May Hayat, Überlebende Hamas-Angriff: »Oh nein! Ich kann nicht glauben, dass mir das passiert.«
Das ehemalige Festivalgelände in der Nähe des Kibbuz Re'im an der Grenze zum Gazastreifen, gut einen Monat nach dem Überfall der Hamas: Wieder muss May Hayat in Deckung gehen. Hamas-Terroristen haben Raketen abgefeuert. Auch diesmal bleibt sie unverletzt. Den Terrorangriff am 7. Oktober überlebte Hayat nur knapp. Wie viele andere versucht sie, das Erlebte vor Ort zu verarbeiten.
May Hayat, Überlebende Hamas-Angriff: »Alles war gut, die Party war toll. Alle waren glücklich und hatten Spaß und tanzten. Gegen 6 Uhr 30 nach Sonnenaufgang kamen die ersten Raketen. Wir gingen zum Wohnwagen und dachten, der Raketenbeschuss würde aufhören. Raketen sind hier im Süden Israels eine alltägliche Angelegenheit. Sobald die Raketen aufhörten, wollten wir wieder rauskommen. Dann riefen sie über Lautsprecher dazu auf, so schnell wie möglich zu fliehen. Etwa 15 Minuten nachdem die Raketen anfingen, rief mich mein Freund an, er war hier auf der Party. Er sagte, dass sie auf jeden schießen, der auf der Straße fährt, und dass es viele Leichen und Verletzte gibt.«
Bei dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober wurden etwa 260 Festivalbesucher nahe der Grenze zu Gaza getötet. Mehr als 100 wurden in den Gazastreifen entführt, einzelne in Propagandavideos vorgeführt. Hayat, die auf dem Festival als Kellnerin gearbeitet hatte, war am 7. Oktober gemeinsam mit einem Freund bereits in der Gewalt der Terroristen.
May Hayat, Überlebende Hamas-Angriff: »Irgendwann haben sie Avi ermordet, weil er neben mir weinte. Ich blieb mit ihnen allein, sie wollten mich in ein Fahrzeug setzen, das Fahrzeug sprang nicht an. Dann gab es Verwirrung unter ihnen, ihr Plan hatte sich geändert, ich verstand nicht, was los war. Und dann gingen wir in Richtung des Partybereichs und sie fingen an, einfach alles zu plündern, was sie sahen und finden konnten – und ich half ihnen. Alles, was ich finden konnte, habe ich diesem einen Terroristen gegeben. Das hat ihn wahrscheinlich dazu gebracht, sich meiner zu erbarmen. Irgendwann hat er mich gehen lassen. Er hat mir einfach gesagt, ich solle gehen. Der andere Terrorist stritt mit ihm und wollte mich umbringen. Ich sah, wie sie darüber stritten, ob sie mich umbringen sollten oder nicht. Da bin ich weggelaufen. Auf der Flucht sah ich eine Menge Bewaffneter um mich herum und habe mich vor ihnen versteckt.«
Die Hamas-Terroristen erschießen die Flüchtenden und suchen nach Opfern in ihren Verstecken. Wieder hat Hayat großes Glück.
May Hayat, Überlebende Hamas-Angriff: »Als ich unter der Bühne lag, sah ich, dass sie auf die Leute schossen, um sicherzugehen, dass sie alle tot waren. Sie schossen dem Körper neben mir in den Kopf. Ich nahm das Blut und wischte es mir ins Gesicht und blieb einfach still liegen, um tot zu wirken. Ich wartete etwa zwei Stunden lang auf die Armee unter der Bühne, bis etwa 13 Uhr. Angefangen hatte alles um etwa 6:30 Uhr morgens.«
Das israelische Militär trifft Stunden später ein und zieht Hayat unter der Bühne hervor. Fassungslos läuft sie heute über das Gelände. Die Spuren des Attentats sind noch immer sichtbar.