Antibiotika: Künstliche Killer durchlöchern Bakterien - DER SPIEGEL
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Antibiotika Künstliche Killer durchlöchern Bakterien

Im Kampf gegen resistente Krankheitserreger gibt es eine neue Waffe. US-Forscher haben ein ringförmiges Molekül hergestellt, das sich an gefährliche Bakterien heftet und ihre Zellwand aufreißt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Immer häufiger entwickeln Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika, die damit unbrauchbar werden. Nun glauben amerikanische Forscher, die Ärzte mit einer neuartigen Wirkstoffklasse ausrüsten zu können. Ein synthetisch hergestelltes Molekül tötete in Tierversuchen gefährliche Bakterien überaus effektiv ab, berichtet das Team vom Scripps Research Institute in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Der Chemiker Reza Ghadiri und seine Kollegen hatten sich bei ihren Experimenten von der Natur inspirieren lassen. Seit langem ist bekannt, dass sich viele Pflanzen und Tiere mit speziellen Eiweißmolekülen vor bakteriellen Infektionen schützen. Frühere Versuche, diese Peptide als Medikament nutzbar zu machen, scheiterten jedoch an den Eigenschaften der Moleküle: Sie sind so groß, dass sie nur langsam durchs Gewebe zum Entzündungsherd wandern.

Deshalb bastelten die Wissenschaftler im Labor aus Aminosäuren ein eigenes ringförmiges Molekül, das deutlich kleiner ist. Das synthetische Peptid erwies sich bei Mäusen als äußerst wirksam: Es vernichtete eine resistente Variante des Bakteriums Staphylococcus aureus selbst dann, wenn es weit entfernt vom Ort der Infektion gespritzt wurde.

Das Peptid, so erklären die Forscher, durchlöchert die Erreger regelrecht. Die Moleküle dringen in die Zellwand der Bakterien ein und reihen sich dort zu längeren Ketten aneinander. Diese so genannten Nanoröhren reißen Öffnungen in die Außenhaut der Mikroben, so dass diese schließlich absterben.

Ghadiri und seine Kollegen hoffen, dass ihre Arbeit die Grundlage für die Entwicklung maßgeschneiderter Designer-Antibiotika schafft. Indem man die Kombination der Aminosäuren verändert, könnte man die synthetischen Peptide auf die verschiedensten Bakterien abrichten, so die Wissenschaftler. Überdies sollte es den Erregern schwer fallen, sich gegen solche Attacken zu wehren, da sie dafür den Aufbau ihrer Zellwand grundlegend verändern müssten.

Das künstliche Peptid sei ein "aufregender Fortschritt" bei der Suche nach neuen Antibiotika, kommentierte der Mediziner Tomas Ganz von der University of California, Los Angeles, in einem Begleitartikel. Doch durch die chemische Synthese, so gibt er zu bedenken, könnte die Herstellung eines Medikaments teuer werden. Zudem seien wie bei jedem Wirkstoff aufwendige Testreihen nötig, bei denen sich möglicherweise unvorhersehbare Probleme ergeben.