KirchMedia: Börsengang vorerst abgesagt - DER SPIEGEL
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KirchMedia Börsengang vorerst abgesagt

Die hoch verschuldete KirchGruppe will ihre Kerngesellschaft KirchMedia vorerst nicht an die Börse bringen. Ganz verzichten kann Kirch-Manager Dieter Hahn aber nicht, denn er hat ein Versprechen abgegeben.
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München - "Auf diese Weise ist es uns möglich, die für die Sicherung einer soliden Finanzbasis der gesamten KirchGruppe notwendigen Entscheidungen zu treffen", sagte der designierte Chef der KirchMedia, Dieter Hahn. Die KirchMedia sollte ursprünglich im Juni durch eine Fusion mit dem bereits gelisteten ProSiebenSat.1-Konzern an die Börse gebracht werden. Wegen der finanziellen Probleme des Medienkonzerns und des schwachen Börsenumfeldes war in der Branche seit längerem damit gerechnet worden, dass Kirch die Fusion verschiebt. Hahn will aber nach wie vor an dem Ziel der Fusion festhalten, einen neuen Termin nannte er allerdings nicht.

"Man kann nichts im Leben ausschließen", sagte ein Sprecher von ProSiebenSat.1 auf die Frage, ob auch eine Absage der Fusion denkbar sei. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass die KirchGruppe bis spätestens 2003 an die Börse gebracht wird. Das war den außen stehenden Gesellschaftern von KirchMedia wie dem saudischen Prinzen Al Walid und Silvio Berlusconi fest versprochen worden. In Kirch-nahen Kreisen ist von einem Termin im Herbst die Rede.

Derzeit bereitet die KirchGruppe unter anderem den Verkauf ihrer Beteiligungen am Axel Springer Verlag und dem spanischen Fernsehsender Telecinco vor. Der Verkauf der Telecinco-Anteile stehe kurz vor dem Abschluss, hieß es. Auch die Verhandlungen der Banken über ein gemeinsames Rettungskonzept für den Medienkonzern kommen offenbar voran. "Die Gespräche sind auf gutem Weg", hieß es am Freitag in Finanzkreisen. Ein wichtiger Teil des Bankenkonzepts ist der Verkauf des Springer-Aktienpakets der KirchGruppe. Die HypoVereinsbank hatte Kirch dafür vor zwei Wochen 1,1 Milliarden Euro angeboten. Seit diesem Vorstoß von HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt arbeiten acht Gläubigerbanken an einer gemeinsamen Lösung für Kirch.

Insgesamt steht Kirch bei seinen Gläubigern mit mindestens sechs Milliarden Euro in der Schuld. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bei den Banken Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt rund sieben Milliarden Euro ermittelt. Ein Sprecher der Behörde sagte am Freitag in Bonn, diese Informationen stammten nicht vom Bundesamt.

Die KirchMedia ist das Herzstück der KirchGruppe. In der KirchMedia ist das profitable Kerngeschäft mit Film- und TV-Produktionen, Programmlizenzen und Sportrechtehandel gebündelt. Dazu gehören die Sender ProSieben, Sat.1, DSF und N24 sowie die Mehrheit an der Sportrechteagentur ISPR, die unter anderem die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga hält. Außerdem besitzt die KirchMedia die Übertragungsrechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Kern des Filmrechtehandels der KirchMedia sind eine 11.000 Titel umfassende Spielfilmbibliothek und 40.000 Stunden Fernsehserien.

Wegen des schwachen Fernseh-Werbemarktes hatte die KirchMedia im vergangenen Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang zu kämpfen. Bei einem Umsatz von rund 2,35 Milliarden Euro ging das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen (Ebita) in den ersten neun Monaten 2001 um neun Prozent auf rund 178 Millionen Euro zurück. Die Netto-Verschuldung der KirchMedia lag Ende September bei rund 2,2 Milliarden Euro.

Zu den Gesellschaftern der KirchMedia gehört neben der Taurus Holding (72,62 Prozent) auch Leo Kirchs Sohn Thomas Kirch (6,54 Prozent). Außerdem sind der TV-Konzern Mediaset von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (2,28 Prozent) sowie die Investmentgesellschaft Kingdom Holdings des saudischen Prinzen Al Walid (2,48 Prozent) und mehrere Finanzinvestoren beteiligt.