Autogramm Ford Fiesta ST 200 Der Geburtstagsknaller
Der erste Eindruck: Grau wie eine Maus! Da lässt Ford extra für das Sondermodell Fiesta ST 200 einen exklusiven Lack anrühren, und dann kommt so eine Farbe dabei heraus. Das hat der Kleine nicht verdient.
Das sagt der Hersteller: Sportmodelle sind laut Ford-Entwicklungschef Joe Bakaj ein fester Bestandteil der mittlerweile 40-jährigen Geschichte der Kleinwagenbaureihe Fiesta. Allein in der aktuellen Modellgeneration des meistverkauften Kleinwagens in Europa wurden schon mehr als 30.000 Fiesta ST gebaut. Zum Geburtstag gibt es nun einen Nachschlag für das Auto. Bakaj: "Damit stoßen wir in puncto Power und Performance in neue Bereiche vor und bauen vielleicht einen Klassiker von morgen."
Das ist uns aufgefallen: Es ist faszinierend, wie souverän der Fiesta ST 200 die Kraft auf die Straße bekommt. Während bei vielen anderen übermotorisierten Kleinwagen der Vortrieb im Rauch der Reifen aufgeht und die Traktionskontrolle die Leistung bis zur Unfahrbarkeit regulieren muss, ist der Fiesta ST 200 weder Profilkiller noch Spaßbremse. Selbst wenn der Motor im Overboost kurzfristig bis zu 215 PS und 320 Nm Drehmoment entwickelt, scharrt der
Autogramm Ford Fiesta ST 200: In der Grauzone
Wagen beim Anfahren kaum mit den 17-Zoll-Rädern und macht auch keinen Satz zur Seite, wenn man am Kurvenausgang wieder aufs Gaspedal tritt.
Das ist umso faszinierender, weil der ST 200 kein kompromissloser Knochenschüttler ist. Zwar ist das Fahrwerk - wie beim normalen ST - um knapp zwei Zentimeter abgesenkt und spürbar strammer gefedert. Doch der Wagen fährt dennoch halbwegs kommod über Bodenwellen und rauere Pisten. Seine Paradedisziplin sind jedoch Kurven. Dank einer direkter übersetzten Lenkung und einer Art elektronischen Differenzialsperre, die das innere Antriebsrad ein bisschen einbremst und das äußere Vorderrad schneller drehen lässt, kommt er souverän ums Eck. Damit begeistert der Fiesta ST auf einer kurvigen Strecke, wie man es sonst nur von sehr viel stärkeren und teureren Sportwagen kennt.
Die Fokussierung aufs Fahren hat noch einen weiteren Vorteil: Weil der Blick ständig die ideale Linie sucht, hat man keine Augen mehr für das antiquierte Ambiente. Denn sonst würde man sich über das winzige, grob verpixelte Infotainment-System mit der komplizierten Bedienung ärgern oder über die Mittelkonsole, die mit Schaltern geradezu gesprenkelt ist.
Das muss man wissen: Hinter dem Wabenkühlergrill rumort auch im Fiesta ST 200 der bekannte 1,6-Liter-Turbobenziner, bei dem nun allerdings der Steuerchip neu programmiert wurde. Die im normalen ST nur für 15 Sekunden verfügbaren 200 PS Leistung und 290 Nm Drehmoment stehen jetzt dauerhaft bereit.
Entsprechend verbessern sich die Fahrleistungen: Der Sprintwert liegt bei 6,7 Sekunden und das Spitzentempo steigt auf 230 km/h. Wobei man sich von den nüchternen Zahlen nicht täuschen lassen darf. Weil der flotte Kleinwagen den Fahrer so sehr vereinnahmt und es im Innenraum aufgrund einer akustischen Direktleitung in den Motorraum lauter ist als draußen, ist die gefühlte Rasanz viel größer als die gemessene.
Ford lässt sich den Nachschlag teuer bezahlen, nämlich mit glatt 4000 Euro Aufpreis. Der ST200 kostet also mindestens 24.640 Euro und damit längst so viel, wie ein ordentlich ausgestatteter Kompaktwagen. Die Fiesta-Fans scheint das nicht zu stören. Das auf vorläufig 500 Exemplare limitierte Kontingent, das ab Juli bei den deutschen Händlern stehen wird, ist angeblich so gut wie verkauft.
Das werden wir nicht vergessen: Mit viel Feinschliff hat Ford aus einem kleinen Auto einen großartigen Sportwagen gemacht. Umso mehr wundert die Nachlässigkeit, mit der Ford das Geschenk zum 40. Fiesta-Geburtstag verpackt hat. Denn der eigenwillige Lack, der peinliche Diffusor und die popelige Plastikplakette im Innenraum sind alles, was das neue Topmodell auszeichnet. Etwas mehr Show hätte das Auto schon verdient gehabt.