Kanadische Studie: Dicke denken langsamer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kanadische Studie Dicke denken langsamer

Zu viele Pfunde belasten nicht nur das Herz. Ein zu großer Appetit kann offenbar schädliche Auswirkungen auf die gesamte Gesundheit haben - bis hin zu eingeschränkten geistigen Fähigkeiten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Frauen trifft es am härtesten. Einer aktuellen Studie von Forschern der University of Toronto zufolge hat das weibliche Geschlecht deutlich stärker mit den zusätzlichen Pfunden zu kämpfen. "Übergewichtige Frauen stufen ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht ein, Männer dagegen fühlen sich erst gefährdet, wenn sie krankhaft fettleibig sind", sagt Kostas Trakas, Autor der Studie. Statistisch gesehen leidet jeder siebte Kanadier an Fettleibigkeit.

Der Doktorand in Pharmakologie hat die Daten einer offiziellen kanadaweiten Umfrage zur Gesundheit genauer unter die Lupe genommen. Die Antworten der 38.151 befragten Kanadier wurden nach Aspekten wie Geschlecht, Gewicht, Rauchgewohnheiten oder Bildung gewichtet.

Dabei stieß Trakas auf überraschende Zusammenhänge. So verfügen übergewichtige oder fettleibige Menschen über verlangsamte kognitive Fähigkeiten, verstärktes Schmerzempfinden und eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Während die befragten Männer die Auswirkungen ihres Übergewichts eher mit einer Migräne verglichen, stellten die Frauen deutlich drastischere Vergleiche auf. Demnach sind die überflüssigen Pfunde schlimmer als eine Diabetes oder ein Herzinfarkt.

Für Neil Shear, Chef der klinischen Pharmakologie an der University of Toronto, stellten die Auswirkungen des Übergewichts auf das alltägliche Leben der Kanadier eine große Überraschung dar. Ärzte sollten nun endlich Fettleibigkeit als Krankheit und nicht als Folge eines schlechten Lebenswandels ansehen. "Anstatt jedes Symptom des Übergewichts einzeln zu behandeln, müssen Mediziner", so Shear, "Übergewicht als ganzheitliches Problem ihrer Patienten verstehen."