Medien WAZ bezeichnet Springer-Chef als Gesetzesbrecher
Essen/Hamburg - "Es ist sehr leichtfertig, wenn Vorstände es rundheraus ablehnen, eine Möglichkeit auszuloten, die die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens verbessern kann", sagte Lutz Glandt, einer von vier gleichberechtigten Geschäftsführern der WAZ, der "Financial Times Deutschland" (FTD). Glandt warf dem Springer-Vorstand vor, damit gesetzwidrig zu handeln: "Das Aktiengesetz verbietet dem Vorstand, eine Option nicht zu prüfen, die den Unternehmenswert erhöhen kann. Das missachtet die freien Aktionäre."
Damit äußert sich die WAZ-Führung erstmals zu dem Widerstand, den Springer-Chef Mathias Döpfner und seine Medien einem Minderheitseigner WAZ entgegensetzen. Ob die WAZ das 40-Prozent-Paket an Springer von dem Münchner Medienunternehmer Leo Kirch kauft, hängt laut Unternehmenskreisen von dem Ergebnis einer juristischen Prüfung ab. Die WAZ-Gruppe habe Rechtsexperten beauftragt, die kartellrechtlichen Chancen eines Einstiegs bei Springer zu bewerten, so die "FTD".
Zweite Klasse ins Ruhrgebiet
Zudem werde geprüft, inwiefern die Vinkulierung der Aktien umgangen werden könne. Diese gibt Springer ein Mitspracherecht bei der Auswahl seiner Aktionäre. WAZ-Chef Glandt sagte zu den Prüfungen nur: "Wir werden als Geschäftsführung den Gesellschaftern nichts empfehlen, was für den Bestand des Unternehmens nicht gut ist."
"Wir arbeiten an Modellen, publizistische und wirtschaftliche Verantwortung zu trennen", sagte Glandt zu Befürchtungen von Chefredakteuren der Springer-Zeitungen, der Essener Konzern wolle Einfluss nehmen. "Wir möchten alle Springer-Chefredakteure einladen, mit dem Zug in der zweiten Klasse auf unsere Kosten nach Essen zu fahren und sich von unseren Chefredakteuren anzuhören, wie unabhängig sie vom Einfluss des Verlages arbeiten." Glandt weiter: "Es ist ein Witz, davon zu sprechen, dass wir ein roter Verlag wären. Wenn man auf die Farbe unserer Geschäftszahlen sieht, sind wir sogar seit 1948 ein schwarzer Verlag."
Axel Springers Enkel gegen WAZ-Beteiligung
Axel Sven Springer lehnt einen Einstieg der WAZ bei Springer ab. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" sagte der Enkel des Verlagsgründers, die beiden Verlage passten nicht zueinander. Diese Aussage mache eine mehrheitliche Übernahme des Springer-Verlags durch die WAZ-Gruppe unwahrscheinlicher, schreibt die Zeitung. Sollten Axel Sven Springer und seine Schwester Ariane mit der Witwe des Verlegers und erklärten WAZ-Gegnerin, Friede Springer, an einem Strang ziehen, würden sie zusammen die Mehrheit an dem Verlag behalten.