Meilenexperte im Interview "Geschäftliches und Privates lässt sich trennen"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Bhagwanani, wer sind neben den Bundestagsabgeordneten die Hauptnutzer von Vielfliegerprogrammen?
Ravindra Bhagwanani: Das sind vor allem Geschäftsreisende. Die meisten Vielflieger sind ganz klar in der Privatwirtschaft auf der Führungsebene angesiedelt.
SPIEGEL ONLINE: Ist es in großen Unternehmen üblich, die Meilenkonten der Mitarbeiter zu verwalten?
Ravindra Bhagwanani: Die Hälfte der 500 deutschen Topunternehmen hat interne Richtlinien, laut denen Bonusmeilen dienstlich zu nutzen sind. Aber in der Praxis setzt das nur ein geringer Teil dieser Firmen auch um.
SPIEGEL ONLINE: Geht Unternehmen, die ihre Mitarbeitermeilen nicht managen, eigentlich Geld verloren?
Ravindra Bhagwanani: Oh ja. Wenn man die verschiedenen angebotenen Programme richtig analysiert, kann man bis zu zehn Prozent der Kosten einsparen. Abzüglich der Verwaltungsaufwendungen von maximal zwei, drei Prozent, bleibt da unter dem Strich ordentlich was in der Kasse.
SPIEGEL ONLINE: Wie genau kann ein Unternehmen denn Geld sparen?
Ravindra Bhagwanani: Wir sagen: Überlegt euch im Vorfeld, mit welchen Airlines ihr zusammenarbeitet. Es gibt 120 unterschiedliche Programme, die zu einem großen Teil untereinander vernetzt sind. Sie können heute mit der Lufthansa reisen und haben eine Auswahl von 17 verschiedenen Programmen, wo sie sich ihre Meilen gutschreiben lassen können. Sie könnten also von Frankfurt am Main nach Hamburg fliegen, sich die Meilen aber dann im Programm von Air Canada gutschreiben lassen statt bei "Miles & More". Wenn Sie das richtig machen, kommen sie schneller an Freiflüge oder den begehrten Elite-Status.
SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Gefahr, dass Mitarbeiter nicht den günstigsten Flug buchen, weil sie ein bestimmtes Meilenkonto füllen wollen?
Ravindra Bhagwanani: Recht groß. Vielleicht hat ein Unternehmen einen Vertrag mit Air France, die Leute fliegen aber mit "Miles & More" von Lufthansa. Das kann zu erheblichen Mehrkosten führen.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht es eigentlich steuerlich aus?
Ravindra Bhagwanani: Meilen sind ein geldwerter Vorteil. Lufthansa-Meilen sind bis etwa 1200 Euro jährlich pauschal versteuert. Bei ausländischen Airlines ist die Lage unklar, weil der Kunde ja ein Abkommen mit einer ausländischen Gesellschaft hat.
SPIEGEL ONLINE: Und aus Unternehmenssicht?
Ravindra Bhagwanani: Das Unternehmen ist rechtlich gesehen aus dem Schneider, wenn es in seinen internen Richtlinien darauf hinweist, dass bei einer privaten Nutzung der Meilen für die korrekte Versteuerung der Reisende zuständig ist.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht können Sie noch ein Rätsel für uns aufklären: Die Lufthansa sagt, man könne auch eine private und ein geschäftliche "Miles & More"-Karte führen, um Probleme à la Gysi oder Özdemir zu vermeiden. Bundestagspräsident Thierse sagt hingegen, das ginge nicht.
Ravindra Bhagwanani: Ich zitiere aus den "Miles & More"-Teilnahmebedingungen der Lufthansa: "Pro Person darf nur ein Konto eröffnet werden." Allerdings: Wenn Sie ein vernünftiges Travel Management haben, können sie Privates und Geschäftliches relativ einfach trennen. An der Begrenzung auf eine Karte scheitert das nicht.
Das Interview führte Thomas Hillenbrand