Tierfutter: Zilmax - Verkauf des Mastmittels in USA eingestellt - DER SPIEGEL
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Umstrittener Wachstumsförderer Zilmax US-Konzern Merck stoppt "Vitamin Z" für Kühe

Der Merck-Konzern nimmt das umstrittene Rinder-Wachstumsmittel Zilmax in den USA vom Markt. In der EU ist es schon lange verboten. Doch niemand kann ausschließen, dass Zilmax-Fleisch nicht doch auf deutsche Teller gelangt. Kontrollen gibt es kaum.
Von Matthias Brendel
Rinderzucht in den USA: 500 Tonnen pro Monat werden importiert
Rinderzucht in den USA: 500 Tonnen pro Monat werden importiert

Rinderzucht in den USA: 500 Tonnen pro Monat werden importiert

Foto: epa Sweet/ picture-alliance/ dpa
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"Zilmax hilft den Rindern, das beste aus ihrem Futter zu machen", heißt es auf der Verbraucher-Website zilmax.com. "Geschmackvoll, zart und saftig", mache Zilmax das Fleisch. Und weil Zilmax Futter sparen helfe, sei es auch noch gut für die Umwelt. "Ist Zilmax sicher für Rinder?" - "Ja." Das hätten zahlreiche Studien bewiesen.

Was auf der Zilmax-Website nicht zu lesen ist: Merck, der amerikanische Pharmakonzern und Hersteller des Wachstumsförderers, hat den Verkauf von Zilmax in den USA und Kanada am 16. August vorläufig eingestellt. Es gab Probleme mit lahmenden und benommenen Tieren.

Möglich, dass Zilmax-Rindfleisch auch in Deutschland verkauft und verzehrt worden ist. Die zuständigen Untersuchungsämter haben zwar immer wieder Fleischproben aus aller Welt auf die hier verbotenen Wachstumsförderer untersucht - US-Fleisch auf Zilmax aber offenbar seit Jahren nicht mehr.

"Vitamin Z" - diesen Spitznamen haben US-amerikanische Rindermäster dem Futterzusatzstoff Zilmax gegeben. Kein Wunder: Zilmax, den Rindern in ihren letzten Lebenstagen vor der Schlachtung ins Futter gerührt, führt zu einer ordentlichen Zunahme an Muskelfleisch.

Zilmax ist in den USA seit sechs Jahren im Handel. Rindermäster in den USA müssen hart kalkulieren: hohe Futtermittelpreise, unter anderem hervorgerufen durch die Herstellung von Bio-Kraftstoffen, machen ihnen zu schaffen, und Zilmax spart Futter. Rund 70 Prozent aller US-Rinder bekommen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen Wachstumsförderer in den Trog gerührt.

Doch plötzlich gab es Berichte über sich seltsam verhaltende Tiere, die in Schlachthöfen angeliefert wurden. Am 7. August hatte darauf der US-Fleischgigant Tyson angekündigt, keine Rinder mehr verarbeiten zu wollen, die mit Zilmax gefüttert wurden. Und am 13. August hatte Reuters von einer Fachkonferenz berichtet, auf der der US-Fleischkonzern JBS Videos von mit Wachstumsförderern gefütterten Rindern gezeigt habe, "die sich nicht bewegen wollten".

Merck Animal Health, die Veterinärabteilung des Pharmakonzern, erklärte noch am 16. August, Zilmax sei sicher. "In Antwort auf kürzlich aufgekommene Fragen zu Zilmax" kündigte Merck gleichzeitig einen Fünf-Punkte-Plan an, der das Gegenteil vermuten ließ. Unter anderem sollten alle Farmer und Mäster, die Zilmax einsetzen, nochmals zertifiziert werden. Offenbar hegt Merck den Verdacht, dass Zilmax nicht immer ordnungsgemäß eingesetzt wird.

Stunden später schickt Merck eine weitere Presseerklärung hinterher: der Verkauf von Zilmax werde in den USA und Kanada vorläufig eingestellt. Damit verliert die Firma einen Markt mit einem Jahresumsatz von etwa 160 Millionen Dollar. Außerdem werde ein unabhängiges Team die Umsetzung des Fünf-Punkte-Plans überwachen.

Mal drei, mal zwei Tage Frist

Während Merck Animal Health in den USA und Kanada vorschreibt, die Fütterung von Zilmax drei Tage vor der Schlachtung abzusetzen, damit keine Rückstände im Fleisch verbleiben, sieht die südafrikanische Filiale des Konzerns das lockerer: dort sollen zwei Tage reichen, um Zilmax aus den Körpern des südafrikanischen Schlachtviehs zu treiben.

Jeder Tag im Mastbetrieb, an dem das Rindvieh kein Zilmax bekommt, ist für die Zilmax-Anwender ein verlorener und dadurch teurer Tag. Laut dem Livestock Marketing Information Center in Denver hilft Zilmax, die Fütterungskosten um 30 bis 40 Dollar je Tier zu senken. Man muss kein Fachmann sein, um die Versuchungen und Verlockungen der Mäster zu erkennen.

Dass mit Zilmax andererseits nicht zu spaßen ist, belegen auch Anwendungshinweise des Herstellers: Schutzkleidung, Handschuhe und Gesichtsmaske sind beim Beimischen ins Futter Pflicht. Arbeiter sollen sich nach dem Mischen gründlich waschen. Nicht die Dosierung überschreiten.

Nicht nur in der EU ist deshalb das Beimischen von so genannten Beta-Agonisten, wie Fachleute diese Wachstumsförderer nennen, verboten. Ein ähnliches Verbot gilt in Russland, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Australien, Taiwan und China. Auch die Einfuhr von Fleisch, das von Tieren stammt, die mit Wachstumsförderern gefüttert wurden, ist in diesen Ländern untersagt.

Ob dort nicht doch heimlich Wachstumsförderer verfüttert werden, ist damit natürlich nicht gesagt. Rund 500 Tonnen US-Rindfleisch werden monatlich nach Deutschland eingeführt. Ob die zuständigen Lebensmitteluntersuchungsämter Wachstumsförderer in jüngster Zeit im US-Fleisch gefunden haben?

Die verblüffende Antwort: in den letzten Jahren wurde zumindest in Norddeutschland kein US-Rindfleisch mehr auf Zilmax untersucht, erklärt das für den Großteil der US-Rindfleischimporte zuständige Lebensmitteluntersuchungsamt in Hamburg. Die "untersuchten Rindermuskelproben kommen weit überwiegend aus Südamerika (2013 bisher z.B. aus Uruguay, Argentinien, Chile)".

Insgesamt würden pro Jahr etwa 25 Proben gezogen, mal Rind, mal Geflügel. Die Ergebnisse waren "in den vergangenen Jahren durchgehend negativ, d.h., es konnten keine Rückstände nachgewiesen werden."