Ölpreis-Depression US-Börsen erneut im Minus
New York - Große Verunsicherung bei den Anlegern in den USA: Die Börsen gerieten auch heute wieder in Turbulenzen - nachdem es schon gestern zu drastischen Kursverlusten gekommen war. Der Dow Jones notierte nach aufgeregtem Handel und zeitweise starken Verlusten am Ende bei 13.266 Punkten - ein Minus von 0,3 Prozent. Der breiter gefasste Index S&P 500 schloss bei 1475 Punkten, 0,1 Prozent weniger als gestern. Am stärksten fielen die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq : Bei 2696 Punkten betrug das Minus 1,9 Prozent.
Die große Sorge der Anleger ist weiter, dass die Kreditmarktkrise die Ausgaben der Unternehmen mindern könnte. Auslöser der Turbulenzen war heute eine Meldung des Netzwerkherstellers Cisco . Das Unternehmen legte zwar solide Zahlen vor, sprach jedoch von "dramatischen Rückgängen" bei den Aufträgen. Vor allem Finanzinstitute halten sich mit der Order-Vergabe zurück - eine Folge der Kreditkrise.
Auch der Kurs der Investmentbank Merrill Lynch stürzte ab, nachdem weitere Milliarden-Engagements in Immobilien-Papiere enthüllt worden waren. Das Übernahmeangebot des Bergbaugiganten BHP Billiton an seinen Rivalen Rio Tinto stützte die Märkte. BHP bietet rund 140 Milliarden Dollar.
Endgültig drückte dann Notenbankchef Ben Bernanke die Stimmung: Das Wachstum der US-Wirtschaft werde sich verlangsamen, sagte er und warnte vor einem Anstieg der Inflation.
Auch der anhaltend hohe Ölpreis drückte auf die Aktienkurse. Die Notierungen an den Rohstoffbörsen sanken heute zwar leicht - die Marke von 100 Dollar pro Fass bleibt aber in Sichtweite. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte US-Präsident George W. Bush heute auf, wegen der Rekordstände beim Ölpreis die Not-Reserven der Vereinigten Staaten anzuzapfen. Damit würde ein wichtiges Signal an den Markt gesendet und es könnten Sorgen über eventuelle Lieferengpässe zerstreut werden, erklärte die Senatorin auf ihrer Internetseite.
Der US-Ölpreis hatte gestern einen neuen Höchststand von 98,62 Dollar markiert. Heute lag er bei 96,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Für ein Fass der Nordseesorte Brent mussten 93,82 Dollar gezahlt werden. Die Bush-Regierung hat wiederholt betont, dass die Not-Reserven der USA nur im Falle von größeren Lieferproblemen angetastet würden - nicht aber, um den Preis für den Energierohstoff zu beeinflussen.
Entspannter ist die Stimmung an der deutschen Börse. Der Frankfurter Leitindex Dax schloss bei 7819 Punkten rund 0,3 Prozent im Plus. Vor allem die Postbank zog den Index nach oben: Wegen Übernahmegerüchten gewann das Papier 12,74 Prozent hinzu. Zeitweise stiegen Postbank-Aktien sogar um 19 Prozent. Auch Siemens konnte nach Vorlage seiner Jahresbilanz mit einem Plus von 8,27 Prozent glänzen - obwohl das Unternehmen auch dubiose Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro einräumte.
wal/AP/Reuters