ergebnisse auf einem Block notiert – wie bei »Kniffel«. Die Blöcke nehmen allerdings viel Platz weg. Also laminieren Sie für jede potenziell mitspielende Person nur ein Blatt davon und nehmen genauso viele abwischbare Stifte mit.
Synergien nutzen: Viele Spiele kann man mit demselben Material bestreiten. Haben Sie »Kniffel« und »Ganz schön clever«, brauchen Sie nur ein Set Würfel.
Die Kartenspiele bündeln Sie einzeln mit Gummikreuzbändern oder, noch besser, Bondage-Tape aus dem Erotikfachhandel . So kommt nichts durcheinander.
Spielkarton mit Bondage-Tape: So kommt nichts durcheinander
Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGELStapeln Sie alle Spiele in der Hauptschachtel und lassen Sie die anderen Schachteln zu Hause – säuberlich gestapelt, damit Sie nach der Rückkehr alles wieder fein sortieren können. Umwickeln Sie die (nun wahrscheinlich nicht mehr ganz schließende) Schachtel ebenfalls mit Bondage-Tape.
Alternativ: Lassen Sie alle sperrigen Schachteln zu Hause und packen Sie die Spiele einzeln in durchsichtige Ziploc-Tüten. Damit können Sie auch kleinste Zwischenräume im Koffer mit Spielspaß füllen.
So haben wir gepackt
Spiele mit und ohne Karton: Sperrige Schachteln zu Hause lassen
Unsere Sammlung hier ist nur ein Beispiel, doch darin sind sieben Spiele enthalten, die für fast jeden Urlaub gut geeignet sind.
Beim schönen »Castle Combo« legt jede Person ein Raster aus neun Karten vor sich aus – und zum Schluss bringt jede der Karten unterschiedlich viele Siegpunkte, je nachdem, wie schlau man ausgewählt und angebaut hat (von Grégory Grard und Mathieu Roussel, für zwei bis fünf Personen ab zehn Jahren, rund 25 Minuten).
»Trio« ist ein wunderbares Merk- und Ärgerspiel mit sehr überschaubaren Regeln. Mehr dazu lesen Sie hier (von Kaya Miyano, für drei bis sechs Personen ab sieben Jahren, rund 15 Minuten).
»Odin« ist aus meiner Sicht eines der besten Kartenspiele der vergangenen Jahre. Sehr kompakt und mit hohem Wiederspielreiz. Man will alle eigenen Karten loswerden und muss immer die aktuell ausliegenden in der Tischmitte überbieten – und darf dafür entweder gleiche Farben oder gleiche Ziffern zu einer möglichst großen Zahl bündeln. Der Kniff: Danach muss man eine der vom vorigen Spieler gelegten Karten auf die eigene Hand nehmen. Das kann viele taktische Möglichkeiten eröffnen, aber auch hinderlich sein. Wenige Regeln, aber eine schöne Spannungskurve (von Gary Kim, Hope S. Hwang und Yohan Goh, für zwei bis sechs Personen ab sieben Jahren, rund 15 Minuten).
Als Zweipersonenspiel ist »Agent Avenue« ein großartiges kleines Duell: Auf einem kleinen Spielbrett jagen zwei Agenten einander hinterher – wer zuerst den anderen einholt, gewinnt. Wie weit man vorankommt, das entscheiden die Personenkarten, die man in die eigene Auslage spielt. Wer dran ist, bietet dem Gegenspieler zwei Karten an: Eine offen, eine verdeckt. Der nimmt eine davon in seine Auslage, die andere muss man selbst nehmen. Ein gutes Pokerface ist von Vorteil, um dem Gegner möglichst nutzlose Leute aufzuhalsen. Spannung, Schadenfreude, Hoffen, Bangen und hinterlistige Pläne schmieden – es ist erstaunlich, wie viele Gefühle ein so kompaktes Spiel freisetzen kann (Christian und Laura Kudahl, für zwei bis vier Personen ab acht Jahren, 10 bis 15 Minuten).
In einer Spielesammlung für Reisen dürfen Roll-and-Write-Spiele nicht fehlen. Wir haben hier mal »Cascadia Rolling Rivers« dazugepackt. Das bietet etwas mehr Herausforderung als die schnell gezockten Klassiker »Ganz schön clever« und »Noch mal!«, die ohnehin in jeden Haushalt und jede Reisetasche gehören. Außerdem macht es auch als Solospiel Spaß. Aus der Cascadia-Reihe gibt es auch noch »Rolling Hills«. Eine ausführliche Besprechung beider Spiele und weitere Anregungen finden sich hier. Natürlich haben wir die Blätter laminiert, um Platz zu sparen. Wer kein eigenes Gerät hat, kann das für kleines Geld auch den Copyshop machen lassen, das kostet pro Blatt meist weniger als einen Euro.
Achten Sie bei Ihrer Auswahl auf variable Spielerzahlen und variable Dauer – und nehmen Sie mindestens ein Spiel mit, das sich auch für größere Gruppen eignet.
Achtung, jetzt verlassen wir die Minimalismuszone, es geht um die großen Schachteln. Für Gernspieler kann es sich sehr lohnen, gemeinsam ein großes, neues Brettspiel für den Urlaub auszuwählen und in dessen Schachtel möglichst noch zwei, drei kleinere Spiele zu quetschen. Der Vorteil eines Hauptspiels: Man verbindet es auch später immer noch mit dem Ferienfeeling, das man dann auch zu Hause leicht wieder abrufen kann. Ein Erinnerungsanker für später, eine Art Vorabsouvenir.
Besonders schön und urlaubsstimmungsfördernd kann es sein, als Hauptspiel ein kooperatives Abenteuer auszuwählen, bei dem man im Urlaub als Team mit gemeinsamen Herausforderungen zusammenwächst. »Dorfromantik« könnte so ein Spiel sein, aber auch das feine, spannende und leicht zugängliche Geschichtenspiel »Oltréé« oder das hübsche »Dungeon Legends«. Wer gern gemeinsam knobelt, ist mit »Bomb Busters« gut bedient – und hat bei den 66 Missionen genug Unterhaltung für einen längeren Urlaub.