Enron-Skandal: Ken Lay nickte Bilanztricks ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Enron-Skandal Ken Lay nickte Bilanztricks ab

Kenneth Lay, der Gründer und langjährige Chef des US-Energieunternehmens Enron, hat wiederholt zu Protokoll gegeben, von den Bilanzmanipulationen seiner Untergebenen habe er nichts gewusst. Jetzt sind Dokumente aufgetaucht, die das Gegenteil beweisen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Kenneth Lay hat nach Informationen des "Wall Street Journal" mehr von den umstrittenen Finanztransaktionen des von ihm gegründeten Unternehmens gewusst, als bisher bekannt war.

Enron hatte in so genannten Partnerships Millionen von Dollar an Schulden versteckt und so seine Bilanz geschönt. Gleichzeitig generierte das einstmals siebtgrößte Unternehmen der USA durch die "Partnerships" zusätzliche Gewinne in Millionenhöhe. Enrons Partnerunternehmen, über deren Existenz und Geschäftsrisiken die Anleger nicht vollständig informiert waren, wurden von hochrangigen Managern wie dem Ex-Finanzvorstand Andrew Fastow geleitet. Die größten der bisher bekannt gewordenen "Partnerships" sind LJM und LJM2 - benannt nach den Anfangsbuchstaben der Vornamen von Fastows Ehefrau und Kindern.

In Interviews hatte Lay bislang immer erklärt, er sei nicht vollständig über die Geschäfte dieser Partnerschaftsunternehmen informiert gewesen. Auch ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses war unlängst zu dem Schluss gekommen, "dass es nicht den Anschein hat, dass Lay in Verbindung mit LJM eine Managerrolle inne hatte oder ihm eine solche zugedacht war".

Die Chefs waren informiert

Diese Sichtweise werden die Ermittler jetzt revidieren müssen. Dem "Journal" liegt ein internes Enron-Dokument über eine Transaktion zwischen Enron und dem LJM2-Co-Investment LP vor. Bei dem Geschäft namens "Project Backbone" ging es um Zugangsrechte zu Enrons amerikanischem Glasfasernetz, die für 91 Millionen Dollar an LJM2 verkauft wurden. Das Dokument, mit Juni 2000 datiert, wurde von mehreren Enron-Managern abgezeichnet.

An der Stelle, wo die Unterschriften des damaligen Vorstandschefs Jeffrey Skilling und des Vize-Vorsitzenden Joseph Sutton vorgesehen waren, findet sich nach Angaben des "Journals" die Unterschrift Ken Lays. Lay war zu diesem Zeitpunkt Enrons Präsident. Auch Kongressmitglieder, die den Fall untersuchten, hätten bestätigt, dass es sich um Lays Unterschrift handele, so die Zeitung.

Ein weiteres Dokument, das dem "Journal" vorliegt, schließt zudem eine Gedächtnislücke des ehemaligen CEOs Jeffrey Skilling. Dieser hatte vor dem US-Kongress ausgesagt, er könne sich nicht erinnern, ob er irgendwelche LJM-Geschäfte abgezeichnet habe. Er hat: Im Juli 2000 unterzeichnete Skilling ein Projekt namens Margaux, bei dem es um den Verkauf von europäischen Enron-Kraftwerken an LJM2 ging

Eine Sprecherin Lays sagte am Dienstag, dieser werde auf Anraten seines Anwalts keine Aussage zu den Vorwürfen machen. Lay soll heute vor dem US-Kongress aussagen, hat jedoch angekündigt, er werde von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machen.

Von Thomas Hillenbrand