EADS Airbus-Bestellungen rückläufig
Paris/München - Mit dem hohen Auftragsbestand beim Flugzeugbauer Airbus SAS, dem mit Abstand größten Umsatz- und Ergebnisträger des Konzerns, ließen sich auch schwierige Zeiten gut überstehen, erklärten die beiden EADS-Vorstandschefs Rainer Hertrich und Philippe Camus. 2002 sollen jedoch nur 300 Maschinen statt der ursprünglich geplanten 400 an Kunden übergeben werden.
In den ersten neun Monaten stieg der EADS-Umsatz um 30 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro. Die EADS-Aktie erholte sich an der Pariser Börse deutlich von den heftigen Vortagsverlusten nach dem Absturz einer Airbus-A300-Maschine in New York. Das Papier legte um sechs Prozent zu, nachdem es am Montag gut neun Prozent eingebüßt hatte. Ein Händler sagte, bei dem Absturz in New York könne es sich eher um ein Wartungsproblem als um einen Materialfehler gehandelt haben.
Airbus erstmals voll in die Bilanz integriert
Die EADS hält an früheren Prognosen fest, wonach der Gewinn vor Steuern und Zinsen 2001 um 15 Prozent und der Konzernumsatz um 20 Prozent im laufenden Jahr zulegen sollen. Ein Sprecher bezeichnete die Prognose als konservativ. Grundlage für diese Zuversicht sei die Auslieferung von 320 Airbus-Flugzeugen nach 311 im Vorjahr. Ursprünglich hatte Airbus mit 350 Maschinen gerechnet, die Zahl aber bereits vor den Anschlägen in den USA auf 330 korrigiert.
Der Großteil des Umsatzzuwachses in den ersten neun Monaten kommt aus der erstmaligen Vollkonsolidierung von Airbus. Die in Toulouse ansässige EADS-Tochtergesellschaft, an der BAE Systems 20 Prozent hält, war bisher lediglich zu 80 Prozent in den Abschluss einbezogen worden. Ohne diesen Konsolidierungseffekt hätte der Umsatz seit Jahresbeginn um zwölf Prozent zugelegt.
Starker Dollar hilft dem Konzern
Dabei habe die EADS nicht nur von den Auslieferungen bei Airbus, sondern auch vom Anstieg des Dollar profitiert, so das Unternehmen. Allein der Umsatz von Airbus war mit 14,4 Milliarden Euro um 40 Prozent höher als ein Jahr zuvor, im dritten Quartal waren es noch 27 Prozent. Konzernweit stieg der Umsatz im Quartal um 26 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Allerdings gingen im Quartal nur noch 2,1 Milliarden Euro an neuen Aufträgen bei Airbus ein, ein Jahr zuvor waren es noch 4,4 Milliarden.
Seit Jahresbeginn hat sich der Auftragseingang in Toulouse gleichwohl auf 40,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Konzernweit stieg der Auftragseingang um 52 Prozent auf 47,2 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand von 184,2 Milliarden Euro reiche aus, um die Produktion der EADS für die nächsten sechs Jahre auszulasten.
Auf die zurückgeschraubten Erwartungen für 2002 hatte Airbus bereits mit Einsparungen reagiert. Nach den Anschlägen in den USA und der folgenden Krise bei den großen Fluggesellschaften waren bereits die mittel- und langfristigen Absatzziele gesenkt worden, obwohl nach früheren Angaben schon 375 Festbestellungen für 2002 vorlagen. Die Fertigungskapazitäten, die auf über 400 Stück nach oben geschraubt werden sollten, wurden eingefroren, die Kosten sollen im nächsten Jahr um 600 Millionen Euro gesenkt werden. Mit Ausnahme der Entwicklung des "Super-Jumbo" Airbus A380 war ein Einstellungsstopp verhängt worden.
EADS steht besser da als Boeing
Die Kapazitäten seien nun auf 330 bis 350 Flugzeuge pro Jahr ausgelegt. Schwankungen von 15 Prozent bei den Auslieferungen ließen sich dank der flexiblen Produktion verkraften, sagte der Sprecher. Bisher seien keine 2002 zur Auslieferung anstehenden Maschinen abbestellt oder ihr Auslieferungstermin verschoben worden. Ein Analyst in Paris sagte, Airbus werde über mehrere Jahre mit sinkenden Auslieferungszahlen leben müssen.
Damit wäre der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern aber weitaus weniger getroffen als sein US-Konkurrent Boeing . Boeing-Chef Phil Condit sagte in der Nacht zum Dienstag, der Flugzeugbauer rechne damit, in den nächsten 28 bis 42 Monaten tausend Flugzeuge weniger produzieren zu können als geplant. Es werde 14 bis 28 Monate dauern, bis sich die Luftfahrtindustrie in den USA wieder erholt habe.