Kartellverfahren Microsoft will Journalisten aussperren
Washington - Einen entsprechenden Antrag hat das Unternehmen bei der Richterin Colleen Kollar-Kotelly gestellt, die den Fall betreut. In dem Schreiben sagte Microsoft, die neun gegen den Softwarekonzern klagenden Bundesstaaten seien mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit einverstanden.
Im Rahmen des Kartellverfahrens hatten ursprünglich das US-Justizministerium sowie 18 Bundesstaaten gegen Microsoft geklagt. Bisher hatten Vertreter der Presse, darunter Journalisten der "New York Times" sowie der Nachrichtenagentur Reuters, an den Zeugenvernehmungen teilgenommen und darüber berichtet. Der damals für das Verfahren verantwortliche Richter Thomas Penfield Jackson hatte den Journalisten die Teilnahme an den Verhandlungen gestattet, nachdem diese sich auf ein US-Gesetz aus dem Jahre 1913 berufen hatten. Das Gesetz sieht vor, dass die Öffentlichkeit bei Klagen zugelassen werden muss, die von der Bundesregierung initiiert werden.
Schaulauf der Gates-Hasser?
Inzwischen hat sich die Lage jedoch geändert. Die Bundesregierung und die Hälfte der klagenden Staaten haben sich vor einiger Zeit mit Microsoft geeinigt. Damit, argumentieren Microsofts Anwälte, gebe es keine Beteiligung des Bundes an dem Verfahren mehr, ergo sei es auch nicht länger erforderlich, die Öffentlichkeit teilnehmen zu lassen.
Dass sich Microsoft die Presse vom Hals schaffen möchte, ist aus Sicht des Konzerns nur zu verständlich. Denn die Zeugenanhörungen könnten zu einem großen Schaulaufen der Technologiebranche werden. Neben Microsoft-Chef Steve Ballmer sind führende Manager von Oracle, Sun Microsystems und AOL Time Warner geladen. Keines der genannten Unternehmen steht in dem Ruf, ein Freund von Microsoft zu sein. Zeugen wie Suns Chef Scott McNealy ("Ich bin Luke Skywalker und Microsoft ist der Todesstern") könnten aus dem Auftritt ein mediales Ereignis machen und versuchen, die eine oder andere offene Rechnung mit Microsoft zu begleichen.
Die Anwälte der "Washington Post" und "New York Times" erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, Berichterstatter zu der Befragung entsenden zu wollen.