Psycho? Logisch! Wie Sie Chefs Liebling werden
Gehaltserhöhung, Beförderung, Einzelbüro - manche Kollegen bekommen vom Chef, was sie wollen. Aus einem einfachen Grund: Der Chef mag sie. Natürlich würde er nie zugeben, dass er sich von Sympathien leiten lässt - doch genau das ist wissenschaftlich gut bewiesen.
Bei der Arbeit und im sonstigen Leben gilt die klare Regel: Wer Sie mag, der hilft Ihnen.
Damit der Chef Sie mag, brauchen Sie ihm weder in der Mittagspause die Schultern zu massieren, noch ihm Komplimente für sein - äh, ausgefallenes - After Shave zu machen.
Das menschliche Gehirn tickt viel einfacher: Es ist faul. Deshalb liebt es alles, was ihm vertraut ist. Unbekanntes ist ihm zu anstrengend. So werden uns Menschen allein dadurch sympathischer, dass wir sie öfter sehen. Ganz automatisch. Denn das macht sie uns vertrauter und steigert die "Verarbeitungsflüssigkeit" im Kopf - in der Psychologie ist das Phänomen bekannt als "Effekt der bloßen Darstellung".
Folgendes Experiment belegt den Effekt: Man schleust Lockvögel in eine Vorlesung ein. Sie reden mit niemandem, beteiligen sich nicht am Unterricht, sitzen einfach nur da. Unterschiedliche Lockvögel nehmen unterschiedlich oft an der Vorlesung teil - zwischen 0 und 15 Mal. Hinterher zeigt man den "echten" Studierenden Fotos der Lockvögel und fragt sie, wie sympathisch sie die abgebildete Person jeweils finden. Das Ergebnis: Je öfter ein Lockvogel einfach nur anwesend war, desto sympathischer und attraktiver erscheint er den anderen.
Seien Sie dabei!
Fragt Ihr Chef also mittags "Wer kommt mit in die Kantine?", dann reihen Sie sich mal nicht bei denen ein, die schnell murmeln: "Oh, ich muss leider kurz was in der Stadt erledigen, beim nächsten Mal gerne." Oder die sich gleich wortlos hinter ihrem Bildschirm verstecken. Seien Sie dabei! Machen Sie morgens nicht den Umweg durchs halbe Gebäude, um Ihrem Chef nicht zu begegnen. Gehen Sie an seinem Büro vorbei und sagen Sie kurz hallo. Nehmen Sie an der Sitzung mit dem Chef teil, auch wenn die inhaltlich total überflüssig ist.
Das gilt auch für die Chefin Ihres Chefs - die Sie vielleicht bisher noch gar nicht persönlich kennt, die aber mal ein Wörtchen mitreden wird, wenn es um Ihre Beförderung geht. Auch bei ihr können Sie jetzt schon Sympathiepunkte sammeln, indem Sie ihr möglichst oft begegnen, zum Beispiel auf dem Flur oder in der Kantinenschlange. Kommt dann der Zeitpunkt X, wird sie Sie bereits heiß und innig lieben - ohne dass Sie ihr bis dahin persönlich vorgestellt worden sind.
Wichtig ist, dass die erste Begegnung wenigstens neutral war. Konnten Sie sich also schon beim Vorstellungsgespräch nicht ausstehen, dann verstärkt der "Effekt der bloßen Darstellung" die Abneigung nur noch weiter. Aber dann werden Sie den Job ohnehin nicht gewollt und vermutlich auch nicht bekommen haben.
Denken Sie auch privat an den "Effekt der bloßen Darstellung": Setzen Sie nicht allzu sehr auf die Liebe auf den ersten Blick. Viele daten sich durch ihr Leben und hoffen vergeblich auf den großen "Bang" beim ersten Treffen. Sind Sie sich auf den ersten Blick nicht richtig unsympathisch, dann riskieren Sie ruhig noch ein paar weitere Blicke und schauen Sie, wie sich die Sache entwickelt…
Nächste Folge der Serie:
Der "Bumerang-Effekt": So motivieren Sie faule Kollegen