Unkrautentferner im Test Dem Wildwuchs keine Chance
Unkraut in einer Fuge: Der Erzfeind aller Terrassenbesitzer
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELWer die Stadtwohnung gegen ein Haus im Vorort eingetauscht hat, freut sich über mehr Platz und den eigenen Garten. Doch spätestens im ersten Frühling lernt man einen neuen Erzfeind kennen: Unkraut. Aus den Fugen der Terrassenplatten sprießen Löwenzahn, Brennnesseln, Klee und vieles mehr. Reißt man es bloß ab oder schneidet es, kommt es immer wieder.
Angesichts dieser Hartnäckigkeit stellt sich die Frage: Lohnt es sich überhaupt, dagegen anzukämpfen? »Es ist ein ewiger Kampf, Jahr für Jahr. Man kann es nur durch kontinuierliche Pflege bekämpfen«, sagt Marc Templin, stellvertretender Leiter des Hamburger Friedhofs Ohlsdorf, dem größten Parkfriedhof der Welt.
Nach seiner Meinung könnte die Sache aber auch ganz anders betrachten, die Gewächse statt als Unkraut als »wilde Kräuter« bezeichnen und einfach wachsen lassen. Davon würde die Natur im Allgemeinen und Insekten im Speziellen profitieren. »Es wächst wild, also an Orten, an denen man es nicht haben will. Aber das heißt nicht, dass es etwas Schlechtes ist. Besonders bei Wildblumen, die stören doch nicht«, sagt er.
Die getesteten Unkrautentferner: Schluss mit Wildwuchs
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELZumindest, was die Fugen auf der Terrasse oder dem Gehweg angeht, sehen viele Eigenheimbesitzer die Sache offenbar anders. Ganz egal, wie man es bezeichnet, auf diesen Flächen möchte kaum jemand wild wachsendes Grünzeug dulden. Um es zu entfernen, gibt es eine Vielzahl von Werkzeugen. »Was sich am besten eignet, hängt von der Fläche ab. Auf kleinen Flächen ist es gut, das Unkraut von Hand zu entfernen. Ansonsten läuft man Gefahr, mehr zu entfernen, als man eigentlich will. Maschinen mit Bürsten und ähnlichem eignen sich am besten für größere Flächen wie Gehwege«, sagt Templin.
Die Auswahl reicht von einfachen Klingen, mit denen man die Pflanzen aus den Ritzen reißt, über elektrische Bürsten bis hin zu glühend heißen Brennern, die das Kraut veröden sollen. Aber: Mit welchem Hilfsmittel wird man das Unkraut am besten los?
Unerwünschtes Kraut mit Elektrohilfe wegzubürsten oder wegzubrennen, mag verlockend einfach erscheinen. Genauer, effizienter und vor allem billiger kommt man mit Handarbeit zum Ziel. Dafür reicht schon der Fugenkratzer von Fiskars. Leider ist es auf Dauer anstrengend, damit auf den Knien hockend zu arbeiten. Bequemer geht es mit dem 3in1-Fugenreiniger von Gardena. Dessen eigentliche Stärke sind nicht die drei integrierten Werkzeuge, sondern der Stiel, durch den man die lästige Aufgabe wenigstens stehend absolvieren kann.
So haben wir getestet
Der Ausgangspunkt für unseren Test war, herauszufinden, mit welcher Art von Werkzeug man Unkraut am effektivsten beseitigen kann. Das gilt sowohl für das Entfernen der sichtbaren Austriebe als auch für die Langzeitwirkung der Methoden. Darüber hinaus haben wir bewertet, wie gut sich die Werkzeuge montieren, benutzen und lagern lassen. Alle Produkte wurden auf derselben Fläche getestet, die verschiedene Arten von Platten und Fugen beinhaltetet.
Fiskars Xact
Fugenkratzer Fiskars Xact: Einfach und effektiv
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELAuf den Knien sitzend das Unkraut samt Wurzeln mit einer schmalen, scharfen Klinge aus den Ritzen herausreißen: Der Fiskars Xact setzt auf diese bewährte Technik – allerdings mit einem modernen Dreh.
Die doppelseitige Klinge aus Edelstahl vermittelt einen stabilen und langlebigen Eindruck. Das klare und schlichte Design macht es leicht, den Fugenkratzer nach Gebrauch zu reinigen. Der Griff besteht teilweise aus weichem Gummi, wodurch der 270 Gramm leichte Fugenkratzer angenehm in der Hand liegt. Die Anwendung ist selbsterklärend, eine Gebrauchsanweisung weder vorhanden noch nötig.
