Spermawaage: Mädchen auf Bestellung - DER SPIEGEL
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Spermawaage Mädchen auf Bestellung

Das Geschlecht eines Neugeborenen muss nicht unbedingt Glückssache sein. Forscher wollen eine Methode entwickelt haben, mit der Mädchen oder Jungen je nach Wunsch geliefert werden können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ja, ja, das Y-Chromosom. Es macht die Männer einzigartig, weckt die Männlichkeit in ihnen, grenzt sie vom weiblichen Geschlecht ab, dessen Erbanlagen lediglich über X-Chromosomen verfügen. Doch wenn das sagenhafte Y an die nächste Generation weitergegeben werden soll, stehen die Chancen gerade einmal fünfzig zu fünfzig.

Schuld daran sind die Spermien. Klein und wendig können die männlichen Samenzellen lediglich ein X- oder ein Y-Chromosom transportieren. Da beide Arten in der Theorie gleich wahrscheinlich sind, sollte sich bei 50 Prozent aller Befruchtungen ein Mädchen (mit zwei X-Chromosomen) entwickeln. Bei der anderen Hälfte der Fälle entsteht ein Junge (mit einem X- und einem Y-Chromosom).

Doch eine Lösung scheint in Sicht: US-Forscher wollen einen Weg gefunden haben, um steuernd in das natürliche Geschlechter-Roulette einzugreifen. Wie der britische Fernsehsender "BBC" im Internet berichtet, unterscheiden sich Spermien mit dem X-Chromosom in einem entscheidenden Detail von ihren Y-Kollegen: Das X-Chromosom enthält 2,8 Prozent mehr Erbsubstanz und ist deshalb um einiges größer als sein männliches Gegenstück.

Nach Angaben ihres Entwicklers Harvey Stern befindet sich die in Fairfax (US-Bundesstaat Virginia) gebaute "Spermawaage" derzeit im Stadium der klinischen Erprobung. Erste Tests im Zuge der künstlichen Befruchtung seien Erfolg versprechend verlaufen.

So hätte bei 284 untersuchten Embryos in 90 Prozent aller Fälle das korrekte Geschlecht vorhergesagt werden können. "Wir können die Chance, je nach Wunsch ein Mädchen oder einen Jungen zu bekommen, signifikant erhöhen", so Stern gegenüber dem britischen Fernsehsender.

Gleichzeitig werden die Forscher nicht müde, den wissenschaftlichen Zweck ihres Selektionsapparates zu betonen. Nicht der lang gehegte Wunsch nach einem Stammhalter oder einer niedlichen Tochter stehe im Vordergrund, sondern genetisch-bedingte Krankheiten.

Viele Erbkrankheiten werden in der Tat durch Defekte des X-Chromosoms übertragen, können aber durch ein intaktes X-Chromosom ausgeschaltet werden. Da Mädchen zwei X-Chromosomen besitzen, ist dieser Fall deutlich wahrscheinlicher als bei Jungen. Denn die verfügen von Natur aus über besagtes Y-Chromosom - und das kann zwar Männlichkeit vermitteln, doch um ein defektes X-Chromosom auszuschalten, reicht seine Macht nicht aus.