Wasservorrat: Der Mars birgt enorme Eismassen - DER SPIEGEL
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Wasservorrat Der Mars birgt enorme Eismassen

Nun ist es offiziell: Unter der Oberfläche des Roten Planeten verbergen sich Massen von Eis. Nach Ansicht der Forscher ist der Vorrat groß genug für künftige bemannte Expeditionen.
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Auf diesen Fund haben die Marsforscher lange gewartet: Endlich gibt es handfeste Belege für Wasservorkommen auf dem Roten Planeten. Nach Auswertung von Daten der Sonde "Mars Odyssey" ist sich die Nasa sogar sicher, dass sich "enorme Mengen" von Eis unter der Oberfläche des Nachbarplaneten verbergen - mehr als genug, so die US-Raumfahrtbehörde, um den Lake Michigan zweimal zu füllen.

Dass früher einmal Wasser über den Mars floss, vermuten Wissenschaftler schon seit geraumer Zeit. Hinweise hatten immer wieder von Beobachtungssatelliten zur Erde gefunkte Bilder geliefert, auf denen Rinnen und andere verdächtige Spuren zu erkennen waren. Nun glauben die Experten, die Frage nach dem Schicksal des nassen Elements beantworten zu können: Es ist offenbar in gefrorenem Zustand im Boden des Roten Planeten gespeichert.

Die Entdeckung erhöht die Wahrscheinlichkeit für Leben auf dem Mars - etwa in unterirdischen Reservoirs aus Schmelzwasser - und könnte die Wahl der Landeplätze für künftige Missionen beeinflussen. Schon im März hatte das Jet Propulsion Laboratory der Nasa erste Bilder und Daten der "Odyssey"-Instrumente veröffentlicht, die auf Eisvorkommen hindeuteten. Nach Abschluss der Auswertung publizieren die beteiligten Forscher jetzt ihre Resultate in drei Studien, die in der kommenden Ausgabe des US-Fachmagazins "Science" erscheinen werden.

"Dies ist der bislang beste direkte Beweis für Eis unter der Marsoberfläche", erklärte William Boynton, Hauptautor einer der Studien. Der Wissenschaftler von der University of Arizona ist verantwortlich für das Gammastrahlen-Spektrometer der Sonde, mit dem die charakteristische Strahlung verschiedener Elemente, darunter auch Wasserstoff, im Marsboden gemessen werden kann. "Wir hatten darauf gehofft, Hinweise auf Eis zu entdecken", sagt Boynton. "Aber was wir gefunden haben, ist viel mehr als wir je erwartet hätten."

Gleich mit drei Instrumenten - dem Gammastrahlen-Spektrometer, einem Neutronen-Spektrometer und einem weiteren Detektor für hochenergetische Neutronen - konnten die Forscherteams erhöhte Konzentrationen von Wasserstoff in ausgedehnten Regionen des Roten Planeten nachweisen. Das Verfahren beruht auf Teilchen der kosmischen Strahlung, die im felsigen Marsboden auf Atome prallen. Durch nukleare Kettenreaktionen entstehen dabei freie Neutronen und Gammastrahlung, die Rückschlüsse auf die Verteilung der chemischen Elemente ermöglichen.

Besonders hohe Wasserstoffmengen finden sich den Forschern zufolge einerseits in einer ringförmigen Zone um die nördliche Polregion des Planeten, wo gefrorenes Kohlendioxid vermutlich die Sicht behindert. Ein noch größeres Gebiet liegt auf der anderen Halbkugel südlich des 60. Breitengrades. Dort beginnt die mutmaßliche eisreiche Gesteinsschicht den Schätzungen zufolge in rund 60 Zentimeter Tiefe, um sich noch weiter südlich bis auf 30 Zentimeter der Oberfläche zu nähern.

Die auffälligen Wasserstoffvorkommen sind allesamt in äußerst kalten Regionen angesiedelt, wo Bodeneis stabil bleiben sollte. Dieser Zusammenhang bestärkt die Wissenschaftler in der Vermutung, dass der Wasserstoff tatsächlich in Form von gefrorenem Wasser und nicht etwa in Mineralien gebunden vorliegt. Die entsprechende Bodenschicht besteht, so glauben die Planetologen, zu mehr als 50 Volumenprozent aus Eis. "Diese Schicht ist womöglich eher dreckiges Eis als eishaltiger Dreck", meint Boynton.

Wie tief die Eismassen reichen, ist noch unklar - die "Odyssey"-Detektoren können Wasserstoff nur etwa einen Meter weit unter der Oberfläche aufspüren. Auf jeden Fall sind die Vorräte den Forschern zufolge so umfangreich, dass sie in Zukunft ausgebeutet werden könnten: "Die auf dem Mars vorhandene Wassermenge ist ausreichend groß, um künftige menschliche Forschungsaktivitäten zu unterstützen", meint Bill Feldman vom Los Alamos National Laboratory, wo das Neutronen-Spektrometer entworfen wurde.

Martin Paetsch

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