Lebensmittelskandal: Auch irisches Rindfleisch mit PCB verseucht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Lebensmittelskandal Auch irisches Rindfleisch mit PCB verseucht

Der Fleischskandal weitet sich aus: Außer irischen Schweinen sind auch Rinder mit dem krebserregenden Stoff PCB verseucht worden. Möglicherweise belastete Ware ist mittlerweile in vier Bundesländern aufgetaucht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dublin/Berlin - Neue Hiobsbotschaften im Fleischskandal: Wie der irische Agrarminister Brendan Smith mitteilte, ist auch Rindfleisch mit krebserregenden Polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht worden. In drei von elf überprüften Rinderherden seien zu hohe Werte des dioxinähnlichen Stoffes festgestellt worden. Für die Bevölkerung bestehe jedoch kein gesundheitliches Risiko, teilte Smith mit. Auch sollen die Rinderprodukte nicht vom Markt zurückgerufen werden.

Bereits am Montag hatte die EU-Kommission drauf hingewiesen, dass möglicherweise auch Rinder betroffen sind. PCB-belastetes Futtermittel sei aber in sehr viel geringeren Dosen an sie verfüttert worden als an Schweine, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou. Milchproduzierende Höfe seien nicht betroffen.

Irland hatte am Wochenende alle im eigenen Land hergestellten Schweinefleischprodukte aus Geschäften, Restaurants und Verarbeitungsbetrieben zurückgerufen, nachdem ein bis zu 200-fach erhöhter Wert eines dioxinähnlichen Gifts nachgewiesen worden war. Laut Europäischer Union wurde möglicherweise verseuchte Ware in 21 Länder exportiert, von denen zwölf EU-Mitgliedstaaten seien. Nach Deutschland sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rund 2000 Tonnen möglicherweise verseuchtes Fleisch gelangt.

Am Montag war bekannt geworden, dass das eventuell belastete irische Fleisch in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen verarbeitet worden ist. In Schleswig-Holstein stießen die Behörden eigenen Angaben zufolge mittlerweile auf 330 Tonnen Fleisch irischer Herkunft. Lebensmittelkontrolleure prüfen derzeit, welche Produkte aus den Regalen genommen werden müssen.

Am Dienstag stellten die Kontrolleure erstmals auch in Rheinland-Pfalz Fleisch sicher. Im Kreis Trier-Saarburg seien knapp 1,9 Tonnen teilweise bereits verarbeitetes Schweinefleisch irischer Herkunft gefunden worden, teilte das Verbraucherschutzministerium am Dienstag in Mainz mit. Die Ware werde derzeit untersucht.

Und auch auch Hessische Lebensmittelhändler haben vorsorglich rund 40 Tonnen Schweinefleisch aus Irland vom Markt genommen. Bislang sei unklar, ob es dioxinverseucht ist, teilte das Wiesbadener Umweltministerium am Dienstag mit. Die Tests dauerten etwa zwei Wochen.

Produkte aus irischem Schweinefleisch könnten noch in anderen Bundesländern auftauchen - je nachdem, wohin die Betriebe das Fleisch weiterverkaufen. Auch über Drittländer könnten weitere Produkte nach Deutschland gelangt sein.

Laut Verbraucherschützern ist die Gefahr für Konsumenten relativ gering. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sind gesundheitliche Schädigungen nur dann möglich, wenn jemand viel und lange belastetes Fleisch isst.

Die Europäische Kommission bestätigte einen Bericht irischer Behörden, nach dem eine Futtermittelfabrik in den Skandal verwickelt ist. Es handelt sich um einen Betrieb, der Bäckereiabfälle für Tierfutter verarbeitet. Bei dieser wird nun das Öl in einer Trockenmaschine überprüft. Das kontaminierte Futter wurde nach Angaben der irischen Behörden an zehn Schweine- und 38 Rinderzuchten in Irland sowie neun Schweinezuchten in Nordirland geliefert. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Schweinen aus, die notgeschlachtet werden sollen.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp