Donald Trump: Jetzt gelten seine Megazölle - DER SPIEGEL
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Handelskrieg der USA Jetzt gelten Trumps Megazölle

Die US-Regierung hat Ernst gemacht: 104 Prozent Zölle greifen für Einfuhren aus China, noch mal 20 Prozent für die Europäische Union. In Brüssel will man noch heute über Gegenmaßnahmen abstimmen.
Trump-Foto und -Kappe in der New Yorker Börse: Das zweite große US-Zollpaket ist in Kraft getreten
Trump-Foto und -Kappe in der New Yorker Börse: Das zweite große US-Zollpaket ist in Kraft getreten

Trump-Foto und -Kappe in der New Yorker Börse: Das zweite große US-Zollpaket ist in Kraft getreten

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Angela Weiss / AFP

Um 00.01 Uhr Ortszeit Washington kam es wie angekündigt: Die neuen US-Sonderzölle gegen zahlreiche Handelspartner sind in Kraft getreten. Präsident Donald Trump will damit angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen die Zolleinnahmen dazu dienen, im Wahlkampf versprochene Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren.

Für jedes betroffene Land ermittelte die US-Regierung einen individuellen Prozentsatz, der sowohl Zölle als auch andere Handelshemmnisse abbilden soll. Daraus leitet sich dann der entsprechende Zoll auf Importe aus den jeweiligen Ländern ab (wie die US-Regierung die Zollsätze berechnet hat, lesen Sie hier). Bereits am Samstag waren pauschale Importzölle von zehn Prozent in Kraft getreten.

Mit 104 Prozent gegen China

Für Einfuhren aus der Volksrepublik China werden seit 6.01 Uhr MESZ nun Abgaben von 104 Prozent fällig. Der Streit zwischen den USA und China war in den vergangenen Tagen eskaliert: Trump hatte Zölle von zunächst 20 und in der vergangenen Woche von zusätzlich 34 Prozent auf Einfuhren aus China verhängt. Peking reagierte mit Aufschlägen von ebenfalls 34 Prozent, die am Donnerstag wirksam werden. Trump erließ daraufhin zusätzliche Aufschläge von 50 Prozent auf chinesische Produkte – in der Summe also 104 Prozent.

Aus dem chinesischen Handelsministerium hieß es: Sollten die USA auf ihren neuen Zöllen bestehen, werde »China sie definitiv bis zum Ende begleiten«. Die Erklärung lässt sich auch mit »bis zu Ende kämpfen« übersetzen.

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Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte, der Präsident glaube, dass China ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten schließen wolle. Peking wisse nur nicht, wie es das anstellen solle. Außerdem erklärte Leavitt: »Und der Präsident wollte auch, dass ich Ihnen allen sage, dass er unglaublich gnädig sein wird, wenn China seine Hand ausstreckt, um eine Vereinbarung zu treffen. Aber er wird tun, was das Beste für das amerikanische Volk ist.«

EU stimmt über Gegenmaßnahmen ab

Für die EU werden seit Mittwoch neue Aufschläge von 20 Prozent fällig. Bereits Mitte März hatte Trump 25-prozentige Aufschläge für US-Einfuhren von Stahl und Aluminium aus Europa verhängt. Diese Metallzölle treffen nach EU-Angaben Exporte im Wert von 26 Milliarden Euro und könnten den USA damit theoretisch zusätzliche Zolleinnahmen von rund 6,5 Milliarden Euro bescheren.

Als Reaktion auf diese Zölle vom März will die EU am Mittwoch über Gegenmaßnahmen abstimmen. Zur Debatte steht eine Liste von Vergeltungszöllen, die ab Mitte April schrittweise greifen sollen. Die Aufschläge betreffen zunächst etwa Motorräder und Jeans, ab Mitte Mai dann auch einige Stahl- und Textilwaren sowie landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen.

Trump lehnte zuletzt einen Vorschlag aus Brüssel ab, über den Wegfall aller Zölle auf Industriegüter zu verhandeln. EU-Vertreter betonten, dass der Staatenbund weiterhin bereit sei, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden. Die ist bisher allerdings nicht in Sicht. In der kommenden Woche will die EU-Kommission in einem nächsten Schritt deshalb weitere Gegenmaßnahmen vorschlagen. (Mehr dazu, welche drei Optionen die EU gegen Trump hat, erfahren Sie hier. )

Trump will an »maßgeschneiderten Deals« mit einzelnen Partnern arbeiten

Der US-Präsident hatte angekündigt, mit einzelnen Handelspartnern an »maßgeschneiderten Deals« arbeiten zu wollen. Laut seiner Sprecherin haben sich fast 70 Staaten um Verhandlungen über die angedrohten Importzölle bemüht.

Mit Blick auf Südkorea und Japan zeigte sich Trump beispielsweise optimistisch, »großartige« Vereinbarungen schließen zu können. Die thailändische Regierung kündigte an, mehr Waren aus den USA zu importieren und selbst einige Zölle auf US-Produkte zu senken. Innerhalb von zehn Jahren soll die Handelsbilanz ausgeglichen werden. Indonesien machte ebenfalls Zugeständnisse. Dazu zählen unter anderem weniger Abgaben auf Elektronikprodukte und Stahl.

DER SPIEGEL

US-Aktien rutschen noch tiefer ab

Die aggressive Zollpolitik Trumps sorgt an den Märkten weltweit für Unsicherheit. »Was Trump angekündigt hat, kann man als Atombombe auf die Weltwirtschaftsordnung verstehen«, sagte Ökonom Michael Hüther dem SPIEGEL. 

An der Wall Street schlossen am Dienstag alle drei wichtigen Indizes im Minus.

  • Der Dow Jones Industrial büßte seinen Gewinn aus dem frühen Handel von fast vier Prozent ein und drehte im späten Geschäft ins Minus. Letztlich verlor der US-Leitindex 0,84 Prozent auf einen Stand von 37.645,59 Punkten.

  • Der marktbreite S&P 500 schloss 1,57 Prozent tiefer bei 4982,77 Zählern.

  • Der von den großen Technologieaktien dominierte Nasdaq 100 büßte am Ende 1,95 Prozent auf 17.090,40 Punkte ein.

In Europa und Asien hatten sich die Finanzmärkte dagegen zunächst beruhigt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss am Dienstag um rund 2,5 Prozent im Plus. (Mehr dazu, wie schlimm der Einbruch am Aktienmarkt ist, erfahren Sie hier. )

Erklären Sie’s Ihrem Kind

Warum sind die USA für Deutschland und Europa so wichtig? Warum reden gerade alle über Zölle? Und was hat Donald Trump damit zu tun? Kinder wollen die Welt verstehen und stellen Fragen, die für Erwachsene nicht immer leicht zu beantworten sind. Kommen Sie mit Ihren Kindern ins Gespräch über die entscheidenden Themen des Tages – mit altersgerechten Artikeln von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder.

aar/dpa/Reuters/AFP