Beate Uhses Erbe: Raus aus dem Schmuddel-Geschäft - DER SPIEGEL
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Beate Uhses Erbe Raus aus dem Schmuddel-Geschäft

Für Ulrich Rotermund, Sohn von Beate Uhse, hat die Firma seiner gestorbenen Mutter offenbar allen Sex-Appeal verloren: Er ist als Großaktionär ausgestiegen. Anscheinend begeistert er sich mehr für Designer-Kleider als für Reizwäsche.
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Flensburg - Fast genau drei Monate nachdem Gründerin Beate Uhse-Rotermund 81-jährig an einer Lungenentzündung starb, trennt sich wieder ein Erbe von Anteilen. Ist das Geschäft mit Dildos, Kondomen und Porno-Videos Uhses Kindern und Enkeln zu anrüchig geworden? Im Jahr 2000 besaßen die Rotermunds noch 45 Prozent der Aktien, bis vor kurzem waren es nach Angaben einer Sprecherin noch 38 Prozent.

Verschiebespielchen mit Aktien

Nach Ulrich Rotermunds Verkauf schrumpft der Familienanteil weiter, womöglich auf nur noch 25 Prozent. Bisher hielt der Uhse-Sohn 13,17 Prozent. Nun hat er zumindest so viele Aktien verscherbelt, dass er unter die Zehn-Prozent-Schwelle gerutscht ist - und damit sein Stimmrecht in der Gesellschaft verloren hat. Weitere Anteile halten noch die Uhse-Enkel Philipp und Eugen sowie Ulrichs Frau Jutta.

Kay Strippe, auf die Uhse AG spezialisierter Analyst bei Independent Research in Frankfurt, hält es für wahrscheinlich, dass Ulrich Rotermund seine Anteile komplett abgestoßen hat. Denn gleichzeitig hat die Orthmann AG des Schweizer Investors Richard Orthmann ihre Anteile an der Uhse AG hochgefahren - um mindestens zwölf Prozent. Lag der Anteil der Orthmann AG bisher unter zehn Prozent, beträgt er nun 22,5 Prozent. "Es ist offensichtlich, dass die Anteile einfach umgewandelt wurden", urteilt Strippe.

"Unerreichbar im Ausland"

Über die Hintergründe des Verschiebespiels ist aus dem Uhse-Hauptquartier in Flensburg nichts Erhellendes zu erfahren. Sie würde gerne eine Erklärung abgeben, sei aber selbst nicht informiert, klagt Uhse-Sprecherin Assia Tschernookoff.

Sie wisse lediglich, dass der Uhse-Sohn verkauft und Orthmann zugekauft habe. Rotermund sei aber nicht zu erreichen, Orthmann halte sich "im außereuropäischen Ausland" auf und sei ebenfalls nicht zu sprechen - auch für sie selbst nicht. Sie gehe davon aus, dass Rotermund trotz alledem in Kürze einen Sitz im Aufsichtsrat der Uhse AG einnehme. Auf diesem Stuhl saß bis zu ihrem Tod Beate Uhse selbst.

Rotermunds geheime Wünsche

Anscheinend gilt für den Sohn der Erotik-Unternehmerin die Devise: Mode statt Kondome. Bereits seit Sommer wird spekuliert, Rotermund wolle als Retter der Hamburger Wünsche AG auftreten - dem finanziell Not leidenden Textilkonzern, zu dem die neben den Marken Cinque, Miles und Jansen auch JOOP! gehört.

Eigentlich wollte Wünsche-Boss Gerhard Janetzky seinen Aktionären schon auf der Hauptversammlung im August einen "strategischen Investor" präsentieren. Stattdessen warnte er dann eindringlich vor dem drohenden Bankrott.

Erotik-Aktie mit Potenzproblemen

Bereits jetzt ist der Uhse-Sohn an dem Mode-Unternehmen beteiligt. Nutzt er seine Verkaufserlöse nun, um sein Engagement deutlich auszubauen?

Uhse-Kenner Kay Strippe hält das für wahrscheinlich. Dass Rotermund einfach nur Aktien verkaufte, um Kasse zu machen, glaubt der Analyst jedenfalls nicht. Dann hätte der Uhse-Erbe "warten müssen, bis der Kurs wieder anzieht". Schließlich ist der Wert der Erotik-Aktie, die im Mai 1999 noch bei 24,75 Euro notierte, kräftig in die Tiefe gerauscht. Derzeit ist das Papier nur 11 Euro wert.

Wichtige Nachricht zu verkünden

Ein letztes Indiz für Rotermunds Interesse an der JOOP!-Mutter: Am Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Hamburger Modegruppe - genau einen Tag nachdem Rotermunds Ausstieg bei Uhse öffentlich wurde.

Bis dahin sagt Wünsche-Sprecherin Marina Perez-Teubner nur dieses: Natürlich kenne sie die Gerüchte, wonach Rotermund im größeren Stil einsteigen wolle. "Aber es ist noch nichts entschieden." Es sei allerdings möglich, dass es nach der Sitzung am Dienstag eine wichtige Nachricht zu verkünden gebe.