Mein erstes Mal: Deutsche bei der Programmier-WM
Mein erstes Mal Fabian, 19, knobelt bei der Nerd-WM
"Mitten im Wettbewerb hatten wir den Tunnelblick - da setzen fast alle Sinne aus. Ich war auf das Team fokussiert und hochkonzentriert, wir waren schließlich bei der Programmierweltmeisterschaft in Russland! Da braucht es vor allem: logisches, aber abstraktes Denken, Algorithmen und Spaß daran, Probleme zu lösen. Wir mussten unter Zeitdruck Computerprogramme schreiben, die dann mathematische Aufgaben lösen sollten.
Zwölf Probleme galt es zu lösen. Der Wettbewerb fand in einer Sporthalle statt, zweihundert Tische mit Laptops waren aufgebaut. Fünf Stunden haben wir mit der Programmiersprache C++ gearbeitet. Wir hätten auch Pausen machen können, wollten aber nicht. Als die Zeit um war, dachte ich: Das war noch zu wenig, ich hätte gerne weiter gemacht. Immer schön durchziehen!
Russland ist ziemlich gut, da kamen die letzten vier Weltmeister her. Vor allem Länder aus Osteuropa und China sind vorne mit dabei, die haben einiges drauf. Womöglich liegt das daran, dass es dort mehr Interessierte gibt und der größere Konkurrenzdruck dazu führt, dass noch intensiver trainiert werden muss, um weit zu kommen. Wir dachten nicht, dass wir uns in unserem Vorentscheid, dem Northwestern European Regional Contest in Delft , gegen gut 91 Teams aus neun Ländern qualifiziert haben. Aber wir waren unter den ersten drei und durften tatsächlich nach Russland fahren.
Die Vorbereitung: drei Stunden Mathe und Informatik am Tag
Vorbereitet haben Juliane, Karol und ich uns selbst - wir trafen uns zum Trainieren meist in der Uni. Dabei sind wir die Wettbewerbe aus den vergangenen Jahren durchgegangen, es gibt auch Seiten im Internet , auf denen man ähnliche Aufgaben findet, die hat dann jeder für sich probiert.
Weil das Format überall fast gleich ist, kann man damit ziemlich gut üben: Aufgabe lösen und hochladen, meist dauert es drei Stunden. Für fachliche Fragen konnten wir zu unserem Coach Pawel Gawrychowski kommen; er arbeitet am Max-Planck-Institut für Informatik und hat sich um alles Organisatorische gekümmert.
Die Arbeit im Team ist der spannende Teil: Es ist schwierig, sich an einem Computer zu dritt abzustimmen - wer macht was und in welcher Reihenfolge. Unterhalten durften wir uns nur mit dem Schiedsrichter und im Team, nur der gestellte Computer und ein gestellter Taschenrechner waren erlaubt - und ein Wörterbuch zum Verständnis der englischen Aufgabentexte.
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass mehrere Teams während des Wettbewerbs gleich viele Aufgaben in der gleichen Zeit lösen. Die Zeit wird für jedes Team genau gestoppt. Ein Server überprüft die Eingaben auf Richtigkeit und gibt ein entsprechendes Signal. Dann weiß man zwar, ob ein Programm alle gestellten Aufgaben lösen kann, aber läuft es nicht, erfahren wir nicht, woran es liegt.
Der Lohn: Austausch mit Experten
Wer ein nicht funktionierendes Programm trotzdem hochlädt, erhält zwanzig Strafminuten auf die Arbeitszeit zugeschlagen. Wer am längsten braucht und wenige funktionierende Programme geschrieben hat, liegt hinten.
Bei der WM konnten wir nur ein Problem lösen. Dabei ging es um ein simuliertes Brettspiel: Alle Spielsteine lagen offen, unser Programm errechnete, welcher Spielern gewinnt, wenn er optimal spielt. Bei den anderen Aufgaben hatten wir Fehler drin, die wir nicht finden konnten. Das hat uns ziemlich geärgert. So landeten wir auf Platz 94 von 123 .
Nach dem Wettbewerb waren wir natürlich enttäuscht. Aber die einjährige kostenlose Mitgliedschaft in der Wissenschaftliche Gesellschaft für Informatik (ACM ) ist ein schöner Trost. Als Mitglieder kommen wir nun an wissenschaftliche Veröffentlichungen und an Seminare heran, und es ist einfach toll, in dieser "Handwerkskammer der Internationalen Informatik" zu sein.
Nächstes Jahr wollen Juliane und ich wieder zur Vorrunde fahren. Dafür suchen wir einen neuen Teampartner, denn für unseren polnischer Kollege Karol ist das Erasmus-Semester nun vorbei. Wir sind das erste Team aus unserer Uni in Saarbrücken, das es geschafft hat, ins Finale zu kommen. Ziemlich cool!"