MobilCom: 5000 Arbeitsplätze in akuter Gefahr - DER SPIEGEL
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MobilCom 5000 Arbeitsplätze in akuter Gefahr

Der Kurs der Aktie bricht weg, der Betriebsrat startet verzweifelte Appelle. Einen Tag vor der Entscheidung über die Zukunft des Mobilfunkanbieters MobilCom deuten Medien- und Börsengerüchte auf eine bevorstehende Insolvenz des Unternehmens hin.
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Büdelsdorf/Paris - Auslöser der neuen Existenzangst der MobilCom-Mitarbeiter ist ein Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro". Diese hatte gemeldet, France-Télécom-Chef Michel Bon habe die Pariser Regierung überzeugen können, die teure deutsche Beteiligung fallen zu lassen. Dem trat MobilCom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid umgehend entgegen: Die Meldung sei falsch und France Télécom erfülle nach wie vor ihre Verpflichtungen gegenüber MobilCom. Um dies zu belegen, verteilte er am Mittwoch Fotokopien von Dokumenten. Demnach haben die Franzosen gerade noch 30 Millionen Euro nach Büdelsdorf überwiesen. "Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will", sagte Schmid.

Auch MobilCom-Vorstand und Aufsichtsrat meldeten sich zu Wort: Man gehe davon aus, dass die Partnerschaft mit der France Télécom fortdauern werde, heißt es in einer eilig verbreiteten Pressemitteilung des Unternehmens. Für eventuelle Absetzbewegungen seitens des Partners habe man keinerlei Anhaltspunkte. Gleichzeitig weist man auf mögliche Schadenersatzforderungen hin, falls die Franzosen ihre Vertragsverpflichtungen nicht erfüllen würden.

Dennoch führte der Zeitungsbericht an der Frankfurter Börse zu einem Ausverkauf von MobilCom-Aktien. Die Papiere büßten zeitweise mehr als 65 Prozent ihres Börsenwerts ein und notierten am Nachmittag auf einem historischen Tiefstand von 1,55 Euro. MobilCom gehörte an den deutschen Börsen zu den am meisten gehandelten Aktien. Das seit März 1997 am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte Mitte 2000 bei einem Allzeithoch von 144 Euro einen Börsenwert von 6,4 Milliarden Euro. Derzeit wird das Unternehmen noch mit rund 86 Millionen Euro bewertet.

Ein Aktienhändler sagte, am Markt werde nun mit einer Insolvenz von MobilCom gerechnet, die Ängste bestünden bereits seit längerer Zeit. SES-Research-Analyst Klaus Baumann prognostizierte, MobilCom werde "auf jeden Fall" insolvent, falls sich France Télécom zurückziehe. Die Titel des französischen Konzerns drehten im Handelsverlauf gegen den Markttrend ebenfalls ins Minus und wurden mit einem Abschlag von drei Prozent bei 10,42 Euro gehandelt. Die Unternehmensanleihen des Konzerns zogen hingegen deutlich an, da ein Rückzug aus dem deutschen Markt eine Entlastung der Bilanz bedeuten würde.

Am Mittwoch wandten sich deutsche Gewerkschaftsvertreter und der Betriebsrat von MobilCom mit einem Appell an die französischen Arbeitnehmervertreter. "Uns ist klar, dass die MobilCom-Gruppe für France Télécom auf Grund der angespannten Finanzsituation nicht zu einem Fass ohne Boden werden darf. Auf der anderen Seite möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass ein Konkurs der Firmen zu unabsehbaren Folgen für die 5000 Mitarbeiter führen würde", hieß es in dem Schreiben. Ein Drittel des Verwaltungsrats von France Télécom ist mit Arbeitnehmervertretern besetzt.

Dennoch weiß niemand wirklich, was der Verwaltungsrat der France Télécom am Donnerstag in Paris beschließen wird. Fest steht nur, dass der französische Konzern nach der Sitzung, die erst am späten Nachmittag beginnt, eine Lösung für das MobilCom-Problem präsentieren will. Die 2500 Beschäftigten der MobilCom-Hauptverwaltung haben für Donnerstag in Büdelsdorf zu einer Demonstration und Kundgebung aufgerufen. Uhrzeit: Eine Minute vor Zwölf, unmittelbar vor der Verwaltungsratssitzung in Paris.

Falls France Télécom der nun schon seit Jahresbeginn dauernden Hängepartie ein Ende bereitet, entscheidet sich auch das Schicksal von Michel Bon. Während man in Paris in den letzten Tagen nur noch darüber spekulierte, wer den Mann aus Grenoble ablösen werde, könnte sich Bon laut "Figaro" halten, sollte das Ausstiegsszenario Wirklichkeit werden.