Verbot geplant Mogelpackungen sollen aus dem Supermarkt verbannt werden
Supermarkt in Hamburg: »Hier werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre geführt«, sagt Umweltministerin Lemke über Mogelpackungen
Foto: Lars Berg / IMAGOIn Zeiten grassierender Inflation sind sie besonders oft zu finden: versteckte Preiserhöhungen im Einzelhandel durch Mogelpackungen. »Mogelpackungen sind ein großes Ärgernis, hier werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre geführt«, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) dem »Handelsblatt «. »Dem möchte ich einen Riegel vorschieben.« Entsprechende Vorgaben solle es im Rahmen der Novellierung des Verpackungsgesetzes geben.
Künftig soll laut Lemke klar geregelt werden, »dass gleichbleibend große Verpackungen bei verringertem Inhalt unzulässig sind«. Das gelte auch, wenn der Inhalt gleich bleibe und die Verpackung vergrößert werde. »Solche Praktiken sind sowohl aus Sicht des Verbraucherschutzes als auch aus Sicht der Abfallvermeidung problematisch«, betonte Lemke.
Ein Gesetzentwurf durchlaufe derzeit die regierungsinterne Ressortabstimmung. Der SPD-Verbraucherpolitiker Carsten Träger nannte die angestrebte Gesetzesänderung einen »notwendigen Schritt für den Umwelt- und Verbraucherschutz«. Es werde klargestellt, »dass weniger Füllmenge bei gleicher Verpackungsgröße unzulässig ist«, sagte Träger dem »Handelsblatt«.
Die FDP-Verbraucherpolitikerin Katharina Willkomm stellte sich gegen die Gesetzespläne des Koalitionspartners. »In einer freien Marktwirtschaft steht es Herstellern frei, den Preis für ihre Ware und die Größe der Verpackung zu bestimmen oder beides zu ändern«, sagte Willkomm dem »Handelsblatt«. »Ein gesetzliches Schrumpfungsverbot braucht es nicht.«
Außerdem finde eine ausreichende Sozialkontrolle durch Negativpreise wie die »Mogelpackung des Jahres« der Verbraucherzentralen statt, sagte die FDP-Politikerin. »Verbraucher, die sich vom Produkt verschaukelt fühlen, sollten beim nächsten Einkauf konsequent die Marke wechseln.«
»Shrinkflation«
Die Verbraucherzentrale Hamburg und die Stiftung Warentest hatten vor einigen Wochen auf eine starke Zunahme von Mogelpackungen aufmerksam gemacht und einige Beispiele genannt. So schrumpfte die Packung Kakaopulver »Suchard Express« von 500 auf 400 Gramm und ist damit 25 Prozent teurer. Beim Duschgel »Duschdas Sport« wurde bei geringerem Inhalt sogar der Packungspreis angehoben – insgesamt verteuerte sich das Produkt den Angaben zufolge um 22 Prozent.
Versteckte Preiserhöhungen fallen unter den Begriff Shrinkflation. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Wort »shrink« für Schrumpfen und Inflation. Die Zeitschrift »test« nannte zuletzt weitere Shrinkflation-Beispiele .
Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angaben zur Verteuerung von »Duschdas Sport« nachträglich konkretisiert. Diese kommt nach Angaben der Verbraucherschützer zustande durch eine Kombination aus weniger Inhalt sowie einem höheren Verpackungspreis.