Maut-Start: Spediteure lassen Toll Collect hängen - DER SPIEGEL
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Maut-Start Spediteure lassen Toll Collect hängen

Der Maut-Betreiber Toll Collect ist sich nun sicher, dass sein System zum Jahreswechsel startklar ist. Weil die Spediteure aber bisher viel zu wenig mobile Erfassungsgeräte bestellt haben, ist das nächste Chaos absehbar.
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Berlin - Kaum sind die technischen Pannen behoben, schon rollt das nächste Problem auf das Maut-Konsortium Toll-Collect zu. Drei Monate vor dem geplanten Start will plötzlich kaum noch ein Spediteur die so genanten On-Board-Units (Obus) einbauen lassen. Toll-Collect-Chef Christoph Bellmer spricht bereits von einem extremen "Abriss" bei den Bestellungen.

Pro Woche gehen Bellmer zufolge etwa 2000 Bestellungen ein, 25.000 bis 30.000 wären seiner Ansicht nach nötig. Insgesamt sind nämlich bisher erst 45.000 Obus eingebaut und rund 100.000 bestellt. Für ein reibungsloses Abwickeln der Maut hat Toll Collect sich bisher zum Ziel gesetzt, dass von Beginn an 400.000 bis 500.000 Erfassungsgeräte in den Lkw eingebaut sind.

Die Obus erfassen die gefahrenen Autobahnkilometer automatisch und übermitteln die Abrechnungsdaten dann an den Zentralrechner. Alternativ dazu können Lkw-Fahrer ihre Strecken im Internet oder an 3500 Terminals auf Rastplätzen und Tankstellen einbuchen. Bei einer hohen Zahl dieser manuellen Abrechnungsvorgänge wird es Toll Collect zufolge im Lkw-Verkehr zu massiven Verzögerungen durch Stopps, Parkplatznot und das Anstellen am Automaten kommen.

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr und Logistik (BGL), Karlheinz Schmidt, begründete die Zurückhaltung der Spediteure mit den schlechten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Er wolle erst Resultate sehen. Allerdings empfahl auch er den Speditionen, die Obus jetzt zu bestellen und nicht länger zu warten.

Während die beiden großen Toll-Collect-Muttergesellschaften DaimlerChrysler, Deutsche Telekom sowie die französische Cofiroute bei Vertragsschluss 2002 mit Investitionen von rund 500 Millionen Euro gerechnet hatten, haben sich die Kosten unter anderem durch die Verzögerung mehr als verdoppelt. Bellmer sprach von Investitionen von "weit über einer Milliarde Euro". Zudem sind dem Konsortium monatlich Einnahmen von etwa 50 Millionen Euro entgangen. Die Telekom hatte erklärt, sie werde mit der Maut-Erfassung während der Vertragslaufzeit von zwölf Jahren nun kein Geld mehr verdienen.

In die schwarzen Zahlen kann das System Bellmer zufolge allerdings kommen, wenn in anderen Ländern Mautsysteme errichtet werden. Hier seien bereits erste Anfragen unterwegs. Die britische Regierung habe internationale Konzerne um Vorschläge gebeten - darunter auch die Toll-Collect-Betreiber Telekom und DaimlerChrysler.

Der Bund musste wegen der Verspätung auf etwa drei Milliarden Euro verzichten, wovon nur etwa 180 Millionen Euro durch Strafzahlungen ausgeglichen werden. Allerdings will der Bund Entschädigungen von rund 3,7 Milliarden Euro gegen Toll Collect vor einem Schiedsgericht durchsetzen.