Die schmale Klinge passt auch in enge Fugen. Für breitere Spalten ist auf der Oberseite der Klinge ein grober Bügel angebracht. Der Vorteil des Systems liegt darin, dass man das Unkraut damit – im besten Fall – samt Wurzeln herausziehen kann. Weil der Teil der Klinge, der zum Herausreißen der Wurzeln verwendet wird, mit vier Zentimetern relativ kurz ist, klappt das nicht immer.
Ansonsten hat das kompakte Format den Vorteil, dass man Unkraut dank der schmalen Klinge fast überall erreichen kann und sofort sieht, ob man es erfolgreich entfernt hat. Allerdings ist diese Methode auf Dauer sehr anstrengend, weil man beim Fugenkratzen meist auf den Knien sitzt.
Gardena 3in1-Fugenreiniger
Gardena 3in1: Multitool mit drei effektiven Werkzeugen
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELDas sogenannte Combisystem von Gardena basiert darauf, dass sich unterschiedliche Werkzeuge über ein einheitliches System mit denselben Stielen verbinden lassen. Im Zweifel kauft man also nur einen Stiel, an den man je nach Bedarf unterschiedliche Geräte anklemmt. Das soll Platz und Geld sparen. Die Preise für Stiele beginnen bei 16 Euro.
Der »Combisystem-3in1-Fugenreiniger« ist Teil dieses Systems, soll mit drei verschiedenen Werkzeugen und seinem optionalen Stiel helfen, Unkraut zu entfernen. Sein kompaktes Gehäuse aus Hartplastik ist mit einer kurzen Klinge aus rostfreiem Stahl für schmale Fugen, einem Bügel für größere Fugen und einer Metallbürste zum Entfernen von Moos ausgestattet. Um zwischen den Werkzeugen zu wechseln, öffnet man eine Verschlussklemme aus Plastik, und verschiebt das Kunststoffgehäuse. Dabei sollte man vorsichtig vorgehen, denn nicht nur die Klinge ist scharf, auch an der Metallbürste kann man sich verletzen.
Die verschiedenen Funktionen ergänzen sich gut, und dank des Stiels ist es leicht, große Flächen schnell von Unkraut zu befreien. Doch wenn man die Klinge oder die Bürste verwendet, könnte das Unkraut schnell wiederkommen. Denn nur wenn man den Bügel verwendet, werden auch die Wurzeln entfernt. Außer um Moos zu entfernen, eignet sich die Bürste auch, um mal eben schnell viel Unkraut wegzubürsten. Dauerhaft entfernt wird es so aber nicht.
Kärcher WRE 18-55 Fugenbürste
Bis zu 2800 Umdrehungen pro Minute: Der Kärcher hat einen Kopf mit beweglichen Nylonbürsten
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELSo gut Handarbeit auch sein mag, manchmal möchte man den Job lieber einer Maschine überlassen. Die kleine Stahlbürste am Gardena 3in1 zeigt, wie effektiv es sein kann, Unkraut einfach wegzubürsten. Die Akku-Fugenbürste von Kärcher basiert auf demselben Prinzip, hat aber einen deutlich größeren Nylon-Bürstenkopf, der im Betrieb mit bis zu 2800 Umdrehungen pro Minute rotiert. Dem sollte kein Unkraut gewachsen sein.
Als Stromversorgung nutzt die WRE 18-55 Kärchers hauseigene Akku-Plattform. Wer also schon andere akkubetriebene Geräte aus dem Kärcher Sortiment nutzt, kann beim Kauf sparen und die Fugenbürste ohne Akku kaufen. Alternativ gibt es sie als »WRE 18-55 Battery Set«, inklusive eines Stromspeichers, der für 15 Minuten Betriebszeit ausreicht. Mit dem doppelt so großen Akku »Battery Power 18/50« solle sie auch doppelt so lange durchhalten. Der Aufpreis: 110 Euro.
Bis zu 30 Minuten Betriebszeit: Zum Kärcher gibt es große Akkus und ein noch größeres Ladegerät
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELNoch größer als der Akku ist das altmodisch anmutende Ladegerät. Es bietet jedoch ausreichend Platz für drei sehr gut lesbare Anzeigen zum Ladezustand des Akkus. Es gibt auch ein Display am Akku selbst, das Informationen zum Ladezustand anzeigt. Der Akku muss vor der ersten Benutzung vollständig aufgeladen werden, was knapp eine Stunde dauert.
