Von Kartoffeln bis Zwiebeln Wetterextreme lassen Lebensmittelpreise weltweit explodieren
Menschen betrachten die Waren in einem Supermarkt in Nanjing
Foto: VCG / Getty ImagesWetterextreme stehen in direktem Zusammenhang mit kurzfristigen Preissteigerungen von Grundnahrungsmitteln. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung des Barcelona Supercomputing Centre. Die Forschenden stellen darin einen direkten Zusammenhang zwischen Dutzenden Klimaextremen und dem drastischen Anstieg der Lebensmittelpreise her – und prognostizieren potenzielle Folgen für die Gesundheit der Weltbevölkerung.
Lesen Sie mehr über die neuesten Entwicklungen, Hintergründe und spannenden Lösungsansätze in unserem Themenspezial.
Während vorherige Studien primär die langfristigen Auswirkungen von klimatisch bedingt sinkenden Erträgen auf die Preisinflation untersuchten, haben Forschende um den Deutschen Maximilian Kotz nun ermittelt, dass es bei bestimmten Lebensmitteln zu einem viel stärkeren kurzfristigen Preisanstieg kommt. Dabei ließen sich unter anderem folgende Fälle beobachten:
In Europa ist der Preis für Olivenöl im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen, nachdem es in den Jahren 2022 und 2023 in Südspanien zu lang anhaltenden Dürren gekommen war.
In Kalifornien und Arizona stiegen die Gemüsepreise im November 2022 nach der extremen Sommerdürre in den westlichen Bundesstaaten der USA um 80 Prozent.
In Indien stiegen die Preise für Zwiebeln und Kartoffeln im zweiten Quartal 2024 nach einer Hitzewelle im Mai um mehr als 80 Prozent.
In Japan stiegen die Reispreise im September 2024 um 48 Prozent. Vorangegangen war eine Hitzewelle im August.
Die weltweiten Kakaopreise stiegen im April 2024 um fast 300 Prozent, nachdem nur zwei Monate zuvor eine Hitzewelle in der Elfenbeinküste und in Ghana geherrscht hatte.
In Pakistan stiegen die Lebensmittelpreise in den Wochen nach den Überschwemmungen im August 2022 um 50 Prozent – die Monsunregenfälle lagen ihrerseits 547 Prozent über dem Durchschnitt.
Preisschocks könnten sich langfristig negativ auf die Gesundheit auswirken
Viele der Wetterereignisse, die die Forschenden für den Preisanstieg verantwortlich machten, waren »aus historischer Sicht völlig beispiellos«, sagt Studienleiter Kotz. Die Temperaturen lagen demnach »weit außerhalb dessen, was wir in einem stabilen Klima, das nicht durch menschliche Emissionen beeinflusst worden wäre, erwartet hätten«.
-
13 Min
-
4 Min
-
3 Min
Die Preisanstiege folgten der Studie zufolge meist nur wenige Monate nach dem beobachteten Extremwetter – und solche klimatischen Veränderungen werden perspektivisch zunehmen, wie die Forschenden warnen. »Solange wir nicht auf Netto-null-Emissionen kommen, werden die Wetterextreme nur noch schlimmer werden, und schon jetzt schädigen sie die Ernten und treiben die Lebensmittelpreise auf der ganzen Welt in die Höhe«, so Kotz.
Die vom Klimawandel verursachten Preisschocks könnten sich langfristig negativ auf die Gesundheit auswirken, heißt es in der Studie: Wenn die Preise steigen, werden einkommensschwache Haushalte wahrscheinlich seltener nahrhafte Lebensmittel wie Obst und Gemüse essen, weil sie sich diese nicht leisten können. Dadurch könnten gesundheitliche Folgen wie Mangelernährung, koronare Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes und viele Krebsarten intensiviert werden.