Psycho? Logisch! So bringen Sie Faulpelze auf Trab
Manche Kollegen betreiben schon recht früh Altersvorsorge - ab Anfang 30 fahren sie ihre Leistung kontinuierlich zurück, damit sie im Ruhestand nicht in ein großes Loch fallen. Die Arbeit, die die Kollegen liegenlassen, bleibt dann an anderen hängen. Zum Beispiel an Ihnen. Und je mehr Sie sich darüber aufregen, je mehr Leistung Sie von den anderen einfordern - desto mehr ziehen sich die anderen zurück. Chefs kennen das besonders gut.
Aber warum ist das eigentlich so? Warum sind die Kollegen umso fauler, je mehr man sie ermahnt? Diesen "Bumerang-Effekt" können wir erklären, wenn wir uns an unsere Kindheit erinnern. Was war denn da Ihre Lieblingsbeschäftigung? Das, was Ihre Mutter ständig von Ihnen verlangte? Zimmer aufräumen, Spinat runterwürgen, Hausaufgaben machen? Oder doch eher die Sachen, die sie Ihnen verboten hatte: den Soft-Porno im Fernsehen, im neuen Auto in der Garage "Raumschiff" spielen, mit den älteren Freunden rauchen und trinken?
Richtig. Das Verbotene. Aber warum sind eigentlich gerade die verbotenen Früchte so reizvoll?
In der Psychologie spricht man von Reaktanz: Sie ist die Folge von Druck, ein Auflehnen gegen Einschränkungen - wenn uns jemand etwas wegnehmen will, uns etwas verbietet oder etwas von uns verlangt. Wir führen dann die verbotenen Handlungen weiterhin oder sogar erst recht aus und unterlassen die erwünschten. So möchten wir unsere Freiheit zurückerobern.
Die Reaktanz-Theorie wurde in vielen Experimenten belegt. So bewerten zum Beispiel Probanden einen unterbrochenen Film besser, wenn er angeblich nicht mehr fortgesetzt werden kann, als wenn sie ihn nach einer Unterbrechung zu Ende schauen dürfen.
Kommen Ihre Wünsche also wie ein Bumerang zu Ihnen zurück, dann wechseln Sie doch mal die Strategie und arbeiten mit einer "paradoxen Intervention". Signalisieren Sie zum Beispiel dem faulen Kollegen oder Mitarbeiter: "Lass mal gut sein, ich brauche dich gar nicht. Vielleicht ist das bei der neuen Kollegin viel besser aufgehoben. Surf' du lieber weiterhin im Internet …". Oder bestehen Sie darauf, dass Sie selbst auf weiter Flur sowieso der einzig kompetente Mensch sind, der die Aufgabe bewältigen kann. Ihre Kollegen werden sich dadurch gewaltig in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und Ihnen vor lauter Reaktanz plötzlich die tollsten Arbeitsergebnisse unter die Nase halten.
Und umgekehrt: Sie würden gern das neue Projekt leiten, doch der Chef ziert sich noch, es Ihnen anzuvertrauen? Dann machen Sie deutlich "Sooo wichtig ist mir das gar nicht. Belästigen Sie mich bitte nicht mit zusätzlicher Arbeit. Ich mache lieber pünktlich Feierabend."
Den Reaktanz-Effekt können Sie auch im Privaten nutzen. Wenn Ihnen Ihre Kinder mal wieder auf der Nase herumtanzen, wenn Ihr Partner lieber faul auf der Couch dümpeln will, statt mit Ihnen auf die Piste zu gehen: Erobern Sie sich Ihre Freiheit zurück, indem Sie die anderen vermeintlich in deren Freiheit einschränken. "Verbieten" Sie Ihren Kindern, die Spülmaschine auszuräumen. Oder "drängen" Sie Ihren Partner dazu, auf keinen Fall die Couch zu verlassen.
Nächste Folge der Serie:
Der "Bumerang-Effekt": So motivieren Sie faule Kollegen