Lufthansa Schon 270 Flüge ausgefallen
Frankfurt am Main - Allein in Frankfurt wurden bis sieben Uhr 125 Verbindungen gestrichen. Das teilte Lufthansa-Sprecher Markus Rüdiger mit. In München und Nürnberg wurden 142 Flüge abgesagt, in der bayerischen Landeshauptstadt waren 13.800 Passagiere betroffen.
Die Lufthansa hofft auf Streikbrecher. "Der Notflugplan ist deutlich umfangreicher als am vergangenen Donnerstag. Dies deutet darauf hin, dass die Streikfront anfängt zu bröckeln", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty am frühen Donnerstagmorgen.
Die Fluggesellschaft will trotz des Streiks mindestens 140 Maschinen starten lassen, davon mehr als 20 nach Übersee. In Deutschland sollen Zubringer von Hamburg, Berlin und München nach Frankfurt pendeln. Reisenden auf innerdeutschen Verbindungen wurde - wie schon bei den vorangegangenen Streiks - geraten, auf die Bahn auszuweichen. Sie können mit dem Flugticket in Züge umsteigen. Flüge von Partnergesellschaften (Lufthansa CityLine, Team Lufthansa, Eurowings und der Star Alliance) seien vom Streik nicht betroffen.
Für ihre Kunden haben Lufthansa und die Ferienfluggesellschaft Condor Service-Telefonnummern eingerichtet. Die Lufthansa-Nummer lautet 0800/1009499 und die Condor-Servicenummer 0180/3100380.
Mit dem Ausstand wollen die Piloten die Konzernführung zu einer Erhöhung ihrer Gehälter um 24 Prozent zwingen. Die Vereinigung Cockpit rief 4200 Piloten und Copiloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Condor zum Streik bis Mitternacht auf.
Die Tarifgespräche waren am Mittwoch nach viertägigem Verhandlungsmarathon ergebnislos abgebrochen worden. Die Vereinigung Cockpit lehnte ein neues Angebot der Konzernleitung ab und warf der Lufthansa vor, «gezielt das Scheitern herbeigeführt» zu haben. Die Geschäftsleitung habe wieder kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt.
Die Lufthansa wies die Cockpit-Forderungen als "immer noch völlig unvorstellbar" zurück. Sie schlägt für 2001 eine Einkommensverbesserung von 10,6 Prozent im Grundgehalt sowie eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern vor. In den nächsten drei Jahren soll das Grundgehalt dann jeweils um den Durchschnitt der westdeutschen Tarifabschlüsse angehoben werden. Hinzu käme zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt innerhalb dieser Laufzeit ein Aufschlag von drei Prozent.
Cockpit konkretisierte die ursprüngliche Forderung von durchschnittlich mehr als 30 Prozent und verlangt inzwischen zusätzlich zu der linearen Gehaltssteigerung um 24 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr einer Ergebnis abhängigen variablen Vergütung.
Der erneute Streik stößt bei Leitenden Lufthansa-Angestellten auf heftige Kritik. "Das bisherige Verhalten der Vereinigung Cockpit gefährdet in hohem Maß die Zukunftsfähigkeit des Lufthansa Konzerns", heißt es am Mittwochabend vom Konzernsprecherausschuss der leitenden Angestellten. Cockpit provoziere einen unberechenbaren internen Verteilungskampf unter Ausnutzung machtpolitischer Instrumente, erklärten die rund 600 in den Ausschuss organisierten leitenden Angestellten von Lufthansa AG, Lufthansa Cargo AG, Lufthansa Technik AG und der Condor Flugdienst GmbH.
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Kritik gab es auch von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). Der Minister sagte der "Abendzeitung" (München), Tarifautonomie sei ein hohes Gut. Sie habe in Deutschland vor allem deswegen gut funktioniert, weil die Partner stets vernünftige Lösungen angestrebt hätten. "Es wäre gut und wichtig, wenn das auch jetzt in der aktuellen Auseinandersetzung möglich wäre", sagte der Minister.
Beim ersten ganztägigen Pilotenstreik am vergangenen Donnerstag waren mehr als 900 Flüge ausgefallen, rund 114.000 Passagiere waren davon betroffen. Der Lufthansa entstand ein Schaden von 50 Millionen Mark. Der erste Streik in der Tarifauseinandersetzung am 4. Mai hatte zwölf Stunden gedauert.