Krisenkonzern Opel will Lohnerhöhungen verschieben
Opel-Werksgelände in Rüsselsheim (Archiv)
Foto: Arne Dedert/ dpaOffenbar will der Autohersteller Opel eine anstehende Tariferhöhung vorläufig nicht zahlen. Gewerkschaftskreise bestätigten einen Bericht der "Wirtschaftswoche", demzufolge das Tochterunternehmen des französischen Autoherstellers PSA versucht, die im Metall-Flächentarif vereinbarte Gehaltserhöhung um 4,3 Prozent vorläufig stunden zu lassen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen ab.
Opel versucht derzeit, seine Lohnkosten deutlich zu senken. Dazu legte der Konzern im Dezember Programme für Altersteilzeit und Vorruhestand sowie am Dienstag ein Programm für freiwillige Abfindungen auf. Die Marke Opel schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Vergangenes Jahr lag der operative Verlust bei 179 Millionen Euro.
Die Lohnerhöhung hatte die Gewerkschaft IG Metall erst Anfang Februar nach bundesweiten Warnstreiks errungen. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass Opel eine vereinbarte Lohnerhöhung stundet: Schon 2014 hatten die Mitarbeiter erst ein Jahr später als der Rest der Branche mehr Gehalt bekommen.
Die anstehende Lohnerhöhung müsste mit der April-Abrechnung zum Ende des kommenden Monats ausgezahlt werden. Eine für März vereinbarte Einmalzahlung von 100 Euro soll hingegen ausgezahlt werden.
Opel steht zu Tarifvertrag
Für eine Stundung müsste die Opel-Führung mit dem Betriebsrat und der IG Metall eine Zusatzvereinbarung zum Flächentarifvertrag schließen. Das Opel-Management habe aber nicht die Absicht, aus dem Tarifvertrag auszusteigen, sagte ein Opel-Sprecher.
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass er keinen Anlass zu weiteren Zugeständnissen der Beschäftigten sehe, die bereits in vorangegangenen Tarifrunden Abstriche hingenommen hatten.
Die Gewerkschaft will aber laut der Nachrichtenagentur dpa versuchen, in den neuen Verhandlungen von Opel exakte Produktionszusagen über den bereits bestehenden Vertrag hinaus zu erreichen. Besonders drängend ist das für das Werk Eisenach, in dem ab 2019 ein noch nicht näher spezifizierter Geländewagen gebaut werden soll.
Bis Ende des Jahres ist Opel vertraglich verpflichtet, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Außerdem gibt es eine Zusage der französischen PSA-Gruppe, bis 2020 in die Opel-Werke zu investieren. Opel beschäftigte mit der britischen Schwestermarke Vauxhall Ende vergangenen Jahres 35.700 Mitarbeiter in Europa, 19.000 davon in Deutschland.