Catering-Firma Sodexo will Patienten mit Brechdurchfall entschädigen - DER SPIEGEL
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Tiefkühlerdbeeren als Überträger Essenslieferant will Brechdurchfall-Patienten entschädigen

Es wirkt wie ein spätes Schuldeingeständnis: Die Catering-Firma Sodexo will Patienten entschädigen, die an der jüngsten Brechdurchfall-Welle erkrankt sind. Die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass tiefgefrorene Erdbeeren, die auch in Sodexo-Großküchen verarbeitet wurden, den Erreger übertrugen.
Slogan auf Sodexo-Lieferwagen in Berlin: "Wir sind bestürzt"
Slogan auf Sodexo-Lieferwagen in Berlin: "Wir sind bestürzt"

Slogan auf Sodexo-Lieferwagen in Berlin: "Wir sind bestürzt"

Foto: dapd
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Rüsselsheim/Berlin - Sodexo kündigte spät am Abend in einer Mitteilung an, man wolle die Erkrankten entschädigen. Weitere Details nannte der Caterer zunächst nicht. Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, dass wahrscheinlich tiefgefrorene Erdbeeren die Erkrankungswelle in Ostdeutschland mit mehr als 11.000 Betroffenen ausgelöst hat. Ein Großhändler habe sie tiefgekühlt an Sodexo-Großküchen und zwei weitere Anbieter von Kantinenessen geliefert. Vermutlich stammen die Erdbeeren aus China.

"Wir sind über diesen Sachverhalt bestürzt. Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien und hoffen, dass es allen Kindern inzwischen wieder gut geht", teilte Sodexo mit. Nach Bekanntwerden der Epidemie vor einer Woche hatte der Caterer die Verantwortung noch vehement zurückgewiesen.

Bereits nach Bekanntwerden der ersten Erkrankungen habe es bei firmeninterne Ermittlungen Indizien gegeben, dass Tiefkühlerdbeeren als mögliche Ursache in Betracht kommen, heißt es nun in der schriftlichen Mitteilung des Unternehmens. Diese seien daraufhin vorsorglich und unverzüglich in allen Sodexo-Küchen "gesperrt" worden.

Neue Fälle in Sachsen

"Wir werden alles technisch und organisatorisch Machbare unmittelbar umsetzen, damit das Eintreten eines vergleichbaren Falles in Zukunft möglichst ausgeschlossen werden kann. Wir werden unsere ohnehin strengen Regularien nochmals kritisch überprüfen", heißt es weiter.

Welche Erreger über das Erdbeerkompott verbreitet wurden, war zunächst nicht klar. Die Behörden gehen bisher davon aus, dass Noroviren bei dem Ausbruch eine Rolle spielen. Die Ergebnisse der vergangenen Tage deuteten zumindest darauf hin. Allerdings ist der Verdacht noch nicht abschließend gesichert. Grundsätzlich kommen auch andere Erreger wie etwa Salmonellen in Frage. Sowohl Noroviren als auch Salmonellen überleben bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius.

Zu den Infektionen sei es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die diese Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzt hätten. Wenn die Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt worden seien, könnten nicht alle Keime abgetötet worden sein.

Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch der massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in ostdeutschen Schulen und Kitas haben Einrichtungen in Sachsen neue Fälle gemeldet. Von zehn bisher nicht betroffenen Stellen seien am Freitag 220 Neumeldungen eingegangen, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Damit sei die Zahl der Einrichtungen auf 150 gestiegen.

Die Neumeldungen deuten dem Bericht zufolge darauf hin, dass die Krankheitswelle in Sachsen anhält. In den anderen Bundesländern handelte es sich dagegen überwiegend nur noch um Nachmeldungen, die beim Institut eingingen. Insgesamt registrierte das RKI am Freitag 11.200 Erkrankungen.

itz/cib/dpa/dapd