VW Up: Facelift für den kleinsten Volkswagen
Fahrbericht VW Up Muss passen
Digitalisierung bedeutet die Reduktion auf Nullen und Einsen. Im Fall des frisch renovierten VW Up ist es die Null, denn in die Smartphonehalterung, prominent positioniert auf der Mitte des Armaturenbretts des Kleinwagens, passt mein Telefon einfach nicht rein. Irgendetwas klemmt oder hakt, jedenfalls lässt sich mein Gerät nicht fixieren. Und die Koppelung mit der Bordelektronik funktioniert auch nicht. Weiß der Teufel, was da schief läuft - aber auch nach dem fünften Versuch erkennt das Radio mit dem vieldeutigen Namen "Composition Phone" mein Mobiltelefon nicht. Ich gebe auf und fahre einfach so los.
Das, immerhin, klappt auf Anhieb.
Und so wird ganz beiläufig einmal mehr deutlich, was ein Auto eigentlich ausmacht: nämlich dass es fährt. Mobil zu sein ohne Mobiltelefonanbindung ist völlig okay. Und im renovierten VW Up macht es sogar richtig Spaß.
Was auch daran liegt, dass in unserem Testauto ein für die Up-Baureihe neuer Motor unter der Haube steckt. Der 1-Liter-Dreizylinder-TSI, also ein Aggregat mit Turbolader und Benzindirekteinspritzung, leistet 90 PS und ist die neue Topmaschine im Up-Angebot. Beim Anfahren knurrt das Triebwerk tatendurstig, dann läuft es aber vor allem ziemlich leise und erledigt seine Aufgabe erfrischend zügig.
Unschuldig in der Dieselaffäre
Allerdings kommt auch der neue TSI-Motor im Alltagsbetrieb nicht ansatzweise an die offiziell verbreiteten Verbrauchswerte heran. 4,4 Liter sollen es im Schnitt sein - das kann man gleich vergessen. Für den Stadtverkehr gibt VW ein Mittel von 5,5 Liter an; der Bordcomputer unseres Testautos meldete nach etlichen Kurzstrecken in der Stadt 6,8 Liter. Wenigstens ist die Baureihe beim Abgasskandal außen vor, denn es gibt sie nicht mit Dieselmotor (wohl aber mit Erdgas- oder Elektroantrieb).
Für VW ist das die Chance, den Kleinen als frischen, pragmatischen, unvoreingenommenen Einstieg in die Marke zu positionieren. Das Auto soll VW neue und am besten junge Kunden zutreiben, darauf wurde beim Facelift in zweierlei Hinsicht Wert gelegt: Erstens liegt der Einstiegspreis ab sofort bei 9850 Euro, das ist etwas billiger als zuletzt; zweitens gibt es zahlreiche neue Ausstattungs- und Individualisierungsoptionen - die den Preis sogleich wieder in die Höhe schnellen lassen.
Der VW Up im Video:
Mit sogenannten Color-, Design-, Interior- oder Roof-Packs lassen sich Räder, Dächer, Sitze, Außenspiegelgehäuse, Karosseriefarben sowie Dekorfolien ziemlich bunt mischen. Auch für das Armaturenbrett gibt es zehn verschiedene Dekore, die vorderen Sicherheitsgurte können mit roten Ziernähten bestellt werden und schicke Textilfußmatten gibt es ebenfalls. Der Sinn der fast schon verwirrenden Stylingvielfalt ist klar: Der Up soll endlich auch die allseits umschwärmte, urbane Latte-Laptop-Zielgruppe ansprechen.
Die, so das Kalkül der Vertriebs- und Marketingleute bei VW, lassen sich dann auch von ab sofort verfügbaren Extras wie dem Multifunktionslenkrad, einer LED-Ambientebeleuchtung, einer Klimaautomatik oder einer Rückfahrkamera überzeugen. Zumindest die 200 Euro Aufpreis für die letztgenannte Option sollte man sich sparen, denn kaum ein anderes Auto ist derart übersichtlich und leicht zu rangieren wie der Up.
Sondermodell mit edler Soundanlage
Das gute Handling, das angenehme Lenkgefühl, die für einen Kleinwagen überaus bequemen Sitze und die sorgfältige, fast schon ein bisschen zu ernsthafte Gestaltung der Armaturentafel machen den Up zu einem praktischen Auto. Billig hingegen ist nur die komplett schmucklose Einstiegsversion mit dem 60-PS-Benziner.
Das uns zu Testfahrten zur Verfügung gestellte Sondermodell Up Beats, in dem eine 300-Watt-Musikanlage mit sechs Lautsprechern inklusive Subwoofer installiert ist, kostet mindestens 13.150 Euro, mit dem neuen Top-Motor und als Viertürer gar 15.080 Euro.
Inkludiert sind in diesem Preis einige weitere Extras, wie etwa ein verchromter Handbremshebelknopf, abgedunkelte Scheiben im Fond sowie 15-Zoll-Leichtmetallräder.
Und ja, das Radio "Composition Phone" sowie die "Dashpad" genannte Telefonhalterung (sonst 170 Euro Aufpreis) gehören auch dazu. Wäre nur wichtig, dass sie dann auch problemlos funktionieren.
| Hersteller: | VW |
|---|---|
| Typ: | Up TSI |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo |
| Getriebe: | Fünfgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 999 ccm |
| Leistung PS: | 90 PS |
| Leistung kW: | 66 kW |
| Drehmoment: | 160 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 185 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 4,4 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 101 g/km |
| Kofferraum: | 251 Liter |
| umgebaut: | 959 Liter |
| Gewicht: | 1.111 kg |
| Maße: | 3600 / 1641 / 1463 |
| Preis: | 15.080 € |