HP-Compaq: High-Noon in Palo Alto - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

HP-Compaq High-Noon in Palo Alto

Am Dienstag stimmen die Aktionäre des Traditionsunternehmens Hewlett-Packard über die umstrittene Fusion mit dem PC-Hersteller Compaq ab. Der Ausgang ist ungewiss, nur eines ist sicher: Das Rennen wird erst auf der Zielgeraden entschieden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Palo Alto/Houston - Im erbittert geführten Streit über die geplante Fusion der amerikanischen Computerfirmen Hewlett-Packard (HP)  und Compaq   haben in dieser Woche die Investoren das letzte Wort. Am Dienstag stimmen die Aktionäre von HP ab, ob der Mega-Deal im Wert von 20,6 Milliarden Dollar zu Stande kommt. Einen Tag später müssen sich die Besitzer des Computerkonzerns Compaq (Houston, Texas) entscheiden, ob sie die De-facto-Übernahme durch das kalifornische Unternehmen abnicken. Die Zustimmung der Compaq-Aktionäre gilt als sicher; ganz anders sieht es bei HP aus.

In Palo Alto ist noch alles offen: Nach Berechnungen des "Wall Street Journal" stehen derzeit 22 Prozent der HP-Inhaber hinter der "Opposition" um Walter Hewlett, dem Sohn des HP-Mitbegründers William Hewlett. Nur neun Prozent der HP-Aktionäre haben bisher HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina den Rücken gestärkt. Die restlichen 69 Prozent der Investoren haben sich bisher noch nicht erklärt.

Bisweilen nimmt der Fusions-Zirkus skurrile Züge an. Selbst HP-Investoren dritten oder vierten Ranges wie beispielsweise der Pensionsfonds der Angestellten öffentlicher Schulen des Staates Pennsylvania schaffen es auf die Titelseiten der internationalen Finanzpresse - mit der Botschaft, die Lehrerschaft des Ostküsten-Staates werde mit ihren 0,1 Prozent HP-Anteilen für Fiorinas Plan stimmen.

Elefanten und Fliegen

Besondere Sorge bereiten dem HP-Lager kleinere Investoren. "Wir gewinnen die Elefanten, aber wir werden von den Fliegen aufgefressen", zitiert die "Financial Times" einen mit dem Deal vertrauten Manager. Besonders unübersichtlich ist die Lage bei den zahlreichen Privatanlegern, die insgesamt ein Viertel der Stimmrechte halten. Wenn Carly Fiorina nicht von den unberechenbaren Kleininvestoren abhängig sein möchte, müsste sie insgesamt zwei Drittel der Stimmen aller institutionellen Investoren gewinnen - das wird bis Dienstag kaum zu schaffen sein.

Fiorina behauptet, die Fusion werde den Aktionären mehr "Shareholder Value" bringen. Werte sind bisher jedoch lediglich bei Tageszeitungen und Fernsehstationen geschaffen worden, die sich mitten in der Konjunkturflaute über zahllose ganzseitige Anzeigen und minutenlange TV-Spots freuen konnten. Ähnlich wie beim Streit über die feindliche Übernahme von Mannesmann durch Vodafone in Deutschland versuchten Befürworter und Gegner der Compaq-Übernahme die zweifelnden HP-Besitzer auf allen Kanälen von ihren Argumenten zu überzeugen und die gegnerische Seite mies zu machen.

Guter Merger, böser Merger

Die HP-Chefin wandte sich in der vergangenen Woche nochmals direkt an die Mitarbeiter ihres Unternehmens: "Wir werden immer für das kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig für die Firma ist", schrieb sie in einer E-Mail. Zusammen mit Compaq könne sich die neue HP an die Spitze des Marktes für Server und IT-Dienstleistungen setzen und somit dem Marktführer IBM besser Konkurrenz machen. Ihrer Argumentation sind im Vorfeld etwa die Investorengruppen Putnam, Banc One und ISS (Institutional Shareholder Services) gefolgt.