Das Gerät selbst kommt gut verpackt als Bausatz, lässt sich nach einem kurzen Blick in die Bedienungsanleitung aber leicht zusammensetzen. Es macht einen soliden Eindruck, wiegt nur 2,9 Kilogramm und liegt gut in der Hand. Die Stange zwischen Griff und Bürste ist höhenverstellbar. Der Bürstenkopf kann in drei Positionen geneigt werden, sodass es beispielsweise leichter wird, Unkraut unter einem Tisch zu entfernen. Der Elektromotor ist relativ leise, ein Gehörschutz nicht erforderlich.
Um zu verhindern, dass die Bürste versehentlich aktiviert wird, gibt es eine Sicherheitsfunktion, wie sie bei vielen Rasentrimmern zu finden ist: Zuerst muss eine Taste an der Seite muss gedrückt werden, damit man den Motor mit einer zweiten Taste starten kann.
Nach ein wenig Übung findet man schnell den richtigen Arbeitswinkel, um mit der WRE 18-55 blitzschnell Unkraut und Moos aus Fugen und Ritzen zu entfernen. Weil dabei auch kleine Steine und andere Dingen mit Wucht weggeschleudert werden, sollte man das Gerät lieber nicht mit kurzen Hosen verwenden. Wer seinen Parkplatz von Unkraut befreien will, sollte seine Autos umparken, um Steinschlag zu vermeiden.
Die besten Ergebnisse erzielt die Kärcher WRE 18-55 bei trockenem Unkraut. Bei längeren frischen Blättern, beispielsweise Löwenzahn, neigt sie dazu, sie nur flachzulegen, statt wegzufegen.
Gloria Thermoflamm Bio Fix
Temperaturen von bis zu 800 Grad: Der Gloria-Brenner soll Unkraut bis in die Wurzeln abtöten
Foto: Carl Undéhn / DER SPIEGELUnkraut mit Hitze zu bekämpfen, ist nichts Neues. Gasbrenner werden seit Langem verwendet. Wer keine Gasflaschen zu Hause haben möchte, kann stattdessen einen elektrischen Brenner wie den Gloria Thermoflamm Bio Fix verwenden. Das Gerät kommt in zwei Teilen, die schnell zusammengeschraubt werden. Die Stange, an deren Ende das Gerät steckt, ist nicht höhenverstellbar und hat eine Länge von 1,22 Metern. Oben befinden sich ein Griff aus Kunststoff, sowie ein kurzes Stromkabel von etwa 20 Zentimeter Länge. Das Stromkabel kann man an kleinen Kabelhaltern am Griff arretieren. Dort befindet sich auch der einzige Knopf des Werkzeugs, der gedrückt gehalten werden muss, um die Heizspirale zu aktivieren.
Letztere wird von einer dünnen Metallhaube geschützt. Das ist essenziell, denn im Betrieb soll der Gloria Thermoflamm Bio Fix laut Hersteller Temperaturen von bis zu 800 Grad erreichen. Welche Arbeitstemperatur die Heizspirale tatsächlich hat, wird nicht angezeigt.
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Der Gedanke ist, dem Unkraut einen Hitzeschock zu versetzen und es mit der Hitze bis zu den Wurzeln abzutöten. Fünf bis zehn Sekunden sollten ausreichen. Währenddessen führt man das Gerät langsam über das Unkraut. Was genau unter der dünnen Metallhaube passiert, ist schwer zu sagen. Erst wenn Rauch oder gar Flammen auftauchen, ist zu bemerken, dass da unter etwas vor sich geht.
Dass der Thermoflamm sich wegen des vielen Plastiks nicht sonderlich stabil anfühlt, stört kaum, wenn man ihn mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit übers Unkraut führt. Ob der Vorgang erfolgreich war, lässt sich erst später abschätzen. Zwar soll die Hitze das Unkraut abtöten und somit dauerhaft entfernen, doch zunächst bleibt es erhalten – nur mehr oder weniger verbrannt. Daher ist es notwendig, die Reste der Pflanzen, die – hoffentlich – bis zu den Wurzeln abgetötet wurden, zu entfernen. Dieser zusätzliche Aufwand lohnt sich, um sicherzustellen, dass das Unkraut auch wirklich nicht wiederkommt.