Deutsche Bahn: Zerwürfnis im Vorstand - DER SPIEGEL
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Konzernboss gegen Finanzchef Zerwürfnis im Vorstand der Deutschen Bahn

Im Vorstand der Deutschen Bahn kracht es gewaltig. Konzernchef Lutz wollte nach SPIEGEL-Informationen Finanzchef Alexander Doll auf die Gütersparte abdrängen. Nun könnte Verkehrsminister Scheuer beide feuern.
Richard Lutz: Wie lange kann sich der 55-Jährige als Bahn-Chef halten?
Richard Lutz: Wie lange kann sich der 55-Jährige als Bahn-Chef halten?

Richard Lutz: Wie lange kann sich der 55-Jährige als Bahn-Chef halten?

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Deutsche Bahn soll für die Bundesregierung zum Klimaretter werden und wird dafür mit viel Geld überhäuft. 20 Milliarden sollen es sein. Weit über 200 neue Fernverkehrszüge sollen angeschafft, die marode Infrastruktur erneuert werden. Auch die Mehrwertsteuer auf Fernreisen soll nach dem Wunsch der Regierung gesenkt werden. Eigentlich eine komfortable Wendung für das krisengeschüttelte Unternehmen.

Doch ausgerechnet jetzt kracht es im Vorstand. Dort ist es zu einem Zerwürfnis zwischen dem Vorsitzenden Richard Lutz und Finanz- und Güterverkehrsvorstand Alexander Doll gekommen. Nach Informationen des SPIEGEL wollte Lutz seinem Kollegen das Finanzressort wegnehmen und ihn ausschließlich als Güterverkehrsvorstand einsetzen. Als der Vorstandschef diesen Monat Doll das Angebot unterbreitet hat, sagte dieser ihm ab. Der Ex-Investmentbanker soll die Offerte als Versuch wahrgenommen haben, seine Karriere auszubremsen.

Lutz, der Doll im vergangenen Jahr zur Bahn geholt hatte, muss die Ablehnung wiederum als Illoyalität werten. Die Pläne des Vorstandschefs waren wohl schon weit gereift. Nach SPIEGEL-Informationen könnte die KfW-Vorstandsfrau Ingrid Hengster als Finanzchefin zur Bahn wechseln. So jedenfalls soll Lutz das geplant haben.

Den Aufsichtsrat und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bringt der Streit in der Vorstandsetage unter Zugzwang. Sie sind auf eine erfolgreiche Vorstandsarbeit angewiesen.

Die Regierung könnte sich von Lutz oder Doll trennen, möglicherweise sogar von beiden. Ein Bahn-Sprecher wollte sich auf Nachfrage des SPIEGEL zu den Personalquerelen nicht äußern, Hengster ließ die Nachfrage unbeantwortet.

Der Vorstand der Bahn steht derzeit ohnehin unter besonderer Beobachtung der Bundesregierung. Verkehrsminister Scheuer hatte Lutz einen Brandbrief geschrieben, in dem er unter anderem Reformen im Management sowie eine Lösung für die defizitäre Güterverkehrssparte forderte. Die Bahn müsse bis zum 14. November vorlegen, wie sie die Probleme in den Griff zu kriegen gedenke.