Piloten-Streik Tausend Flüge sollen ausfallen
Frankfurt am Main - Vom zweiten Pilotenausstand innerhalb von sieben Tagen sind laut Vereinigung Cockpit erneut die Lufthansa, die Ferienfluggesellschaft Condor sowie die Frachttochter Lufthansa Cargo betroffen. Die Pilotengewerkschaft erwartet insgesamt annähernd tausend Flugausfälle, es drohen stundenlange Verspätungen. Nach Schätzung der Lufthansa sollen nur 500 von rund 1100 Passagierflügen ausfallen. Erst am vergangenen Freitag waren bei einem zwölfstündigen Streik mehr als 300 Maschinen am Boden geblieben.
Mit dem härtesten Arbeitskampf in der Firmengeschichte will die Vereinigung Cockpit nach der ergebnislosen Unterbrechung der Tarifgespräche in der Nacht zu Mittwoch ihre Forderung nach Einkommenssteigerungen von im Schnitt mehr als 30 Prozent durchsetzen. Die Lufthansa befürchtet durch den ganztätigen Streik einen Schaden von mindestens 50 Millionen Mark.
Die Lufthansa kündigte an, das Chaos so gering wie möglich halten zu wollen und setzt für einen Notflugplan etwa 80 Management-Piloten ein. Sie sind normalerweise für Sonderaufgaben - etwa in Verwaltung oder Technik - zuständig und nicht an die Vereinigung Cockpit gebunden. Innerhalb Deutschlands werde ein Pendelverkehr von Berlin, Hamburg und München nach Frankfurt mit einigen Maschinen aufrechterhalten. Von Frankfurt aus sollen mehrere europäische und interkontinentale Ziele erreicht werden. Verbindungen mit Lufthansa-Flugnummern von Partnern der Star Alliance oder etwa Eurowings seien vom Streik nicht betroffen, hieß es.
Reisende innerdeutscher Verbindungen wurden aufgerufen, in Züge umzusteigen. Die Bahn will dafür bundesweit acht bis zehn Sonderzüge in Bereitschaft halten, die schnell einsetzbar wären. Condor habe am Mittwoch etwa 2000 Kunden angerufen, für Donnerstag geplante Flüge auf Mittwochabend vorzuziehen, hieß es. Langstreckenflüge etwa nach Dakar sollen stattfinden. Der Flugplan von Lufthansa Cargo solle erfüllt werden.
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Die Tarifgespräche für die 4200 Piloten und Copiloten waren in der Nacht zu Mittwoch ausgesetzt worden, ohne dass ein neuer Termin vereinbart wurde. "Das Angebot der Lufthansa und unsere Forderung sind riesenweit voneinander entfernt", sagte Rüdiger Fach, Mitglied der Cockpit-Tarifkommission. Anscheinend habe die Lufthansa erst spät erkannt, wie ernst die Forderungen seien. "Es ist noch nicht abzusehen, wo wir uns treffen können." Das Angebot der Geschäftsleitung nannte Cockpit völlig unzureichend. Es entspreche über die vorgeschlagene Laufzeit von vier Jahren einer Erhöhung der Festvergütung um etwa zwei Prozent.
Die Lufthansa hatte zuletzt für dieses Jahr eine Steigerung von durchschnittlich 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern angeboten. Beide Bestandteile zusammengenommen, entspräche dies laut Lufthansa einem Einkommensplus zwischen 22 und 36 Prozent für 2001. In den kommenden drei Jahren sollten die Grundbezüge dann in Höhe der Inflationsrate steigen, hinzu käme je nach Geschäftsentwicklung eine variable Komponente von bis zu zwei Gehältern. Dieses Angebot würde die Personalkosten internen Berechnungen zufolge für 2001 um 200 Millionen Mark erhöhen. Die Kosten für das Cockpitpersonal werden derzeit auf etwa eine Milliarde Mark beziffert.
Beide Seiten äußerten sich weiter gesprächsbereit. Lufthansa bekräftigte, es sei ein bedeutend verbessertes Angebot gemacht worden, das ein Aussetzen des Streiks gerechtfertigt hätte. Der Arbeitskampf richte nachhaltigen Schaden an. Bereits jetzt lägen die Ticket-Buchungen unter den Vorjahreszahlen, da Passagiere verunsichert seien.