Walter Hewlett, der die William-und-Flora-Hewlett-Stiftung leitet, ging vor der entscheidenden Abstimmung der Aktionäre davon aus, dass sich die Gegner der Fusion durchsetzen würden und Fiorina HP verlassen werde. Die Übernahme von Compaq werde HP nur eine stärkere Abhängigkeit vom defizitären PC-Geschäft bescheren. Ein Unternehmen wie Compaq könne nur mit großen Problemen integriert werden. Dies werde die Gewinne von HP schmälern.

Die Börse selbst hat die Fusionspläne bislang skeptisch beurteilt. Seit der Ankündigung der Compaq-Übernahme am 3. September 2001 sanken die HP-Papiere um 18 Prozent auf zuletzt 19,05 Dollar. Aus Sicht des texanischen Computerkonzerns sieht die Zwischenbilanz besser aus: Die Aktien von Compaq lagen mit 10,33 Dollar rund 14 Prozent über dem Wert vom 3. September.

Von Thomas Hillenbrand

Wer stimmt morgen wie ab? Klicken Sie hier, um zu sehen, welche HP-Anteilseigner sich bereits festgelegt haben und welche nicht

Wer stimmt wie bei der HP-Compaq-Fusion?

Anteilseigner Anteil der Stimmen Haltung
Die Hewletts
William R. Hewlett Revocable Trust 3.75% Dagegen
William Flora Hewlett Foundation 1.88% Dagegen
Walter Hewlett 0.02% Dagegen
Die Packards
David Lucile Packard Foundation 10.37% Dagegen
Packard Humanities Institute 1.33% Dagegen
Andere
Capital Research Management 3.45% Unentschieden
Barclays Global Investors 3.10% Dafür
Putnam 2.51% Dafür
State Street 2.41% Unentschieden
Alliance Capital 2.34% Dafür
State Farm 2.14% Unentschieden
Vanguard Group 1.64% Unentschieden
Wellington Management 1.38% Unentschieden
Deutsche Asset Management 1.30% Unentschieden
Brandes 1.30% Dagegen
Davis Selected 1.17% Unentschieden
Fidelity 1.11% Unentschieden
Dodge Cox 1.10% Unentschieden
Smith Barney 0.91% Unentschieden
Mellon Bank 0.70% Unentschieden
Zurich Scudder 0.62% Unentschieden
Jennison Associates 0.56% Unentschieden
Calpers 0.39% Dagegen
New York State Teachers Retirement System 0.36% Dagegen
Victory Capital Management 0.36% Dagegen
Wells Fargo 0.34% Dagegen
Torray 0.33% Dagegen
Bank of America Capital Management* 0.31% Dagegen
New York Common Retirement Fund 0.29% Dagegen
Banc One Investment Advisors 0.26% Dafür
Florida State Board of Administration 0.22% Dafür
Dreman Value Management 0.21% Dagegen
Public Employees Retirement System of Ohio 0.21% Dagegen
State Teachers Retirement System of Ohio 0.20% Dafür
Federated Investors 0.16% Dafür
California State Teachers Retirement System 0.17% Dagegen
Pa. Public School Employees Retirement System 0.11% Dafür
State of Michigan Retirement System 0.08% Dagegen
Ontario Teachers Pension Plan Board 0.07% Dagegen
Colorado Public Employees Retirement Association 0.07% Dagegen
L Roy Papp Associates 0.04% Dafür
Chicago Asset Management 0.04% Dagegen
Fifth Third Investment Advisors 0.03% Dagegen
Matrix Asset Advisors 0.03% Dagegen
Bank of America Capital Management besitzt 53.6 Millionen Aktien (2.75 Prozent), kontrolliert jedoch nur die Stimmen von sechs Millionen Anteilen (0,31 Prozent). Quelle: Wall Street Journal; Stand: 18. März 2002

Verwandte Artikel