Union und SPD wollen Managergehälter begrenzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Koalitionsgespräche Union und SPD wollen Managergehälter begrenzen

Die Schweiz macht es vor, nun soll es auch in Deutschland strengere Regeln für Managergehälter geben. Der Plan von Union und SPD: Aufsichtsräte sollen künftig festlegen, wie viel mehr ein Vorstand im Vergleich zum Durchschnittseinkommen verdienen soll.
Plakat der 1:12-Initiative: Schweizer stimmen über Lohngrenze für Manager ab
Plakat der 1:12-Initiative: Schweizer stimmen über Lohngrenze für Manager ab

Plakat der 1:12-Initiative: Schweizer stimmen über Lohngrenze für Manager ab

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Union und SPD haben sich in den Koalitionsverhandlungen offenbar auf strengere Regeln für Managergehälter geeinigt. Künftig solle der Aufsichtsrat jedes börsennotierten Unternehmens ein Maximalverhältnis zwischen dem durchschnittlichen Einkommen der Arbeitnehmer und dem Verdienst jedes Vorstandsmitglieds festlegen, berichtet die "Bild am Sonntag".

Im Entwurf des Koalitionsvertrags werde erstmals eine Grenze für Managergehälter eingezogen, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann der Zeitung. "Wo der freie Markt versagt, muss der Staat versuchen, für Gerechtigkeit zu sorgen. Das vernünftige Maß darf bei den Gehältern von Managern nicht verlorengehen."

Wirtschaftsvertreter wehren sich gegen strengere Vorschriften für die Managergehälter. "Eine neue gesetzliche Regelung zur Vorstandsvergütung ist nicht erforderlich, weil der Corporate-Governance-Kodex bereits umfassende Transparenzregelungen enthält", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

In der Bevölkerung gibt es dagegen breite Unterstützung für strengere Regeln. Fast drei Viertel der Deutschen spricht sich dafür aus, hierzulande Top-Managern die Gehälter zu beschneiden. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK für die "Welt am Sonntag".

Auf die Frage, ob sie für eine solche Regelung seien, antworteten 73,3 Prozent der Befragten zustimmend, gut 21 Prozent waren dagegen. "Die hohe Zustimmung zieht sich - wenn auch in Variationen - durch alle Bevölkerungsgruppen und sozialen Schichten", berichtet die Zeitung.

Schweizer stimmen über Lohngrenze ab

In der Schweiz stimmen die Bürger an diesem Sonntag über die sogenannte 1:12-Initiative ab. Das Ziel: Firmenchefs sollen in einem Monat maximal so viel verdienen wie ein einfacher Mitarbeiter in einem Jahr. Niemand könnte dann noch viel mehr als 500.000 Franken im Jahr verdienen.

Fotostrecke

Schweiz: "Abzocker" vs. "Kommunisten"

Foto: © Arnd Wiegmann / Reuters/ REUTERS

Die bisherige schwarz-gelbe Bundesregierung wollte die Vergütungen der Spitzenmanager börsennotierter Unternehmen von der Zustimmung der Aktionärsversammlungen abhängig machen, um Auswüchse zu verhindern. Diese Pläne scheiterten aber an der Mehrheit der von SPD, Grünen und Linkspartei geführten Länder im Bundesrat. Diese sahen darin eine Schwächung der Aufsichtsräte und damit auch der Mitbestimmung der Arbeitnehmerseite.

cte/Reuters