Satellitenbild der Woche Tödliche Feuerwalze
Melbourne - Es waren die wohl schlimmsten Buschbrände der australischen Geschichte - und die Schäden sind noch größer als zunächst befürchtet. Ein Vertreter des Katastrophenschutzes erklärte am Freitag, man gehe von mindestens 1831 durch die Flammen zerstörten Häusern aus.
Bislang sind im Katastrophengebiet 181 Leichen geborgen worden. Die Zahl der Opfer dürfte aber über 200 steigen. Allein in der niedergebrannten Stadt Marysville werden noch 50 bis 100 Tote vermutet. Die Polizei hat den Ort zum Zorn vieler Einwohner abgeriegelt, um zunächst die verkohlten Leichen zu bergen. In dem am heftigsten betroffenen Bundesstaat Victoria wüten derzeit noch rund 20 Brände. So fanden zum Beispiel die Flammen nahe von Healesville neue Nahrung. Dichter Rauch war über der Stadt zu sehen, wie die Behörden mitteilten. Auch dem Esa-Satelliten "Envisat" sind die Feuer nicht entgangen. Mit seinem Meris-Instrument hat er die Rauchschwaden aus 800 Kilometern Höhe aufgenommen - ähnlich wie schon im Sommer 2007, als die Wälder auf der griechischen Halbinsel Peloponnes in Flammen standen.
Jüngst hatten sinkende Temperaturen und ein abgeschwächter Wind der Feuerwehr eine Atempause beim Kampf gegen die Flammen verschafft. Für kommende Woche wurden jedoch wieder steigende Temperaturen erwartet, eine neue Hitzewelle könnte zudem Gewitter und Blitzschlag mit sich bringen - und damit neue Brandrisiken.
Einstweilen geht es aber an die Aufarbeitung der bisherigen Brände: Die Behörden haben gegen einen Mann Anklage wegen Brandstiftung mit Todesfolge erhoben. Der Angeschuldigte habe in der Nähe der Stadt Churchill im Bundesstaat Victoria ein Feuer gelegt, bei dem 21 Menschen ums Leben gekommen seien, erklärte die Polizei. Das Gericht ordnete eine psychiatrische Untersuchung des Verdächtigen an.
Bereits am Donnerstag waren zwei Männer vorübergehend festgenommen worden, die sich in einem am Wochenende niedergebrannten Gebiet nahe der Stadt Yea verdächtig verhalten haben sollen. Nach eingehender Befragung wurden sie aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Bundesstaat Victoria wird Brandstiftung mit bis zu 25 Jahren Haft geahndet. Für das Legen von Buschfeuern drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Die Brandermittler sind seit Tagen im Großeinsatz: Rund 125 Beamte suchen die Feuerteufel. Soziologen meinen, dass die Brände vor allem von jungen Leuten gelegt werden, die sich wichtig tun wollen oder von Benachteiligten, die sich an der Gesellschaft rächen wollen.
Die australische Regierung hat den Opfern der Feuer inzwischen Unterstützung in Höhe von mehr als 38 Millionen Euro zugesagt. Ministerpräsident Kevin Rudd erklärte, ein Teil der mindestens 7000 Menschen, die in den Flammen ihre Wohnung verloren hatten, sollten vorübergehend in Militäreinrichtungen unterkommen.