Konjunktur: Schlechte Nachrichten für Europa - DER SPIEGEL
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Konjunktur Schlechte Nachrichten für Europa

Nicht nur in Deutschland kränkelt die Konjunktur. In ganz Europa schaltet die Wirtschaft einen Gang zurück.
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Berlin - Für das erste Quartal dieses Jahres errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein Wachstum von zwei Prozent im gesamten Euro-Raum. Die tatsächliche Entwicklung liege damit deutlich unter den ursprünglichen Prognosen. Die Wissenschaftler erwarten, dass die Konjunktur noch weiter an Tempo verlieren werde. Die EU-Kommission rechnet hingegen immer noch mit 2,5 Prozent Zuwachs in Euroland.

Für die schlechte Lage sei aber nicht allein die Entwicklung in Deutschland verantwortlich, dem größten Wirtschaftsraum in Europa. Nach den Berechnungen des DIW verringert sich das Wachstum auch in anderen Ländern deutlich. So ging es in Frankreich von 2,5 Prozent auf 2 Prozent zurück, in den Niederlanden halbierte es sich sogar auf 1,2 Prozent.

Für den Mangel an Dynamik machte das DIW zum einen den beschleunigten Preisauftrieb auf Grund der gestiegenen Ölpreise, der Folgen der Tierseuchen sowie der weiteren Euro-Abwertung verantwortlich, der den privaten Haushalten Kaufkraft entzogen und die Investitionsneigung gehemmt habe. So hätten die Steuersenkungen, insbesondere in Deutschland, nicht den erwarteten kräftigen Schub beim privaten Konsum ausgelöst. Den Anstieg der Verbraucherpreise um 2,6 Prozent hält das DIW allerdings nur für einen vorübergehenden Schub, der sich bald wieder zurückbilden werde, sofern er nicht zu überhöhten Lohnzuwächsen führe.

Als weitere Bremse wurde die konjunkturelle Schwäche in den USA genannt, die zunehmend die Entwicklung in Europa belaste. Von der Auslandsnachfrage erwartet das Institut für den Rest des Jahres keine Wachstumsimpulse. Damit die Investitionstätigkeit wieder anzieht, wäre nach seiner Auffassung eine Stärkung des Vertrauens besonders in der Industrie erforderlich.

Nachdrücklich warnte das DIW davor, die öffentlichen Investitionen zurückzufahren. Ein Festhalten an den Zielen des EU-Stabilitätsprogramms würde die gesamtwirtschaftliche Nachfrage weiter abschwächen, hieß es. Weitere Ausgabenkürzungen in einer Abschwungphase wären kontraproduktiv. Stattdessen sollten die automatischen Stabilisatoren wirken, rieten die Wissenschaftler: Geringere Einnahmen und damit ein höheres Defizit könnten die Abschwächung abfedern. "Zur Stärkung der langfristigen Wachstumskräfte dürfen Ausgabenbegrenzungen auf keinen Fall zu Lasten der öffentlichen Investitionen gehen", warnten sie die Finanzpolitiker.